Formel E in Berlin Mit 230 über die Karl-Marx-Allee

"Die Fans müssen nicht zu uns, wir kommen zu den Leuten": Die Formel E startet diesen Samstag mitten in Berlin - zum Ärger vieler Anwohner. Promoter Alejandro Agag erklärt, was das Ganze soll.

DPA

Von Karin Sturm


Wenn am kommenden Samstag die Rennwagen der Formel E mit bis zu 230 km/h durch Berlin jagen, dann steht hinter dem Event vor allem ein Mann: Alejandro Agag. Der Spanier ist für die Formel E das, was Bernie Ecclestone schon über Jahrzehnte für die Formel 1 ist: Macher, Vordenker, Organisator.

Geburtsstunde der Elektrorennwagen-Idee war ein Abendessen in Paris im Winter 2011: Agag saß mit Fia-Präsident Jean Todt und dem Vizepräsidenten der Europäischen Kommission, Antonio Tajani, am Tisch: "Es war erst mal ein Funken - aber dann haben alle weiter gedacht."

Dank seiner Kontakte zu Ecclestone und dem damaligen Formel-1-Teamchef Flavio Briatore fand der ehemalige Politiker den Weg in den Rennsport, "den ich schon als Kind geliebt habe, als meine Eltern ein paar Jahre in Monaco lebten und ich dort den Grand Prix miterlebt habe".

Agag kaufte im richtigen Moment die Fernsehrechte der Formel 1 für Spanien: Mit dem Aufstieg von Fernando Alonso warf der Deal viel Gewinn ab. Agag erwarb sein eigenes Team in der Nachwuchsserie GP2, das er von den hinteren Rängen zu Erfolg und Meistertiteln führte und aus dem sechs Fahrer den Sprung in die Formel 1 schafften.

Als Fia-Präsident Todt für die Idee der Elektro-Serie eine offizielle Ausschreibung startete, griff Agag erneut zu - nicht ohne hohe finanzielle Garantien abgeben zu müssen: Es ist die Rede von 100 Millionen Euro Anschubfinanzierung, die zum Teil auch von einem Partner Agags gestellt wurden.

"Es war nicht einfach", gibt Agag zu, immer wieder gab es Gerüchte, das ganze System würde vor der Pleite stehen. "Was mir dabei aus meiner politischen Erfahrung geholfen hat: Ich hatte es gelernt, Leute zu überzeugen. Schließlich waren ja gerade in der Motorsportwelt am Anfang bei Weitem nicht alle von dem Konzept überzeugt. Viele glaubten nicht, dass es je funktionieren würde."

Ein Rennen im Herzen von Berlin

Inzwischen findet die Formel E immer besser eine eigene Nische. Wenn auch hin und wieder mit lokalen Schwierigkeiten - siehe Berlin. Durch die Nutzung der Anlagen am Tempelhofer Feld als Flüchtlingsunterkunft kam das alte Flugplatzgelände, wo 2015 die Deutschland-Premiere der Formel E stattfand, in diesem Jahr nicht mehr infrage. Also suchte man eine Alternative und fand sie in der Karl-Marx-Allee und den angrenzenden Straßen, unweit des Alexanderplatzes im Herzen der Stadt.

Im Video: Vorbereitungen für das große Rennen rund um den Alex

REUTERS

Dieser Standort entspricht dem Grundkonzept der Serie auch viel eher als das Flugplatzrennen in Tempelhof: "Wir wollen mit den Rennen in die Zentren großer Städte gehen", erzählt Agag. "Wir kommen zu den Leuten, nicht die Fans müssen sich zu uns begeben."

Allerdings waren die betroffenen Berliner Bezirke zunächst dagegen, empfanden die Belastungen und Einschränkungen für ihre Bürger als zu groß. Was in Paris, wo vor vier Wochen rund um den Invalidendom gefahren wurde, in Buenos Aires oder Miami problemlos funktioniert und dort auf viel Unterstützung bei Politik und Bevölkerung trifft, rief in Berlin Widerstände hervor. Schließlich setzte sich der Berliner Senat durch. Er hatte das Rennen vor allem wegen seiner internationalen Werbewirksamkeit für die Stadt von Anfang an befürwortet.

Nun wird allerdings noch um Geld gestritten: Der Senat möchte dem örtlichen Veranstalter, dem durch die kurzfristige Verlegung erhebliche Mehrkosten entstanden, 400.000 Euro Straßenbenutzungsgebühren erlassen - die Bezirksverwaltungen von Mitte und Friedrichshain bestehen dagegen darauf, das Geld zu bekommen.

"Es gibt immer wieder eine lautstarke Minderheit, die wir auch berücksichtigen müssen", sagt Agag zu solchen Problemen. "Wir müssen zuhören und versuchen, da und dort entgegenzukommen - auch wenn wir anderer Meinung sind."

Sollte der Ärger allerdings eskalieren und Agag auch in Zukunft Probleme haben, einen deutschen Austragungsort zu finden, dann stehen Alternativen bereit. 165 Städte weltweit stehen als Interessenten für ein Rennen der Formel E auf der Warteliste - von Hongkong über australische Großstädte bis in den Mittleren Osten und sogar New York.



insgesamt 117 Beiträge
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pb-sonntag 20.05.2016
1. So ein Schwachsinn, ...
... eine Rennstrecke durch die Stadt zu führen. Vor vielen Jahren hatte Berlin eine ausgebaute Rennstrecke (AVUS), die aber von dem damals Grün regierten Senat geschlossen wurde. Noch unssinniger die Behauptung, es ginge hier um den Umweltschutz. Tausende Autofahrer müssen jetzt kilometerweite Umwege fahren - denkt da auch mal einer an die CO² Bilanz?
herm16 20.05.2016
2. na
wie immer halt. 165 Städte haben Interesse, wir bedenken.
eule_neu 20.05.2016
3. Autorennen inmitten der Städte?
Schwachsinn hoch drei! Warum kann man nicht in Berlin die Avus wiederbeleben? Es hätten genügend Leute Platz zum Zuschauen und die Kehren wären mit weniger Geld zu bewerkstelligen gewesen. Die Sperrvorbereitungen wären minimal gewesen. Und für einen Tag die Avus zu sperren hätte kaum Jemanden gestört. Und was die Auseinandersetzung um die 400.000 EUR betrifft: Die wird der Veranstalter wohl an die Bezirke Mitte und Friedrichshain zahlen müssen, daran beißt die Maus keinen Faden ab. Wenn andere Städte auf der Welt meinen, sie bräuchten unbedingt solche Rennen, dann sollen sie den Ärger mit ihren Bürgern eingehen. Autorennen sind in heutiger Zeit ein Unsinn, den Niemand benötigt. Zudem fühlen sich vielleicht einige Jugendliche Autobesitzer zum Nachahmen angeregt. Nur einige Leute meinen, sich an solchen Rennen reich zu stoßen. Dieses E-Rennen sollte eine Ausnahme in Berlin bleiben, ansonsten sollen diese Veranstalter dahin gehen, wo der Pfeffer wächst ...
Stäffelesrutscher 20.05.2016
4.
Wenn der Senat der Meinung ist, dass die Allee tagelang nicht für den normalen Autoverkehr gebraucht wird, dann spricht ja nichts dagegen, pro Richtung eine Fahrspur dauerhaft für Radfahrer zu reservieren.
guilty 20.05.2016
5.
meckern gehört für den berliner dazu , wenn er loben will sagt er :da gibts nichts zu meckern. insgeheim ist er deswegen aber sauer .
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