Fremdblut-Doping Razzia im Astana-Hotel - Winokurow windet sich

In Frankreich überschlagen sich die Ereignisse: Zur Stunde findet eine Razzia der Gendarmerie im Astana-Teamhotel statt. Nach dem Nachweis von Fremdblut-Doping präsentierte Alexander Winokurow jetzt eine abenteuerliche Erklärung. Sein Team verließ Hals über Kopf die Tour.

Pau - Die französischen Behörden hatten es eilig: Kurz nach der offiziellen Pressekonferenz, auf dem das Team Astana die positive Dopingprobe seines Fahrers Alexander Winokurow und den Rückzug von der Tour de France bekannt gab, wollte die Polizei offenbar Beweismittel sichern. Zahlreiche Gendarmerie-Beamte durchsuchen zur Stunde das Hotel des Rennstalls in Pau. Einige Astana-Teammitglieder sollen die Unterkunft bereits verlassen haben.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE wurde Andreas Klöden ebenso wie Winokurow nach dem Zeitfahren am vergangenen Samstag in Albi auf Doping getestet. Klödens Probe soll negativ ausgefallen sein - im Gegensatz zu Winokurows. Laut Sportzeitung "L'Equipe" wurden in seiner A-Probe zwei verschiedene Arten von roten Blutkörperchen gefunden. Dies deute darauf hin, dass er kurz vor dem Rennen Blut von einem Spender erhalten haben müsse. Auch nach Winokurows zweitem Etappensieg gestern wurde laut "L'Equipe" ein Test gemacht, die Ergebnisse stünden noch aus. Winokurow hatte die Konkurrenz beim Zeitfahren beherrscht und mit 1:14 Minuten Vorsprung auf den Australier Cadel Evans gesiegt.

Der 33-Jährige bestreitet die Dopingvorwürfe: "Winokurow hat mir gesagt, er glaubt, dass die Blutanomalie Folge seines Sturzes ist", sagte Astana-Generalmanager Marc Biver. Der Hoffnungsträger des Astana-Teams war während der 5. Etappe gestürzt, hatte sich dabei eine Knieverletzung zugezogen. An beiden Knien musste er genäht werden. Winokurow, der nach der Veröffentlichung des Dopingergebnisses von seinem Team suspendiert wurde und das Teamlager verließ, will nun die Öffnung der B-Probe beantragen.

Der Ausstieg des Teams sei auf Anraten der Tour-Verantwortlichen erfolgt, erklärte Bivet. "Die Tour-Direktion hat mir gesagt, dass es besser für die Tour ist, das Team Astana aus dem Rennen zu nehmen. Dem haben wir Folge geleistet." Bis auf Weiteres werde seine Mannschaft keine Rennen bestreiten. "Natürlich fürchte ich um die Zukunft des Teams", sagte Bivet.

Patrice Clerc, Präsident der Tour-Organisation ASO, erklärte: "Ich bin verraten worden. Ich bereue meine Entscheidung, Astana für die Tour zugelassen zu haben." Renndirektor Christian Prudhomme bezeichnete den Dopingfall als "totalen Bankrott für das System. Aber es gab zu keinem Zeitpunkt Überlegungen die Tour zu stoppen, nur weil offenbar einige russisch Roulette spielen. Veränderungen im Radsport gehen nur über die Tour." Im Fahrerfeld herrschte Entsetzen.

Für die 94. Tour de France ist der Fall Winokurow der bislang schwerste Rückschlag: Das Team T-Mobile musste seinen Fahrer Patrik Sinkewitz wegen eines erhöhten Testosteronwertes suspendieren. Zudem steht der Gesamtführende Michael Rasmussen unter Verdacht: Er hat mehrfach gegen die Meldepflicht für unangekündigte Dopingtests verstoßen.

mig/sid/dpa/ap

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