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Leichtathletik-WM: Bolts Start vor dem Start

Foto: Matt Dunham/ AP

Fehlstart von Sprintstar Bolt "Tränen? Das wird nicht passieren"

Usain Bolt hat für die erste Sensation bei der Leichtathletik-WM gesorgt. Doch der Sprintstar stellte keinen neuen Weltrekord auf, sondern patzte in seiner Paradedisziplin. Das Medaillen-Triple kann er nach seinem Fehlstart vergessen.

Hamburg - Es gab wenig, das so sicher war, wie Usain Bolts Triumph über 100 Meter bei der Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Südkorea. Der Jamaikaner hatte die Sprintszene in den vergangenen Jahren dominiert. Den WM-Vorlauf in Daegu absolvierte er mit der von ihm gewohnten Leichtigkeit, auch im Halbfinale war er der Konkurrenz überlegen. Es war am Sonntag also alles angerichtet für den ersten Teil der Bolt-Show.

Doch anstelle des erwarteten Siegs gab es eine Sensation: Bolt leistete sich einen deutlichen Fehlstart und wurde vorzeitig disqualifiziert. Als Bolts Trainingspartner Yohan Blake in 9,92 Sekunden zum Titel rannte, war der Superstar bereits in den Katakomben verschwunden. Zuvor hatte er sich sein Shirt vom Leib gerissen und mit der Faust gegen die Stadionwand gehämmert. Immer wieder schaute er wütend gen Himmel. Als Bolt später vor die Mikrofone trat, zeigte er sich trotzig: "Sucht ihr nach Tränen? Das wird nicht passieren", sagte der Superstar nach der Blamage.

Bolt wurde eine Regeländerung zum Verhängnis, die seit Januar 2010 in Kraft ist. Danach gibt es keine zweite Chance mehr nach einem Fehlstart. Einmal zu früh aus den Startblöcken katapultiert - und schon ist jede Titelhoffnung passé. Bis 2009 war pro Rennen noch ein Fehlstart erlaubt. Erst beim zweiten vergeblichen Anlauf musste der Schuldige die Bahn verlassen - egal, ob er schon für den ersten Fehlstart verantwortlich war oder nicht. Unumstritten ist die Regel nicht: "Darüber sollte nachgedacht werden", sagte der WM-Dritte Kim Collins: "Die Zuschauer kommen nicht wegen Blake oder mir."

"Ich denke, ich werde mit Leichtigkeit gewinnen"

Mit seinem Fehlstart hat sich Bolt, der in der Vergangenheit nicht gerade durch Bescheidenheit aufgefallen ist, um die erste von drei vermeintlich sicheren Medaillen in Südkorea gebracht. Dabei war er im Vorfeld so siegessicher: "Ich denke, ich werde mit Leichtigkeit gewinnen", hatte der 25-Jährige getönt.

Diese Leichtigkeit demonstrierte er auch vor dem 100-Meter-Start. Bei der Vorstellung zeigte er auf seine Konkurrenz und schüttelte den Kopf, als ob er seinen Gegnern schon im Vorfeld die Siegchance absprechen wollte. Dann ließ er seine Muskeln spielen. Doch als er sich zu früh aus den Startblöcken katapultierte war jede Lässigkeit verflogen. Auch die Konkurrenz war sichtlich erstaunt von Bolts Disqualifikation.

"Ich kann keine Worte finden, um das zu erklären. Usain war immer für mich da. Ich könnte heulen", sagte der Sieger Blake, der mit Bolt gemeinsam trainiert, nach dem Rennen. Silbermedaillengewinner Walter Dix zeigte sich ungläubig: "Wie kann man Usain Bolt disqualifizieren?" Und auch der französische Europameister Christoph Lemaitre sagte: "Im ersten Moment tat er mir sehr leid."

Traum vom Triple-Triple für Bolt geplatzt

Bolt hatte in dieser Saison zwar nur wenige Rennen bestritten und war der Konkurrenz aus dem Weg gegangen. Dennoch galt er in Südkorea als der große Favorit über 100 Meter. Denn in Landsmann Asafa Powell und dem US-Sprinter Tyson Gay, die aufgrund von Verletzungen nicht bei der WM dabei sind, sowie dem US-Sprinter Michael Rodgers, der wegen eines positiven Dopingbefunds von der amerikanische Anti-Doping-Agentur (Usada) für die gesamten Wettkämpfe gesperrt worden war, waren seine vermeintlich größten Konkurrenten nicht mit dabei.

Und die ersten Auftritte des Sprinters in Südkorea bestätigten die Vermutungen: Bolt spazierte ins Finale. In den Vorläufen war der 25-Jährige in 10,10 Sekunden die beste Zeit gelaufen - obwohl er auf den letzten Metern das Tempo rausnahm. Auch im Halbfinale (10,05) ließ er der Konkurrenz keine Chance und keine Zweifel an seinem Final-Triumph aufkommen.

Der Traum vom Triple-Triple ist nun aber für Bolt geplatzt. 2008 hatte er bei den Olympischen Sommerspielen in Peking drei Goldmedaillen gewonnen. Auch ein Jahr später bei den Weltmeisterschaften in Berlin triumphierte er dreifach. Nun sind für Bolt in Südkorea nur noch zwei Medaillen möglich: Am Samstag findet das Finale über 200 Meter statt, einen Tag später sind dann die Endläufe der 100-Meter-Staffel. Doch vorher stehen dafür die Qualifikationsläufe an.

In Bolts Disqualifikation sieht Helmut Digel, Marketingexperte im IAAF-Council, auch etwas Positives: "Die 200 Meter werden jetzt noch spannender, weil sich Usain rehabilitieren will", sagt Digel. Nun habe die WM noch mehr Aufmerksamkeit. "Unter dem Marketingaspekt ist das gut."

Mit Material von dpa, sid und dapd
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