French Open Djokovic erleidet bittere Finalpleite gegen Wawrinka

Endlich einmal die French Open gewinnen: Für Novak Djokovic bleibt der Traum vom Triumph in Paris weiter nur ein Traum. In einem wahnwitzigen Endspiel verlor der Weltranglistenerste gegen Stan Wawrinka - und weinte am Ende vor Rührung.

AFP

Das einzige Grand-Slam-Turnier, das Novak Djokovic in seiner so erfolgreichen Karriere bisher noch nicht gewinnen konnte, sind die French Open. Dabei bleibt es vorerst. Der Weltranglistenerste aus Serbien verlor das Endspiel in Paris am Sonntag 6:4, 4:6, 3:6, 4:6 gegen den Schweizer Stan Wawrinka (Achter der Weltrangliste). Nach 3 Stunden und 12 Minuten verwandelte Wawrinka, 30, seinen zweiten Matchball. Es ist der zweite Grand-Slam-Titel seiner Karriere nach den Australian Open 2014.

Wie 2012 und 2014 gegen den Spanier Nadal unterlag Djokovic im Endspiel auf dem Court Philippe Chatrier einem besseren Kontrahenten. Dem 28-Jährigen, der sich selbst auf dem Zenit seines Könnens wähnt, droht das gleiche Schicksal wie seinem Trainer Boris Becker. Der war ohne Titel in Paris geblieben.

Einen Satz brauchte Wawrinka, um sich an Djokovics variables Spiel zu gewöhnen, dann setzte er seine Ankündigung in die Tat um. "Wenn ich mein Spiel durchziehe", hatte Wawrinka gesagt, "ist er nicht glücklich. Das weiß ich." Sein Spiel besteht aus präzisen Bällen, abgefeuert von der Grundlinie mit Vorhand und Rückhand gleichermaßen kraftvoll.

Wawrinka, der im Viertelfinale seinen Landsmann Federer erstmals bei einem Grand Slam bezwungen hatte, hielt sich nicht mit dem Satzverlust auf. Seit seinem Sieg in Melbourne sei er gelassener geworden, er wisse nun, dass er auch die besten Spieler der Welt schlagen könne. Djokovic schien im dritten Satz angezählt, er versuchte sogar mit der ungeliebten Aufschlag-Volley-Kombination die achte Niederlage in seinem 16. Majorfinale abzuwenden.

Verzweifelt blickte Djokovic in seine Box, suchte den Kontakt zu Becker, als Wawrinka nach einem epischen Ballwechsel von 30 Schlägen Djokovics Vorteil im vierten Satz geraubt hatte. Zum entscheidenden Break bei 4:4 schlug eine Rückhand die Linie entlang neben Djokovic ein.

Becker hatte geahnt, dass Wawrinka für seinen Schützling die größte Herausforderung bei den French Open werden würde. "Stan ist seit seinem Erfolg in Melbourne beständig einer der besten Spieler der Welt - auf jedem Belag. Wenn Stan in Form ist und sich gut fühlt, dann ist er sehr schwierig zu spielen", sagte Becker.

Bei der Siegerehrung bedachten die Zuschauer auch den unterlegenen Djokovic mit minutenlangem Applaus. Sichtlich gerührt weinte die Nummer eins der Tenniswelt einige Tränen. Im nächsten Jahr wird er es in Paris wieder versuchen.

chp/sid



insgesamt 49 Beiträge
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fulltiltfrank 07.06.2015
1. Ganz großes Tennis
Was für ein grandioses Finale mit einem verdienten Sieger
countrushmore 07.06.2015
2.
Warum steht hier nicht der Gewinner, sondern der Verlierer im Fokus?
gandhiforever 07.06.2015
3. Tolles Spiel
mit einem verdienten Stan the Man als Sieger. Zwar ist B.Becker auf der Seite des Verlierers doch duerfen sich Deutschnationale dennoch auch etwas als Sieger fuehlen (Nationalisten siegen immer mit, selbst wenn sie nichts fuer den Sieg getan haben), hat der Romand dank seines Vaterd doch auch einen deutschen Pass.
decebalus911 07.06.2015
4. Schon lange kein Tennis mehr geschaut
aber heute hat es sich wirklich gelohnt! @gandhiforever Sonst alles klar im Oberstübchen?
fussball.manni 07.06.2015
5. Betrug
Djokovic hat an zwei Tagen gespielt. Für die Unterbrechung konnte er nichts. Das Spiel hätte um einen Tag verschoben werden müssen. Wawrinka konnte so natürlich genug Kraft tanken. Aber das Leben ist nun mal nicht fair...
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