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09. Juni 2018, 14:44 Uhr

French-Open-Finalist Nadal

Widerstand ist zwecklos

Aus Paris berichtet

Rafael Nadal ist auf dem Weg zum elften Erfolg in Paris kaum aufzuhalten. Der Spanier hat sein Spiel in fast allen Bereichen perfektioniert. Die Konkurrenz hat sich aufgegeben.

Juan Martin del Potro musste kurz in sich gehen. Ein Journalist warf die Frage in den Raum, was man denn tun könne, um Rafael Nadal auf Sand endlich zu bezwingen. Der Argentinier zögerte weiter. Ob man denn erst warten müsse, bis Nadal seine Karriere beendet. "Vielleicht" sagte del Potro, der keine halbe Stunde zuvor vernichtend geschlagen wurde. 4:6, 1:6, 2:6 lautete das Endresultat - in einem Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers.

Nadal ist mittlerweile 32 Jahre alt und dennoch ist seine Dominanz so erdrückend wie noch nie in der 16 Jahre andauernden Profikarriere des zehnmaligen French-Open-Champions. Seit 2005 führt der Sieg in Roland Garros eigentlich nur über ihn. In den Jahren 2009, 2015 und 2016, in denen Nadal sein Lieblingsturnier nicht gewinnen konnte, trat er nicht im Vollbesitz seiner Kräfte an. Lediglich Novak Djokovic hatte es zwischenzeitlich geschafft, dem dominanten Spiel des Spaniers Paroli zu bieten - jedoch ohne dauerhaften Erfolg.

"Sein Spiel ist zu gut für mich. Die Intensität ist zu hoch. Und was noch viel schlimmer ist: Im Laufe einer Begegnung wird es immer extremer", sagte del Potro auf der Pressekonferenz. Tatsächlich gelingt es Nadal wie keinem anderen Profi, seine Gegner mürbe zu machen. Häufig ist es in Spielen Nadals so, dass Gegner in den ersten Minuten mithalten können. So auch del Potro.

Grundlinie, Rückhand, Netzspiel - Nadal ist vielseitiger als früher

Im ersten Durchgang war der 29-Jährige nicht nur auf Augenhöhe - er war der bessere Spieler. Sechsmal boten sich ihm Chancen, Nadal sein Aufschlagspiel abzunehmen. Doch der Weltranglistenerste wehrte diese teils spektakulär ab. Mal mit einem Stopp, wenig später per Konter aus der Defensive. "Ich habe gut gespielt, meine Chancen aber nicht genutzt. Wenn ich das getan hätte, wäre es ein anderes Spiel geworden", sagte del Potro.

Nadal setzte del Potro vor allem auf seiner schwächeren Rückhand unter Druck. Der 1,98 Meter große Argentinier hatte keine taktischen Mittel, um ebenfalls Druck auszuüben. Aber welche sollten das auch sein? Nadal ist mittlerweile nicht nur an der Grundlinie übermächtig. Wenn er will, stürmt er mit einer gnadenlosen Effizienz ans Netz, seine Stoppbälle sind ebenfalls präzise und unangenehm. Insbesondere die Rückhand bereitet der Konkurrenz Sorgen. "Rafa hat seine Rückhand in den vergangenen Jahren stetig verbessert. Sie ist mittlerweile einfach nur unglaublich", konstatierte del Potro, der mit ansehen musste, wie Nadal 35 Winner schlug.

Nadal sorgt immer wieder für neue Bestmarken. Die Dominanz auf Sand übertrifft sogar jene von Roger Federer auf Rasen. Der Schweizer gewann achtmal in Wimbledon, zudem erreichte er 2008, 2014 und 2015 das Endspiel. Doch Federer war immer auch angreifbar - Andy Roddick, Andy Murray, Djokovic und selbst Nadal kratzten immer mal wieder am Nimbus des Rekord-Grand-Slam-Siegers. In der gesamten Geschichte des Tennis gab es keinen Belag, der von ein und demselben Spieler derart geprägt wurde.

"Im Moment läuft einfach alles perfekt für ihn"

Geht es nach del Potro, darf sich auch Finalgegner Dominic Thiem keine allzu großen Hoffnungen auf den Sieg in Paris machen. Der Österreicher, der in drei Sätzen gegen Marco Cecchinato gewann und immer noch auf seinen ersten Major-Triumph wartet, hatte zuletzt in Madrid gegen Nadal gewonnen. Aber über fünf Sätze? "Da ist Nadal schlicht unschlagbar", sagte del Potro.

Nadal selbst möchte keinen Ausblick wagen, wann es in Paris mal wieder spannend zugehen könnte. "Aktuell genieße ich den Moment. Die Jahre verfliegen. Ich weiß, dass ich in zehn Jahren hier nicht mehr stehen werde", sagte der Spanier. Immerhin: Über diese Information dürfte sich vor allem die junge Generation gefreut haben. Zu der gehört neben Thiem auch Alexander Zverev. Der Deutsche gilt als aussichtsreicher Kandidat auf einen Titel in Roland Garros - sobald Nadal abtreten sollte.

Doch daran glaubt vor allem del Potro vorerst noch nicht: "Er ist so unglaublich stark, seine Fitness ist beeindruckend. Auch seine Mentalität ist toll. Im Moment läuft einfach alles perfekt für ihn."

Tatsächlich - ein Ende der Ära Nadal ist noch längst nicht in Sicht. Für die Gegner ist das keine gute Nachricht.

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