Frischer Fisch King Kong und die Katzendiskussion

Mit unschöner Regelmäßigkeit kommt der besseren Hälfte die Idee, das Leben mit einem Haustier zu bereichern. Da ist die Wahl zwischen Hund oder Katze kein wirklicher Trost, sondern für uns Angler ungefähr so erbaulich wie die zwischen Pest und Cholera.

Von Horst Köder


Am Ostermontag ging die Diskussion wieder los. Ich fläzte mich auf der Couch und schaute gerade die "King-Kong"-Wiederholung vom Vorabend, als Mechthild leise das Thema wieder anschnitt. Sie hatte einen scheinbar guten Zeitpunkt gewählt, der Riesenaffe verschleppte gerade die hübsche Blondine, aber als Angler bin ich darauf fixiert, jede noch so kleine Regung um mich herum am Wasser zu registrieren. Das ist im Wohnzimmer nicht anders. Deshalb klingelten bei mir auch direkt die Alarmglocken, als sie fragte, ob ich mir das mit der Katze noch mal überlegt hatte. Sie fragte nicht, sie flüsterte.

Haustier Katze: Kinder-Ersatz mit Haarausfall
DPA

Haustier Katze: Kinder-Ersatz mit Haarausfall

Das ist bei Frauen immer so: An Weihnachten, Ostern und Pfingsten werden sie immer von sentimentalen Stimmungen übermannt, dann quellen wieder die Träume von Haus, Auto, Kind und Haustier hervor. Wahrscheinlich ein Gendefekt, der durch zwei Feiertage hintereinander ausgelöst wird. Frauen denken einfach zuviel nach, gerade über Beziehungen. Sie vergessen nie, an welchem Datum sie zusammengekommen sind oder wie der dicke Kellner hieß, der uns damals in diesem schummrigen italienischen Restaurant bedient hat.

Wir Kerle übersehen solche unwichtigen Details, dafür haben wir immer das große Ganze im Blick. Und schauen lieber King Kong, als zu diskutieren. Aber diesmal konnte ich nicht mehr fliehen oder die üblichen Wegwisch-Ausreden ("keine Zeit, kein Geld") bringen, die bei Haus, Auto oder Kind immer ziehen. Diesmal muss ich mich der Diskussion stellen. Mechthild will eine Katze.

Dazu muss man wissen: Die Will-ne-Katze-haben-Frauen lassen sich in zwei Kategorien einteilen. Die einen sind Single und brauchen was zum Kuscheln auf der Couch, weil sie keinen Kerl haben. Die anderen haben zwar einen Kerl, aber noch kein Kind, und brauchen die Katze daher schon mal zum Üben. Sie wiegen das Tier im Arm, streicheln es den ganzen Tag, geben ihm lustige Kosenamen, reden ständig in "Dududuuuuu"-Babysprache und wechseln schön das Katzenstreu statt der Windel.

Uns Kerlen kommt dagegen eine Katze nicht ins Haus. Anglern schon gar nicht. Wir schauen immer auf den Nutzen eines Tieres, und da fällt uns bei Katzen nicht viel ein. Dafür kotzen sie gerne mal auf den Teppich. Und dann diese Haare, die sich in der ganzen Wohnung verteilen. Eine Bekannte von mir hat drei Katzen, und wenn man bei ihr mal einen Kaffee trinkt, entlässt sie einen nicht, ohne einen mit einer klebrigen Fusselrolle fünf Minuten lang von oben bis unten zu bearbeiten. Trotzdem sieht man natürlich hinterher aus wie ein zu groß geratener Alf.

Dann ist da noch die Unberechenbarkeit dieser Viecher. Wenn man sich tatsächlich mal dazu aufrafft, sie zu streicheln, fährt sie garantiert ihre Krallen aus und hinterlässt tiefe Striemen. Von Frauen kommt oft das beliebte Argument, dass Katzen halt im Gegensatz zu Hunden ihren eigenen Willen haben. Ich sage: Hunde sind clever genug, um zu wissen, dass Menschen klüger sind als sie; Katzen sind einfach zu blöd dazu.

Aber bevor ich jetzt als Katzenhasser oder gar als Hundeliebhaber angesehen werde: Ich will auch keinen Hund. Obwohl ich bei diesem Tier immerhin noch einen Nutzen sehe, es könnte treuer Begleiter auf Angeltouren werden, Fische apportieren und zwischendurch knutschende Paare oder aufdringlich fragende Spaziergänger vertreiben. Aber da sind wir auch schon beim ersten Dilemma: Ich sitze am liebsten alleine am Wasser, da ist einfach kein Platz für einen Hund.

Was mir gerade auffällt: Warum heißen die Hunde von heute nicht mehr klassisch Bello, Hasso oder Waldi? Bei Jungennamen sind doch auch Paul, Karl oder Emil wieder schwer angesagt. Vielleicht, weil es nicht mehr die gleichen Hunde sind wie früher. Der Dackel stirbt aus, so steht es ja alle paar Wochen in den Schlagzeilen. Und mal ehrlich: Wann haben Sie zum letzten Mal einen Schäferhund gesehen? Eben. Und einen Golden Retriever oder andere Modehunde? Sicherlich, als sie gerade aus dem Fenster geschaut haben.

