Uefa-Reglement So funktioniert Financial Fairplay

Es soll die "finanzielle Gesundheit des europäischen Klubfußballs verbessern": Das Financial Fairplay ist seit seiner Einführung 2013 umstritten. Wie funktioniert es, ist es überhaupt sinnvoll? Die Antworten.

Benedikt Rugar/ DER SPIEGEL


Am Freitag deckte der SPIEGEL gemeinsam mit 14 Partnerredaktionen des EIC auf, wie die Spitzenklub Manchester City und Paris Saint Germain systematisch die Uefa-Fairplay-Regeln gebrochen hat. (Lesen Sie hier ein Überblicksstück über die Enthüllungen.) Es konnte nachgezeichnet werden, wie Gianni Infantino noch als Uefa-Generalsekretär die Ermittler seines eigenen Verbands hinterging, um sich auf die Seite der Scheich-Klubs Manchester City (ManCity) und Paris Saint-Germain (PSG) zu schlagen. Lesen Sie hier den ausführlichen Text auf SPIEGEL+. Doch was hat es mit den Financial-Fairplay-Regeln auf sich? Hier finden Sie die wichtigsten Fragen und Antworten.

Seit wann gibt es das Financial Fairplay?

Im Jahr 2010 wurde die neue Regelung genehmigt, ein Jahr später kam es zu den ersten Bewertungen. Der heutige Kernpunkt, dass sich die Ausgaben von Vereinen stark an ihren Einnahmen orientieren müssen, gilt seit 2013.

Wer hat das Financial Fairplay eingeführt?

Es geht auf den europäischen Fußballverband Uefa zurück. Das Exekutivkomitee votierte 2009 einstimmig für die Einführung.

Für welche Teams gilt das Financial Fairplay?

Es richtet sich an alle Mannschaften, die an der Champions League oder der Europa League teilnehmen wollen. Denn als Uefa-Regelung gilt sie für Klubs, die sich für einen Wettbewerb des europäischen Dachverbands qualifiziert haben. Ist die sportliche Hürde geschafft, muss ein Verein auch die Überprüfung auf Grundlage des Financial Fairplay (FFP) überstehen, um problemlos teilnehmen zu dürfen.

Wie funktioniert das Financial Fairplay, und was ist das Ziel?

Ziel des FFP ist laut Uefa, die "finanzielle Gesundheit des europäischen Klubfußballs zu verbessern". Im Grunde soll das FFP ein Gleichgewicht zwischen Aus- und Einnahmen herstellen. Den europäischen Mannschaften ist es nur erlaubt, bis zu fünf Millionen Euro mehr auszugeben, als sie in den drei Spielzeiten zuvor eingenommen haben. Ein höheres Defizit kann aber in Ausnahmefällen gedeckt werden.

Ein Beispiel ist die direkte Bezahlung des Eigentümers oder einer in Verbindung stehenden Partei. Die Uefa sagt, dass dies den Aufbau von untragbaren Schulden verhindere. Investitionen in Stadien, Trainingszentren, Juniorenförderung und Frauenfußball sind davon seit 2015 ausgenommen.

Welche Strafen drohen bei Verstoß gegen die Regeln?

a) Ermahnung;
b) Verweis;
c) Geldstrafe;
d) Punktabzug;
e) Einbehaltung von Einnahmen aus einem Uefa-Wettbewerb;
f) Verbot der Meldung von neuen Spielern für Uefa-Wettbewerbe;
g) Beschränkung der Anzahl der Spieler, die ein Verein zur Teilnahme an Uefa-Wettbewerben registrieren darf, einschließlich einer Beschränkung der Gesamtpersonalausgaben für in der Liste A von Uefa-Klubwettbewerben eingetragene Spieler;
h) Ausschluss aus dem laufenden und/oder künftigen Wettbewerben;
i) Widerruf von Titeln oder Auszeichnungen.

Welche Beispiele für Strafen gibt es?

Am härtesten erwischt hat es bisher wohl den FC Malaga. Die Spanier wurden 2013 von der Teilnahme an europäischen Wettbewerben ausgeschlossen. Auch große Vereine wurden bereits bestraft, wenn auch nicht so hart: 2014 mussten Manchester City und Paris St. Germain hohe Geldstrafen zahlen, zudem durften sie nur einen verkleinerten Kader für die Spiele in der Champions League melden.

Neymar (r.) bei seiner Vorstellung in Paris
REUTERS

Neymar (r.) bei seiner Vorstellung in Paris

Kann man das Financial Fairplay umgehen?

Tatsächlich ist es möglich, das FFP auszuhebeln. Vorgemacht hat dies Paris St. Germain. Der französische Topklub verpflichtete im Sommer 2017 Neymar für 222 Millionen Euro - ohne jedoch in den Jahren zuvor eine entsprechende Summe eingenommen zu haben.

