Flush Hour Als Ivey einmal das Gewinnen vergaß

Endlich ist es soweit: In Las Vegas wird der Pokerweltmeister gekürt. Das lange Warten hat ein Ende - Zeit für einen Rückblick. Lasse König hat die komischsten, unglaublichsten und erschütterndsten Momente der WSOP 2009 gesammelt.

Pokergenie Ivey: Überblick verloren
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Pokergenie Ivey: Überblick verloren


Mathematik ist ja nicht sonderlich beliebt in der Schule, was wohl vor allem daran liegt, dass sie als zu theoretisch gilt. Mathelehrer sind ungefähr so beliebt wie die Agenda-2010-SPD - und ihr Kampf um Anerkennung ist genauso schwer. Doch während die SPD noch nach einem Ausweg aus der Krise sucht, ist die Lösung für Mathelehrer relativ einfach: Wer bei den Zahlenbanausen ankommen will, muss für das ganze Formelgedöns nur Vergleiche aus dem realen Leben finden. Es funktioniert!

Meine Frau macht das toll. Sie unterrichtet Mathe, und als es um den Lotto-Jackpot ging, verzichtete sie von vornherein darauf zu erzählen, dass die Wahrscheinlichkeit auf sechs Richtige mit Zusatzzahl bei 1:140 Millionen liegt. Kann sich doch eh niemand vorstellen. Also sagte sie zu den Schülern: Wenn Ihr den Lotto-Jackpot knacken wollt und jede Woche einen Tipp abgebt, knackt ihr ihn in 2,7 Millionen Jahren. Niemand in dieser Klasse wird je Lotto spielen, aber alle finden jetzt Mathe toll.

Dann hat sie ihnen vom Main Event erzählt.

Nur dreizehn Tage haben 6494 Männer und Frauen in Las Vegas gespielt, bis neun übrig blieben, alle mit einem Traum: den Jackpot des Poker zu gewinnen. 8,5 Millionen Dollar gibt es für den Erstplatzierten des WSOP Main Events, immerhin eine Million für den Neunten. 1:6494 ist die Wahrscheinlichkeit, am Ende macht das für den Sieger maximal zwei Wochen für mehr als acht Millionen. Meine Frau hat das zwar nicht so gesagt, aber das Motto könnte lauten: wer Lotto spielt, ist selber Schuld.

Für viele der 6494 Teilnehmer gelten im Rückblick ganz andere Leitsätze.

  • Wer gegen Darvin Moon eine Hand spielt und verliert, ist selber Schuld. (gilt für unzählige, namentlich nicht genannte Spieler)
  • Wer gegen Darvin Moon seinen kompletten Stack riskiert, ist selber Schuld. (gilt für Billy Kopp, der sich wohl heute noch darüber ärgert)
  • Wer gegen Darvin Moon seinen kompletten Stack unmittelbar vor dem Platzen der Final-Table-Bubble riskiert und das mit Assen - der hat Pech, ist aber auch selber Schuld. (gilt für Jordan Smith, der als Zehnter ausschied und den danach natürlich alle anderen neun bedauerten)
  • Wer seine Karten nicht schützt, ist selber Schuld. (gilt für Estelle Denis, die gegen J.C. Tran mit Assen All-in ging und dann ihre Karten suchte)
  • Wer einen Gewinner-Flush ablegt, heißt Phil Ivey. (gilt natürlich nur für Phil Ivey)

Es sind so viele wunderliche Dinge passiert im Juli, als noch so viele Menschen ihren Traum vom größten Titel im Poker träumten. Und weil diese Dinge schon so lange zurückliegen, hier als Einstimmung auf den Final Table die Top 5 der bewegendsten, unglaublichsten und komischsten Szenen im Video.

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