Überraschung bei den French Open Ungesetzte Ostapenko schafft es ins Finale

Das hat es seit 34 Jahren nicht gegeben: Jelena Ostapenko steht im Endspiel der French Open - dabei stand sie dort gar nicht auf der Setzliste. Im Finale wartet Simona Halep.

Jelena Ostapenko
AFP

Jelena Ostapenko


Die Lettin Jelena Ostapenko steht völlig überraschend im Finale der French Open in Paris. Die Weltranglisten-47. besiegte in der Vorschlussrunde die Schweizerin Timea Bacsinszky 7:6 (7:4), 3:6, 6:3 und zog als erste ungesetzte Spielerin seit 34 Jahren ins Endspiel von Roland Garros ein.

An ihrem 20. Geburtstag verwandelte Ostapenko nach 2:25 Stunden ihren zweiten Matchball auf dem Court Philippe Chatrier. Sie ist damit der erste lettische Tennisprofi überhaupt im Finale eines Major-Turniers. Dort trifft sie am Samstag (15 Uhr; TV: Eurosport; Liveticker SPIEGEL ONLINE) auf Simona Halep aus Rumänien (Nummer drei).

"Ich liebe es, hier zu spielen. Und ich liebe euch alle, Leute. Ich bin einfach glücklich, meinen Geburtstag so zu feiern", sagte Ostapenko, während ihr die Zuschauer ein "Happy Birthday"-Ständchen sangen.

Ostapenko ist die jüngste Endspielteilnehmerin bei einem der vier Grand-Slam-Turniere seit Caroline Wozniacki, die 2009 im Endspiel der US Open erst 19 Jahre alt war, als sie gegen Kim Clijsters verlor. Die an Nummer 30 gesetzte Bacsinszky, die wie Ostapenko Geburtstag hatte und 28 Jahre alt wurde, vergab zwei Jahre nach ihrer letzten Halbfinalteilnahme in Paris den erneuten Einzug in ein Major-Endspiel.

Ostapenko bestach auch gegen ihre ehemalige Doppelpartnerin Bacsinszky mit harten Grundlinienschlägen. Nach einem Break führte die Außenseiterin im ersten Satz 4:3, ließ sich danach aber von einer Behandlungspause der Schweizerin kurz aus dem Konzept bringen. Den Tiebreak holte sich die sehr riskant agierende Ostapenko mit ihrem 21. Winner nach 63 Minuten.

In der Folge wurde die Fehlerquote der Lettin zwar immer höher. Im entscheidenden Durchgang holte sich Ostapenko dennoch das vorentscheidende Break zum 5:3. Insgesamt gelangen ihr 50 direkte Gewinnschläge. Damit hat sie nach sechs Partien in Roland Garros bereits 245 Winner auf ihrem Konto - was einem Schnitt von knapp 41 pro Match entspricht.

Halep könnte Kerber als Nummer eins ablösen

Halep hatte im zweiten Halbfinale zum zweiten Mal nach 2014 das Finale der French Open erreicht. Damit ist sie nur noch einen Sieg vom Sprung an die Spitze der Weltrangliste entfernt. Die an Position drei gesetzte Rumänin besiegte in der Vorschlussrunde Karolina Pliskova aus Tschechien (Nummer zwei) in zwei Stunden 6:4, 3:6, 6:3. Mit ihrem ersten Triumph bei einem Grand-Slam-Turnier könnte die 25-jährige Halep am Montag Angelique Kerber als Nummer eins ablösen. Die zweimalige Grand-Slam-Siegerin Kerber war in Roland Garros als Topgesetzte bereits an ihrer Auftakthürde gescheitert.

mon/sid/dpa



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anselmi 08.06.2017
1. Noch beeindruckender!
Zwar ist Ostapenko die erste ungesetzte Spielerin im Roland Garros-Finale seit 1983, allerdings wurden damals nur die Top 16 gesetzt. Mima Jausovec stand damals unter den ersten 20, Ostapenko ist gegenwärtig die Nummer 46. Deshalb ist ihr Erfolg besser vergleichbar mit der ähnlich gerankten Florenta Miahi aus Rumänien, die 1977 völlig überraschend ins Finale vorstieß - und gegen Jausovec verlor. Ungeachtet dessen drücke ich meinem Liebling Kaja Pliskova alles Gute, dass sie mit einem Sieg gegen Halep die #1 erobern kann.
micheleyquem 08.06.2017
2. Das soll eine Sensation sein?
Angesichts der Tatsache, dass sich in diesem Halbfinale zwei ungesetzte Spielerinnen gegenüberstanden, gab es gar keine andere Möglichkeit dass eine Ungesetzte ins Endspiel kommen wird!
soesa 09.06.2017
3. Angesichts der Tatsache...
Zitat von micheleyquemAngesichts der Tatsache, dass sich in diesem Halbfinale zwei ungesetzte Spielerinnen gegenüberstanden, gab es gar keine andere Möglichkeit dass eine Ungesetzte ins Endspiel kommen wird!
... dass Bacsinzsky an 31 gesetzt war, hätte es durchaus auch eine andere Möglichkeit gegeben... :-)
ayee 09.06.2017
4. Kein Wunder
Das Damentennis strotzt vor Inkonstanz. Die deutschen Damen sind ja bestes Beispiel dafür. Heute top, morgen flop. Ok, wenn man es freundlich ausdrücken möchte, dann würde man einfach sagen, dass die Top100 einfach dicht beisammen ist und es dadurch ja auch spannend wird. ;) Nur irgendwie wundert man sich schon, dass es unter den weiblichen Profis keine wirkliche Spitze gibt, die durchzieht, wie bei den Männern.
kastenmeier 09.06.2017
5.
Zitat von ayeeDas Damentennis strotzt vor Inkonstanz. Die deutschen Damen sind ja bestes Beispiel dafür. Heute top, morgen flop. Ok, wenn man es freundlich ausdrücken möchte, dann würde man einfach sagen, dass die Top100 einfach dicht beisammen ist und es dadurch ja auch spannend wird. ;) Nur irgendwie wundert man sich schon, dass es unter den weiblichen Profis keine wirkliche Spitze gibt, die durchzieht, wie bei den Männern.
Mit Verlaub, das können nur Menschen so sehen, die in einer Niederlage zuerst eigene Schwäche sehen und keinen Blick für die mögliche Stärke des Gegners haben. Die Spitze bei den Damen ist derzeit so breit, dass bei Gran-Slam-Turnieren mindestens 10 Spielerinnen für Finalteilnahmen in Frage kommen. Daher sieht man neuerdings beim Damentennis spätestens ab der dritten Runde richtig guten Sport. Es gab Zeiten, da war dies frühestens im Halbfinale der Fall -Wetten auf Steffi Graf bei Gran-Slams wurden von den Buchhaltern zeitweise gar nicht angenommen. Tolle Entwicklung - insbesondere mental sind die Damen sehr stark geworden.
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