Für eine Sache sind Hunde - egal welcher Art und welchen Namens - allerdings immer gut: um Katzen zu verscheuchen. Oder sogar den Gedanken daran. "Wir können doch mal überlegen, ob wir uns statt der Katze nicht lieber einen Hund zulegen", säuselte ich bei der nächsten Werbepause quer über die Couch zu Mechthild. Sie atmete plötzlich ein wenig schwerer und machte ein Gesicht wie die Blondine, als King Kong sie sich krallte. Ich wusste: Diesen Film würde ich in Ruhe zu Ende schauen können. Aber die Ruhe ist trügerisch. Der nächste Doppelfeiertag ist nicht mehr weit.

Und auch King Kong ist irgendwann zu Fall gekommen.



insgesamt 174 Beiträge
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Seite 1
forumgehts? 14.03.2007
1. Die reine Wahrheit
---Zitat von sysop--- Berichten Sie uns von Ihrer Angler-Leidenschaft. Teilen Sie uns Ihre schönsten Anekdoten und lustigsten Macken mit. ---Zitatende--- Szene im Fischgeschäft: Werfen Sie mir die Forelle zu, dann kann ich sagen, ich hätte sie selbst gefangen!
ADG, 14.03.2007
2. Ota Pavel
---Zitat von sysop--- Berichten Sie uns von Ihrer Angler-Leidenschaft. Teilen Sie uns Ihre schönsten Anekdoten und lustigsten Macken mit. ---Zitatende--- Der bekannte tschechische Autor Ota Pavel hat einmal in seinem Buch "Wie ich den Fischen begegnete" - 2005 neu erschienen in Phileas Verlag - seine Angelleidenschaft mit sehr poetischen Worten begründet: »Als es mir besser ging, dachte ich an das, was in meinem Leben am schönsten gewesen war. Ich dachte nicht an die Liebe, auch nicht daran, wie ich mich auf der Welt herumgetrieben hatte. Ich dachte nicht an nächtliche Flüge übers Meer und Ozeane, auch nicht daran, wie ich Eishockey im Prager Spartaklub gespielt hatte. Ich ging wieder zu den Fischen an Bäche, Flüsse, Teiche und Talsperren und erkannte, daß gerade das, was ich dort erlebt hatte, das Schönste auf der Welt war.« Ota Pavel
Würmchesbader, 14.03.2007
3.
Mehr als 3 Millionen Menschen betreiben dieses Hobby in Deutschland. Es ist die vollkommene Freizeitbeschäftigung: Absolut unberechenbar, deshalb nie langweilig. Eine geheimnisvolle Verbindung in eine unsichtbare Welt, deshalb spannend und faszinierend. Nur hat es mit dem in der Kolumne dargestellten Bild des tollpatschigen Idioten nur am Rande etwas zu tun. Angeln ist auch Kunst - für den Fliegenfischer im Bergbach, Religion - für den passionierten Huchen-Jäger, Zen-Meditation - für den ausdauernden Ansitzangler... Die Beispiele sind unendlich! Viele große Persönlichkeiten waren/sind begeisterte Angler – von Haydn, Beethoven, Wagner, Faraday, Lord Nelson, Bismarck... über Prinz Charles, Queen Mum... bis Peter Alexander, Horst Hrubesch und Jens Weißflog. Alle lieben/liebten dieses Hobby, es bringt arm und reich, alt und jung am Wasser zusammen. Es fesselt selbst die größten Geister – denn die Seele der Fische ist unergründlich. Kurzum: Das perfekte Hobby! Lesestoff zum Thema: www.fischundfang.de
Mastercloser 14.03.2007
4.
Ich angele bereits seit meinem zehnten Lebensjahr, mehr oder weniger intensiv. Es geht nicht nur um die gefangenen Fische (oft genug gehe ich als "Schneider" nach Hause, vielmehr reizt mich das erleben der Natur, beispielsweise eines erwachenden Tages. Nichtangler können das oft nur schwer verstehen. Nunja, ich fürchte, bald werden hier im Forum die PETA-Jünger auftauchen und ihre lächerlichen Parolen herumposaunen.
Polar, 14.03.2007
5.
[QUOTE=Mastercloser]....Es geht nicht nur um die gefangenen Fische (oft genug gehe ich als "Schneider" nach Hause, vielmehr reizt mich das erleben der Natur, beispielsweise eines erwachenden Tages. Nichtangler können das oft nur schwer verstehen....QUOTE] Ja, so isses! Allein das Schmieden der Pläne, um den Fisch zu überlisten, der Thermoskannenkaffee im Morgengrauen, die Zigarre beim Nachtangeln und nicht zu vergessen: die wunderbaren Erzählungen der Angelkollegen!
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