Gedopter Tour-Sieger Landis wittert Verschwörung

Die Beweise sprechen gegen ihn, doch Floyd Landis beteuert weiterhin seine Unschuld. Der deutsche Doping-Experte Werner Franke hält das allerdings für eine Lachnummer.


Heidelberg - Der Heidelberger Molekularbiologe sieht für Landis keine Chance, seine Unschuld zu beweisen. "Diese Ankündigungen sind nur zum Lachen", sagte er heute in "hr-Info", dem Informationsradio des Hessischen Rundfunks. Die Tests hätten zweifelsfrei ergeben, dass die hohen Testosteronwerte bei Landis nicht von dessen Körper produziert worden seien. "Das beweist, dass das Testosteron synthetisch produziert, also von außen zugeführt wurde", meinte Franke. Der Doping-Fachmann hatte schon zum Fall Jan Ullrich deutliche Worte gefunden.

Tour-Sieger Landis dagegen sieht sich als Opfer einer Verschwörung und kritisiert auch die Presse. "Es gibt da irgendeinen Plan. Ich weiß nur nicht, was es ist", sagte der 30-jährige Amerikaner der Zeitung "USA Today". Auch in Interviews mit vier Fernsehsendern bekräftigte Landis heute, er habe keine leistungssteigernden Mittel eingenommen und werde zu Unrecht beschuldigt.

Er beklagte zudem, dass die Ergebnisse sowohl der A- als auch der B-Probe jeweils schon vor der offiziellen Bekanntgabe an die Öffentlichkeit durchgesickert seien. Dadurch sei er in die Defensive geraten und habe den Eindruck erweckt, als denke er sich jeden Tag neue Erklärungen und Entschuldigungen aus.

"Ich habe von der Presse eine Menge abgekriegt: 'Floyd hat eine neue Entschuldigung, einen neuen Grund für das, was passiert ist'", sagte er in dem Zeitungsinterview. Trotz dieser Erfahrung wolle er Profi-Radfahrer bleiben: "Radrennfahren ist der schönste Sport der Welt. Ich will weiter dazugehören."

Dem Athleten droht die Aberkennung des Siegertitels, weil in seinem Urin synthetisches Testosteron nachgewiesen wurde. Landis wies darauf hin, dass von acht Doping-Tests während der Tour de France nur ein einziger positiv ausgefallen sei. "Niemand, der noch bei Verstand ist, würde nur ein einziges Mal Testosteron nehmen. So funktioniert das nicht", sagte er.

Das Testosteron war bei einem Test nach der 17. Etappe der Tour de France gefunden worden, nachdem Landis auf einer der schwersten Alpen-Strecken einen Einbruch vom Vortag wett gemacht und sich vom elften wieder auf den dritten Rang gekämpft hatte. Der Sportler erklärte, diese Leistung sei weniger erstaunlich als das Ergebnis des Doping-Tests.

kp/av/AP/dpa



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