French Open Die Teenies greifen nach dem Thron

Serena Williams: raus. Naomi Osaka: raus. Angelique Kerber: längst raus. Bei den French Open sind viele Spitzenspielerinnen ausgeschieden. Drei junge No-Names haben plötzlich Aussichten auf den Titel.

Marketa Vondrousova hat viel vor in Paris
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Marketa Vondrousova hat viel vor in Paris

Aus Paris berichtet


Mit "Hoch Pia" kam am Wochenende die Hitze nach Paris. Über die Public-Viewing-Leinwände wurden Warnungen an die Tennisfans ausgegeben, genug Flüssigkeit zu sich zu nehmen, der Court Central glich einem Glutofen - offensichtlich keine guten Bedingungen für Serena Williams.

Erstmals seit Wimbledon 2014 hat es die Frau mit den meisten Grand-Slam-Titeln in der Open-Ära nicht ins Achtelfinale eines der großen vier Turniere geschafft. Im US-Duell unterlag Williams, 37, am Samstag der 17 Jahre jüngeren Sofia Kenin glatt in zwei Sätzen.

Die ganz große Überraschung war die Niederlage der US-Amerikanerin, die über eine Dekade das Frauentennis dominierte, nicht. Williams plagt sich seit Monaten mit Verletzungen herum, ihre Tage im Profitennis scheinen gezählt zu sein. Bis zu ihrer Drittrundenpartie bei den French Open in 2019 bestritt sie ganze neun Partien.

Ärger auch noch nach dem Ausscheiden

"Es ist einfach eine zermürbende Saison für mich", sagte Williams nach dem Match. Ihr Trainer Patrick Mouratoglou zeigte wenig Mitgefühl: "Ich kann nur sagen: Sie war nicht bereit - das hat man gesehen." Ärger gab es dann auch noch bei der anschließenden Pressekonferenz, als der österreichische Tennis-Profi Dominic Thiem für Williams' Ankunft den Pressesaal räumen musste.

Iga Swiatek gehört zur aufstrebenden Generation
Adam Pretty Getty Images

Iga Swiatek gehört zur aufstrebenden Generation

Überhaupt scheint das bedeutendste Sandplatzturnier der Welt in diesem Jahr kein gutes Pflaster für die Spitzenspielerinnen zu sein. Von den ersten Sechs der Setzliste ist nur noch Titelverteidigerin Simona Halep dabei. Die Rumänin trifft morgen auf die erst 18 Jahre alte Iga Swiatek. Die Polin ist neben Amanda Anisimova (USA/17) und Marketa Vondrousova (Tschechien/19) eine von gleich drei Teenagerinnen in der vierten Runde von Roland Garros.

Das gab es bei einem Grand Slam zuletzt vor zehn Jahren bei den US Open. Vondrousova ist am Sonntag bereits ins Viertelfinale gerauscht. Nach nicht mal einer Stunde hatte sie die Lettin Anastasija Sevastova, immerhin Nummer zwölf der Setzliste, vom Platz gefegt.

Ist das eine Wachablösung?

Ist in Paris gerade eine Verschiebung der Machtverhältnisse zu erleben? Gar eine Wachablösung? Für die beste deutsche Spielerin Angelique Kerber war das Turnier bereits nach der ersten Runde beendet. Die dreimalige Grand-Slam-Siegerin und frühere Weltranglistenerste war mit lädiertem Knöchel angereist - und musste sich von der russischen French-Open-Debütantin Anastasia Potapowa, in der Weltrangliste an Position 81 geführt, über den Platz scheuchen lassen.

Amanada Anisimova träumt vom Titel
Adam Pretty Getty Images

Amanada Anisimova träumt vom Titel

Am Samstag traf es dann Naomi Osaka. Die topgesetzte Japanerin quälte sich bereits durch die ersten Runden. Der im Vergleich zu anderen Belägen langsamere Rotsand, da geht es ihr ähnlich wie Kerber, ist nicht ihr liebster. In der dritten Runde dann das Aus, 4:6, 2:6 gegen die Tschechin Katerina Siniakova, Nummer 42 der Welt.

Nach zwei Grand-Slam-Erfolgen in Serie in New York und Melbourne sind die Erwartungen an Osaka gestiegen - und damit auch der Druck. "Ich hatte bei diesem Turnier ein anderes Gefühl als bei den anderen Grand Slams", sagte die 21-Jährige zerknirscht. "Normalerweise finde ich es sehr befreiend und lustig, diesmal war ich die ganze Zeit irgendwie angespannt."

Osaka bleibt dennoch auf Position eins

Sorgen machen muss man sich um Osaka nicht - Rückschläge wie nun in Paris können einen Shootingstar auf positive Weise erden und wachsen lassen. Und um die Nummer eins muss sie auch nicht bangen: Die als Turnierfavoritin gehandelte Tschechin Karolina Pliskova schied ebenfalls in der dritten Runde aus.

Nun befördern die French Open immer mal wieder One-Hit-Wonder auf den Thron - das liegt in der Natur des Sandplatzes: In den vergangenen 20 Jahren triumphierten in Paris Spielerinnen wie Anastasia Myskina, Francesca Schiavone und Jelena Ostapenko.

Außerdem ist die Zeit der ewigen Duelle im Frauentennis, wie es sie in den Neunzigerjahren etwa zwischen Steffi Graf und Monica Seles gab, seit langem vorbei. Die Konkurrenz ist ausgeglichen - und so spielstark wie vielleicht noch nie. In den vergangenen zwei Jahren wechselten sich sieben verschiedene Spielerinnen an der Spitze ab. Die Zeit von Swiatek, Anisimova oder Vondrousova, sie wird kommen.



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kloppskalli 03.06.2019
1. .. Anisimova
hier is ja wieder mal die Hoelle los im Forum .. :-)) ..falls sich doch noch jemand hier her verirrt: Frl. Anisimova ist sehenswert!
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