PSG ging wie folgt vor: Der Staat Katar, in dessen Besitz PSG ist, überwies Neymar 222 Millionen Euro auf sein privates Konto und deklarierte es so, dass der Brasilianer das Geld für seine Rolle als Botschafter der WM 2022 erhalte. Mit diesem Geld konnte sich Neymar dann aus seinem Vertrag beim FC Barcelona herauskaufen. Der Fall wurde untersucht - aber nicht bestraft. Auch der Fall von Kylian Mbappé, der zunächst ausgeliehen und ein Jahr später für 180 Millionen Euro verpflichtet wurde, rief die Transferwächter auf den Plan. Diese Umgehungsmöglichkeiten schwächen das FFP enorm.

Was spricht noch gegen das Financial Fairplay?

In den europäischen Profiligen haben sich in den vergangenen Jahren klare Klassengesellschaften entwickelt. Bayern München dominiert die Bundesliga, in Frankreich heißt der Seriensieger Paris St. Germain, der FC Barcelona und Real Madrid beherrschen die Primera División. Die Königlichen gewannen zudem zuletzt dreimal in Serie die Champions League. Klare Hierarchien beherrschen den Fußball und langweilen die Fans.

Das Problem: Das FFP fördert diese etablierten Strukturen offenbar. Durch die hohen Anforderungen des Reglements seien kleinere Klubs für Investoren uninteressant geworden. Das ist das Ergebnis einer Studie der Technischen Universität München zum FFP.

DER SPIEGEL

"Mögliche Geldgeber sehen aufgrund der Finanzdecklungen keine Chance, dass ein finanzschwacher Klub mit ihrem Investment eine international konkurrenzfähige Mannschaft entwickelt", sagt Co-Autor Dr. Daniel Urban. Dadurch werde ein lebendiger Wettbewerb verhindert. Ein anderer Nachteil des FFP: Juristen halten das Reglement für angreifbar, da es gegen EU-Recht verstoßen könnte.

Was sind Alternativen zum Financial Fairplay?

Um langfristig einen faireren und spannenderen Wettbewerb zu ermöglichen, bedarf es anderer Regeln - Regeln, die von allen nationalen Ligen in Europa gemeinsam beschlossen werden. Die Wissenschaftler der Technischen Universität München empfehlen, das FFP so zu verändern, dass kleinere Vereine für Investoren interessant sind. Das ist die kapitalistische Lösung und würde für die Bundesliga bedeuten, das Ende der 50+1-Regelung zu beschließen.

Die 50+1-Regel...
    ...besagt, dass Investoren ungeachtet der Höhe ihrer Anteile nicht die Stimmenmehrheit an einem Fußballklub erlangen. Viele Bundesligaklubs haben ihre Lizenzspielerabteilungen als Kapitalgesellschaften ausgegliedert, um so Investoren anzulocken. Mit der Regel soll verhindert werden, dass diese Geldgeber die Entscheidungshoheit über diese Bereiche übernehmen können.
  • Denkbar wäre auch eine Transfersteuer. Die chinesische Liga hatte zuletzt mit einer solchen Regel auf die hohen Ablösesummen im Land reagiert: Bei Ablösesummen von über 5,9 Millionen Euro muss der aufnehmende Verein den gleichen Betrag an den Verband zahlen, der dieses Geld in die Ausbildung des eigenen Nachwuchses steckt. Die hohen Ablöse sind dadurch wieder gesunken.
  • Ein anderes Modell wäre die "Salary Cap", also eine Gehaltsobergrenze wie es sie bereits in einigen nordamerikanischen Sportligen gibt. Zuletzt hatte Union Berlin in einem kontroversen Thesenpapier "die Begrenzung von Spielergehältern ein deutliches Zeichen" genannt, um die "stetige Aufwärtsspirale in längst nicht mehr vermittelbare Höhen nicht länger mitzugehen".

aev/bam/jan



insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
okto11ber 03.11.2018
1.
Heerscharen von Dummen und Saudummen ermöglichen diesen Auswuchs im Fußball.
vonschnitzler 03.11.2018
2. irreführende Überschrift
man könnte denken, dass es wirklich funktioniert...
aurichter 03.11.2018
3. #2
Es liegt an der Betonung, wobei die Überschrift als Aufklärung und nicht als Hinweis auf Verbesserung gesehen werden muss. Der Ist-Zustand wird erläutert und nichts anderes. Daran ist also m.E. nichts irreführend
basileus97 03.11.2018
4. Aufgewacht?
Ich hoffe die Redakteure sind nach den Veröffentlichungen aufgewacht und hören auf Fußballfans zu diskreditieren. Diese kämpfen nämlich schon seit Jahren gegen die Verbände und die Zustände im Fußball an. Aber trotzdem wird meist das Bild des bösen Ultra gezeichnet. Das Geld und die damit in Verbindung stehenden machthungrigen und korrupten Funktionäre aus DFB, Fifa, Uefa, DFL und selbst den Vereinen, machen den Volkssport und die Vereine die von den Menschen der Basis aufgebaut, unterstützt und verteidigt worden kaputt. Der Elfenbeinturm ist ledeglich angekrazt. Weiter dran bleiben Spiegel!
frenchhornplayer85 05.11.2018
5. basileus97
Solange ultras immer wieder auch Gewalt anwenden kann man diesen "Kampf" nicht ernst nehmen! Ein schlechtes Image haben diese Fans sich hart erarbeitet!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.