Frischer Fisch Wenn Eva wieder ein Buch schreibt

Von wegen langweiliges Hobby: Angeln wird im kommenden Jahr die großen gesellschaftlichen Diskussionen bestimmen - und bei Olympia für einen deutschen Medaillenregen sorgen. Ein kurzer Ausblick auf das Jahr 2008.

Von Horst Köder


Januar: Das Jahr beginnt mit einem literarischen Paukenschlag: Eva Herman ("Das Prinzip Arche Noah") veröffentlicht überraschend ein neues Buch: "Das Petri-Prinzip". These: Die Familie als Hort des Friedens, des Zusammenhalts und der gemeinsamen Kochabende hat ausgedient, nur die Anglerschaft mit ihren Werten, der Entspannung und der Geduld kann die hektische Welt noch vor dem totalen gesellschaftlichen Verfall retten. Die Kritiker sind milde gestimmt, selbst Noch-"Emma"-Chefin Alice Schwarzer verfasst eine leise Eloge auf das Buch ("Wir Frauen sollten uns auch mal an den See setzen").

Autorin Herman: Hape Kerkeling vom Sockel gestoßen
DPA

Autorin Herman: Hape Kerkeling vom Sockel gestoßen

Der Schmöker verkauft sich blendend und löst nach gefühlten 300 Wochen Hape Kerkelings "Ich bin dann mal weg" als Nummer eins der Bestseller-Listen ab. Doch dann folgt der Auftritt Hermans bei Johannes B. Kerner. Wann ihr denn die Idee für das Buch gekommen sei, fragt der Moderator. "Damals auf der Autobahn...", antwortet Herman - Möööp! Kerner keucht, die ebenfalls eingeladene Schwarzer röchelt, doch der vermeintliche Rauswurf (Kerner: "Ich verabschiede mich jetzt von Frau Herman") verpufft, weil die Sendung sowieso zu Ende ist. Hermans Abschiedsworte: "Petri Dank!"

März: Aufruhr in der Biathlon-Szene: Nach Protesten von Tierschützern und einer einstweiligen Verfügung wird das Schießen gestrichen, dafür müssen die Athleten nun zwischendurch Fische angeln. Dumm nur: Bei den ersten Fischathlon-Weltmeisterschaften ist der dafür vorgesehene See zugefroren, was den Eisangel-erfahrenen Finnen und Russen entscheidende Vorteile verschafft. Die verbitterte Konkurrenz spricht gar von "Techno-Doping". Deutschlands Vorzeige-Athletin Magdalena Neuner schnallt aus Protest die Skier ab, setzt sich an die Strecke und spielt Harfe. Bei den Männern siegt wieder einmal der Norweger Ole Einar Björndalen, obwohl er zehn Strafminuten aufgebrummt bekam, weil er keinen Fisch gefangen hat.

Juni: Deutschland erlebt bei der Fußball-EM sein zweites Cordoba. Im Halbfinale verliert das deutsche Team 0:1 gegen Österreich (Eigentor Ballack), weil der zuvor in vier Spielen 17 Mal erfolgreiche Torjäger Miroslav Klose lieber Forellen in einem nahe gelegenen Fluss angelt und deshalb völlig den Spieltermin vergisst. Teamchef Jogi Löw schäumt zunächst vor Wut, kühlt aber nach zwei lecker zubereiteten Regenbognern schnell wieder ab. Trotz laufenden Vertrages tritt Löw zurück, um sich, wie er sagt, "den wichtigen Dingen des Lebens" zuzuwenden. Später knipst ihn ein "Bild"-Leserreporter, wie er im Mannschaftsbus das neue Buch von Eva Herman liest. Klose entschuldigt sich später mit einer ganzseitigen Anzeige im " Blinker", dem Zentralorgan der Anglerschaft, bei den Fans. Die Anhänger werfen ihm jedoch Halbherzigkeit vor, weil er seinen Text mit den Worten "Ich würde jederzeit eine Stunde am Wasser einer Stunde auf dem Rasen vorziehen" schließt.

Juli: Die angeblich "runderneuerte" Tour de France droht nach 25 Dopingfällen in den ersten beiden Tagen erneut im Chaos zu versinken. Tourchef Christian Prudhomme sieht nur einen Ausweg: Die nächste Etappe wird am Wasser entschieden, die Radprofis müssen angeln. Selbst da können sie nicht von ihren verbotenen Mittelchen lassen und injizieren Epo in ihre Köderfische ("Dann hält der länger durch"). Altstar Erik Zabel bleibt jedoch sauber ("Das kann ich meinem Sohn nicht antun"), fängt den dicksten Fisch des Tages und gewinnt nach zuvor 70 zweiten Plätzen endlich mal wieder eine Etappe. Im Überschwang zieht er sich bei der Siegerehrung sein altes Telekom-Trikot an.

August: Panik beim Internationalen Olympischen Komitee: Alle 4800 zufällig und garantiert nicht gezielt genommenen Trainingsproben in den Wochen vor Peking waren schwer positiv. IOC-Präsident Jacques Rogge zieht die Notbremse, streicht alle Sportarten außer Dressurreiten und nimmt noch Angeln in den Disziplinen "Allgemein" und "Fliegenfischen" ins Programm. Die "Blinker"-Redaktion geht für Deutschland ins Rennen, in der Disziplin "Allgemein" feiern Lütticken, Stilke und Szameit den ersten deutschen olympischen Dreifachsieg bei den Sommerspielen seit den Florettfechterinnen Fichtel, Bau und Funkenhauser 1988 in Seoul. Lütticken vergießt auf dem Podest sogar ein paar Tränen. Im Fliegenfischen ist das Team des Fliegenfischer-Forums unschlagbar, vor allem dank der hohen B-Note in der künstlerischen Teildisziplin "geschmeidiges Fuchteln".

