Fünfmalige Olympiasiegerin Isabell Werths Pferd positiv getestet

Die nächste negative Nachricht für den deutschen Reitsport: Das Pferd von Deutschlands bester Dressurreiterin Isabell Werth ist positiv getestet worden. Werth wurde suspendiert, will aber die Öffnung der B-Probe beantragen.


Hamburg - Die fünfmalige Olympiasiegerin Isabell Werth ist in den jüngsten Dopingfall im deutschen Reitsport verwickelt. Der zehn Jahre alte Wallach Whisper der Dressurreiterin ist beim Pfingstturnier in Wiesbaden in der A-Probe positiv auf die verbotene Substanz Fluphenazine getestet worden. Isabell Werth wird eine Öffnung der B-Probe beantragen. Das teilte die Deutsche Reiterliche Vereinigung FN am Mittwoch mit.

Dressurreiterin Werth (2008): Extrem enttäuschend
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Dressurreiterin Werth (2008): Extrem enttäuschend

Der Weltverband Fei hat Isabell Werth bis auf Weiteres von allen Turnieren suspendiert und für den 25. Juni eine Anhörung angesetzt, in der das Tribunal entscheidet, ob es die vorläufige Suspendierung aufrechterhält. Die Regelung, dass Reiter und Pferd bereits nach einer positiven A-Probe suspendiert werden, gibt es international seit Anfang 2008.

Werth bedauerte den Vorfall "zutiefst". "Ich bin mir bewusst, dass ich zu Zweifeln an der Redlichkeit und Sauberkeit meiner Person und unseres Sports Anlass gegeben habe. Ich entschuldige mich auf diesem Wege bei allen, die dem Reitsport und mir verbunden sind", sagte sie in einer schriftlichen Stellungnahme. Sie erklärte die Einnahme des Medikaments mit der Erkrankung ihres Pferdes am sogenannten "Shivering Syndrom, zu Deutsch Zitterkrankheit genannt". Es handele sich um eine Erkrankung des zentralen Nervensystems, die Gleichgewichtsstörungen auslöse. Sie habe sich bei ihrem Tierarzt erkundigt, ob und wie man dieses Shivering Syndrom behandeln könne. Werth: "Wir haben Whisper daraufhin am 16. Mai 2009 einmalig mit diesem Medikament behandelt, um herauszufinden, ob er auf dieses Medikament anspricht."

Sie sei der Überzeugung gewesen, "korrekt gehandelt zu haben" und wünsche sich, "dass das Reglement möglichst rasch so überarbeitet wird, dass sinnvolle medizinische Behandlungen bei Sportpferden möglich werden, ohne dass man deswegen lange Sperren riskiert, weil sich die Absetzzeiten wegen laufend neuer Analysemethoden ständig verändern und im doppelten Sinn des Wortes unberechenbar werden."

Michael Vesper, der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), reagierte bestürzt auf die Nachricht. "Das ist natürlich extrem enttäuschend", sagte Vesper: "Jeder Dopingfall ist katastrophal, aber bei einem Vorbild wie Isabell Werth ist man noch stärker betroffen. In jedem Fall ist Fluphenazine eine Substanz, die meines Wissens in kein Pferd gehört."

"Ich bin erschüttert", sagte FN-Präsident Breido Graf zu Rantzau: "Das ist eine Katastrophe für den Pferdesport." Der Verband kämpft seit Monaten gegen Doping und Manipulation im Reitsport. Vor wenigen Wochen hatte die FN die Kader der drei olympischen Disziplinen aufgelöst und eine unabhängige Kommission des DOSB mit der Befragung der Reiter beauftragt.

Auslöser waren der Dopingfund bei Christian Ahlmanns Pferd Cöster während der Olympischen Spiele und Aussagen von Springreiter Ludger Beerbaum über den Umgang mit Medikamenten.

goe/sid/dpa



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