Frischer Fisch Vorsicht vor dem Hecht, Nacktbader!

Jetzt beißen die Fische zurück: Ein Hecht hat einen Mann in Mecklenburg-Vorpommern ins Krankenhaus befördert. Doch nicht nur Angler müssen sich vor aggressiven Fischen fürchten. Auch andere Wasserfreunde können schnell mal ihr blaues und schmerzhaftes Wunder erleben.
Von Horst Köder

Dumme Sache: Ein Angler wollte an der Müritz ein Erinnerungsfoto von einem gerade gefangenen Hecht schießen, und – zack! – hatte der Fisch kräftig zugebissen und dem Mann einen sechswöchige Krankschreibung beschert. Das knapp sieben Kilogramm schwere Exemplar trennte an einer Hand ein Nervenende und eine Sehne durch. Das schaffen sonst nur Hunde, sagte der behandelnde Oberarzt. Die Hand musste geschient werden, nach der Zwangspause ist noch eine spezielle Nachbehandlung notwendig. Der Hecht ist übrigens wohlauf.

So langsam stellt sich die Frage: Ist man denn als Angler nirgendwo mehr sicher? Müssen wir uns jetzt schon vor den Fischen fürchten? Immerhin lässt sich einwenden, dass der Kerl selbst schuld ist, wenn er Erinnerungsfotos lieber mit einem Hecht als mit Frau und Kindern macht. Diesen Urlaub wird er wohl nie vergessen. Was man nicht von allen Ausflügen nach Mecklenburg-Vorpommern sagen kann.

Wer Nichtangler ist und jetzt mit einer ordentlichen Portion Schadenfreude und einem dicken Grinsen im Gesicht vor dem Bildschirm sitzt, sei gewarnt: Nicht nur Angler müssen die bissigen Fische fürchten. Gerade jetzt, zu Beginn der warmen Jahreszeit, wo die Hechte ihr Laichgeschäft beendet haben und besonders hungrig und bissig sind, ist auch für andere Besucher von Seen und Flüssen Vorsicht geboten. So manch einer kehrte auch schon vom Sonntagsausflug ans Wasser lädiert zurück. Wir stellen die gefährdetsten Gruppen der Nichtangler vor:

BootsstegromantikerHölzerne Bootsstege haben auf Pärchen ja eine ähnlich magische Anziehungskraft wie früher die Kinofilme mit Meg Ryan und Tom Hanks. Es scheint irgendwo im Unterbewusstsein zu schlummern: Wenn es schon nicht für das Haus am Meer reicht, setzen wir uns halt auf den Bootssteg, und sei es nur am Dorftümpel. Damit ein wenig Südsee-Feeling aufkommt, krempeln Adam und Eva auch gleich noch die engen Jeans hoch, ziehen Schuhe und Socken aus und lassen die Füße schön im Wasser baumeln, auch wenn die Temperatur kaum zweistellige Plusgrade erreicht. Deshalb werden auch die Zehen schön bewegt, und da schlägt die Stunde von Esox lucius, wie der Europäische Hecht mit wissenschaftlichem Namen heißt. Der steht geschützt im Schatten von Stegen und schnappt gerne mal mit seinen 700 Zähnen nach ein paar Zehen. Was kann er denn dafür, dass so ein Fünferpack aussieht wie ein Schwarm kleiner Rotaugen, gerade nach einem langen Winter (Weißfische!). Dass meist Frauen gebissen werden, hat auch einen einfachen Grund: Fluoreszierend-knallroter Nagellack mit Glitzer sorgt für einen perfekten zusätzlichen Reiz, dem kaum ein Hecht widerstehen kann.

TretbootfahrerMittlerweile gibt es ja an jedem halbwegs zugänglichen Gewässer mehr Bootsverleihe als Eisdielen. Früher regte man sich über die Algenplage auf, heute ist es die Tretbootplage. An Feiertagen mit mehr als zwei Stunden Sonnenschein kann man vor lauter Booten kaum noch das Wasser sehen. Da bei den meisten Städtern die Kondition beim Treten nur für fünf Minuten reicht, dümpeln diese Teile die meiste Zeit im Wasser herum. Wer das mitten auf dem See macht, hat wenig zu befürchten. Wer aber gerne mal lauschige Uferplätze unter Bäumen oder geheime Bootsstege im Schilfdickicht ansteuert, der sollte nicht zu nachlässig werden und mit den Händen ins kühle Nass gleiten. Auch da sind die Hechte schnell zur Stelle. Gerade bei diesen billigen, glitzernden Freundschaftsringen ("Klaus & Beate in Love, 13.6.2007") kennen die schlanken Räuber kein Pardon und beißen schon mal herzlich und trocken zu! Nagellack in augenschädigenden Farben verstärkt auch hier noch den Bissreiz, aber das erwähnte ich ja schon.

Sonntagsangler Wer früher keine Lust auf Fischereiprüfung und Bürokratie hatte, wurde halt Schwarzangler. Heute darf man in Mecklenburg-Vorpommern auch ohne Prüfung einen zeitlich begrenzten "Touristenschein" erwerben, nachdem man versichert hat, sich in einer Broschüre ausreichend über den weidgerechten Umgang mit Fischen informiert zu haben. Wer dann mal einen Hecht fängt und nicht weiß, wie man ihn behandeln sollte, holt sich schnell blutige Finger. Oder landet gleich im Krankenhaus, wie der oben erwähnte Urlauber aus Ludwigsburg. Wobei ungeklärt ist, ob er nun mit dem staatlichen Fischereischein oder mit dem Touristenschein geangelt hat. Und vor allem: ob der Hecht das wusste.

Nacktbader "In nahrungsarmen Gewässern frisst er sogar Würmer und große Blutegel", heißt es über den Hecht auf Wikipedia. Deshalb sollten sich vor allem männliche Wassernudisten an Baggerseen vorsehen und Hechte in ihrer Nähe vor dem Gang ins Wasser durch lautes Klatschen auf die Wasseroberfläche vertreiben. Auch wenn diese Aktion für andere Wasserfreunde (Bootsstegromantiker, Tretbootfahrer oder Sonntagsangler) vielleicht seltsam anmutet. Falls doch mal ein Hecht zuschnappt: Nicht den Fisch wegreißen, sondern so ganz nebenbei einen Angler fragen, ob er mal eben den Fisch "vom Haken" lösen könne.

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