November: Die bildgewaltige "Blinker"-Titelstory "Die 68er am Baggersee" lässt die Feuilletonisten verzückt juchzen und bestimmt wochenlang die gesellschaftliche Debatte. Anne Will fragt in ihrer Sendung "Sollen wir jetzt alle angeln gehen?", Frank Schirrmacher schreibt im "FAZ"-Leitartikel, bei der demographischen Entwicklung unserer Gesellschaft seien wir bald ein Volk von Anglern, und Maybrit Illner flirtet nach ihrer Trennung von Telekom-Chef Obermann in ihrer Sendung ungeniert mit Olympiasieger Lütticken. Selbst vor der Politik macht der Siegeszug des Angelns nicht halt: Im Wahlkampf für 2009 setzt sich Bundeskanzlerin Merkel mit Rute an der Spree, SPD-Chef Beck fischt in der heimischen Pfalz an der Mosel. Sportler des Jahres wird überraschend Erik Zabel. Seine Dankesworte: "Petri Heil!"



insgesamt 174 Beiträge
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forumgehts? 14.03.2007
1. Die reine Wahrheit
---Zitat von sysop--- Berichten Sie uns von Ihrer Angler-Leidenschaft. Teilen Sie uns Ihre schönsten Anekdoten und lustigsten Macken mit. ---Zitatende--- Szene im Fischgeschäft: Werfen Sie mir die Forelle zu, dann kann ich sagen, ich hätte sie selbst gefangen!
ADG, 14.03.2007
2. Ota Pavel
---Zitat von sysop--- Berichten Sie uns von Ihrer Angler-Leidenschaft. Teilen Sie uns Ihre schönsten Anekdoten und lustigsten Macken mit. ---Zitatende--- Der bekannte tschechische Autor Ota Pavel hat einmal in seinem Buch "Wie ich den Fischen begegnete" - 2005 neu erschienen in Phileas Verlag - seine Angelleidenschaft mit sehr poetischen Worten begründet: »Als es mir besser ging, dachte ich an das, was in meinem Leben am schönsten gewesen war. Ich dachte nicht an die Liebe, auch nicht daran, wie ich mich auf der Welt herumgetrieben hatte. Ich dachte nicht an nächtliche Flüge übers Meer und Ozeane, auch nicht daran, wie ich Eishockey im Prager Spartaklub gespielt hatte. Ich ging wieder zu den Fischen an Bäche, Flüsse, Teiche und Talsperren und erkannte, daß gerade das, was ich dort erlebt hatte, das Schönste auf der Welt war.« Ota Pavel
Würmchesbader, 14.03.2007
3.
Mehr als 3 Millionen Menschen betreiben dieses Hobby in Deutschland. Es ist die vollkommene Freizeitbeschäftigung: Absolut unberechenbar, deshalb nie langweilig. Eine geheimnisvolle Verbindung in eine unsichtbare Welt, deshalb spannend und faszinierend. Nur hat es mit dem in der Kolumne dargestellten Bild des tollpatschigen Idioten nur am Rande etwas zu tun. Angeln ist auch Kunst - für den Fliegenfischer im Bergbach, Religion - für den passionierten Huchen-Jäger, Zen-Meditation - für den ausdauernden Ansitzangler... Die Beispiele sind unendlich! Viele große Persönlichkeiten waren/sind begeisterte Angler – von Haydn, Beethoven, Wagner, Faraday, Lord Nelson, Bismarck... über Prinz Charles, Queen Mum... bis Peter Alexander, Horst Hrubesch und Jens Weißflog. Alle lieben/liebten dieses Hobby, es bringt arm und reich, alt und jung am Wasser zusammen. Es fesselt selbst die größten Geister – denn die Seele der Fische ist unergründlich. Kurzum: Das perfekte Hobby! Lesestoff zum Thema: www.fischundfang.de
Mastercloser 14.03.2007
4.
Ich angele bereits seit meinem zehnten Lebensjahr, mehr oder weniger intensiv. Es geht nicht nur um die gefangenen Fische (oft genug gehe ich als "Schneider" nach Hause, vielmehr reizt mich das erleben der Natur, beispielsweise eines erwachenden Tages. Nichtangler können das oft nur schwer verstehen. Nunja, ich fürchte, bald werden hier im Forum die PETA-Jünger auftauchen und ihre lächerlichen Parolen herumposaunen.
Polar, 14.03.2007
5.
[QUOTE=Mastercloser]....Es geht nicht nur um die gefangenen Fische (oft genug gehe ich als "Schneider" nach Hause, vielmehr reizt mich das erleben der Natur, beispielsweise eines erwachenden Tages. Nichtangler können das oft nur schwer verstehen....QUOTE] Ja, so isses! Allein das Schmieden der Pläne, um den Fisch zu überlisten, der Thermoskannenkaffee im Morgengrauen, die Zigarre beim Nachtangeln und nicht zu vergessen: die wunderbaren Erzählungen der Angelkollegen!
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