Franziska van Almsick Jenseits des pubertären Gefühlschaos

63 Tage vor Sydney blickt Franziska van Almsick voller Optimismus den Olympischen Spielen entgegen. Gleichzeitig dämpft die inzwischen gereifte Schwimmerin mit einer realistischen Einschätzung ihres Leistungspotenzials übertriebene Hoffnungen.


Franziska van Almsick: "Verdammt schwierige Zeit seit 1996"
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Franziska van Almsick: "Verdammt schwierige Zeit seit 1996"

Los Angeles - Franziska van Almsick will es bei den Olympischen Spielen im September in Sydney vor allem sich selbst noch einmal zeigen. Die 22-Jährige, die 1992 bei den Spielen in Barcelona jeweils zwei Silber- und Bronzemedaillen gewann und vier Jahre später in Atlanta mit zweimal Silber und einmal Bronze dekoriert wurde, will im "Schwimmerland" Australien noch einmal angreifen.

Allerdings zeigt sich der einstige Liebling der deutschen Medien durchaus realitätsnah, was ihre derzeitigen Möglichkeiten angeht. "Ich behaupte nicht, dass ich eine Goldmedaille in Sydney hole", sagte van Almsick in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Mittwochausgabe). Ihr Ziel sei es vielmehr, bei ihren dritten Olympischen Spielen zu zeigen, "dass ich immer noch zur Weltspitze gehöre. Ich will anschlagen und wissen, dass ich mein Bestes gegeben habe. Und wenn ich nicht Erste werde, sondern Vierte, Fünfte oder Sechste, aber trotzdem behaupten kann, es ging nicht mehr, dann ist das okay. Also zumindest für mich." Die Zeit sei um, in der sie für Sponsoren, Medaillen oder Rekorde geschwommen sei.

Nach den erfolgreichen Jahren von den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona bis Atlanta 1996, in denen sie zur absoluten Weltspitze gehörte, in noch immer bestehender Weltrekordzeit (1:56,78 Minuten) Weltmeisterin über 200 Meter Freistil wurde und zweimal in Einzelrennen Olympia-Silber sowie einmal Bronze gewann, machte Medienstar Franziska van Almsick seit 1997 vor allem durch Negativ-Schlagzeilen auf sich aufmerksam. "Ich habe eine sehr lange Zeit nur auf die Fresse gekriegt. Das war schon eine verdammt schwierige Zeit seit 1996. Sydney ist eine Geschichte, die ich für mich mache und nicht für irgendjemand anders", betonte die Profischwimmerin, die durch Werbeverträge in ihrer Karriere bereits über 20 Millionen Mark eingenommen hat.

Neben einem Motorradunfall 1997 haben auch "das ganze pubertäre Gefühlschaos" und die öffentliche Kritik wegen des Übergewichtes und der schlechten Leistungen für Selbstzweifel gesorgt. Die jüngsten Rückschlage waren die verpasste Qualifikation für die Europameisterschaft 1999 auf den langen Bahn und das Vorlauf-Aus bei der Kurzbahn-EM in Lissabon im vergangenen Dezember.

Neue Hoffnung für die einzige Qualifikationsmöglichkeit für Sydney bei den Deutschen Meisterschaften vom 15. bis 18. Juni in Berlin zieht Franziska van Almsick aus den letzten Testwettkämpfen. In Magdeburg und bei den offenen französischen Meisterschaften in Rennes hatte sie über ihre Paradestrecke 200 Meter Freistil in 2:01,69 Minuten und 1:59,46 akzeptable Ergebnisse erzielt. "Ich denke, dass ich mit meinen Zeiten auf der langen Bahn schon sehr gut im Plan liege." Den Zeitpunkt ihres Karriere-Endes lässt Franziska van Almsick weiter offen. "Ich will mich da eigentlich gar nicht festlegen", sagte sie.



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