Fischer-Random-Schach So ist erster offizieller Weltmeister - Carlsen gewinnt keine Finalpartie

Magnus Carlsen ist der beste Schachspieler der Welt - aber nicht im Zufallsschach. Im Finale des neuen WM-Formats wurde der Norweger von einem Außenseiter vorgeführt.

Magnus Carlsen (l.) gratulierte Wesley So (r.)
Berit Roald / NTB Scanpix / AFP

Magnus Carlsen (l.) gratulierte Wesley So (r.)


Der große Favorit im Finale des neuen offiziellen WM-Formats Fischer-Random-Schach war Magnus Carlsen, die Nummer eins im klassischen Schach. Doch in der Finalserie gegen den US-Amerikaner Wesley So war Carlsen deutlich unterlegen. So gewann das Finale mit vier Siegen und zwei Unentschieden aus sechs Partien und ist damit erster vom Weltverband Fide offiziell anerkannter Weltmeister im Fischer-Random-Schach.

Bereits am ersten Finaltag am Freitag hatte Carlsen dreimal gegen So verloren. Der Amerikaner hatte Carlsen jedoch nicht abschreiben wollen. Er erwartete, dass sein Gegner "wie ein Löwe" zurückschlagen würde, sagte So nach den ersten vier Partien. Doch daraus wurde nichts. Am Samstag sicherte sich So ein Remis und einen Sieg. Das reichte für den Titel.

Der 26 Jahre alte So ist im klassischen Schach Zwölfter der Weltrangliste, er war als Außenseiter ins Halbfinale gestartet. Carlsen gratulierte seinem Konkurrenten nach dem Finale und sagte, er sei "beschämt" über sein eigenes Spiel.

Bronze gewann der Russe Ian Nepomniachtchi, er setzte sich im Duell um den dritten Platz gegen den US-Amerikaner Fabiano Caruana durch. Carlsen hatte Caruana, Vizeweltmeister im klassischen Schach, im Halbfinale besiegt.

Fischer-Random-Schach, auch Chess 960 genannt, ist eine Variante des klassischen Schachs, die vor allem die Kreativität der Spieler fordern soll. Die Figuren auf den Grundlinien stehen zu Beginn nicht in der klassischen Formation, sondern werden nach leicht einschränkenden Regeln zufällig durchmischt. Damit wird die Eröffnungstheorie des klassischen Schachs nutzlos.

Carlsen, seit 2013 Weltmeister im klassischen Schach, galt aufgrund seines kreativen Spielstils als Favorit auf den Titel - auch weil er die inoffizielle WM im Fischer-Random-Schach 2018 gewonnen hatte. Das Format wurde erst in diesem Jahr offiziell vom Weltverband anerkannt.

Im klassischen Schach ist Carlsen aktuell der beste Spieler der Welt, im herkömmlichen Format ist er seit 101 Spielen ungeschlagen.

ptz



insgesamt 5 Beiträge
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meresi 03.11.2019
1. Ja bist du deppat
das war vielleicht ein Brett. Am liebsten hätt er die Figuren vernascht, das war ihm deutlich anzusehen. Wesley So scheint auf diesem Gebiet viel Vorbereitung geleistet zu haben. Ich mag diese Variante auch, stellt sie doch die Auswendiglerner vor gewisse Probleme. Da kann man, der Fantasie mächtig, auch 250 Elo höher eingestufte Spieler locker panieren. Was mir im herkömmlichen Turnierschach eher nicht gelingt.
tailspin 03.11.2019
2. klassissches Schach ist aussagekraeftiger
Beim Zufallsschach kann man ja eine Konstellation 'Matt in drei Zuegen' serviert bekommen. Dann kann ich auch gewinnen.
Intelligenz? Wo? 03.11.2019
3. Naja
Ich weiß nicht genau was ich von 960 Schach halten soll, klar wenn man als Klassischer Schachspieler auf 960er trifft. Scheint es am Anfang sehr ungewohnt, und deutlich komplexer. Und es ist auch komplexer keine Frage, durch 960 verschiedene Anfangsaufstellungen ergeben sich eine viel zahl neuer Eröffnungen. Und ich kann Bobby Fischers Grundgedanken den er hinter der Entwicklung von Chess960 hatte nachvollziehen. Beim normalen Schach gehört es zum Fundament, das man Eröffnungen auswendig kennt, diese Analysieren kann, daraus schlüsse auf das weitere spiel ziehen kann etc. Und ja auf den ersten Blick scheint das bei 960er Schach tatsächlich "wenig(er)" hilfreich. Und ja ein Kreativer Spieler hat höchstwahrscheinlich einen Vorteil. Aber 960er Schach gibt es seit nicht mal 25 Jahren, und ist erst seit diesem Jahr Offiziell Anerkannt. Was bedeutet was wir momentan sehen sind "Hobbypartien" von Schachprofis die 960er Spielen um ihre kreativität zu fördern. Aber es gibt noch keinen der seit klein auf 960er gespielt hat und dann mit 12-16 Jahren plötzlich auf der Offiziellen Bühne auftaucht und ein Turnier gewinnt. Das ist kein Kritik am 960er Schach, aber es relativiert was wir momentan sehen schon sehr. Sollte 960er Schach bleiben, wovon auszugehen ist. Werden wir erst in 20-30 Jahren sehen ob Bobby Fischer mit seinem Sinnen nach mehr Kreativität recht hatte. Oder ob es bis dahin nicht einen Mann oder eine Frau gibt die nach 20-30 jahren 960er Schach so viel auswenig gelernt hat das die Kreativität wieder untergeht.
rheinufer9365 03.11.2019
4. Und hier einmal ein hervorragendes Beispiel,
wie spannend und unterhaltsam man auch darüber berichten kann. "... hatte der US-Amerikaner philippinischer Provenienz einen ganzen Turm ins Geschäft gesteckt, um den König seines Gegners Frischluft schnuppern zu lassen" "Während Schachlehrer in aller Welt ihren Eleven die Augen zuhalten..." "So treibt Carlsens Dame von hierhin nach dorthin, gewinnt dabei Raum und weitere Entwicklungstempi." https://www.derstandard.at/story/2000110609557/sensationeller-so-erster-fischerschach-weltmeister
cs01 03.11.2019
5.
Zitat von tailspinBeim Zufallsschach kann man ja eine Konstellation 'Matt in drei Zuegen' serviert bekommen. Dann kann ich auch gewinnen.
Nein können Sie nicht. Es wird lediglich die Grundstellung und die auch nicht willkürlich ausgelost.
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