Gender Pay Gap im Sport Superstar mit Nebenjob

Viele US-Basketballerinnen spielen in mehreren Ligen, weil sie in der WNBA unterbezahlt sind. Eine der Besten, Breanna Stewart, hat sich dabei verletzt. Ihr Fall ist der neueste in der Debatte über Gleichbehandlung.

Breanna Stewart (l.) im Duell mit Washingtons Elena Delle Donne während der WNBA-Finals 2018
Elaine Thompson / AP

Breanna Stewart (l.) im Duell mit Washingtons Elena Delle Donne während der WNBA-Finals 2018

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Breanna Stewart gehört zur Weltspitze im Basketball. Die 24-jährige US-Amerikanerin ist vierfache College-Meisterin und Olympiasiegerin. In der vergangenen Saison gewann sie den Titel in der US-Profiliga WNBA und wurde zudem als wertvollste Spielerin sowohl der regulären Saison als auch der Finalserie ausgezeichnet. Stewarts immenser Erfolg bringt ihr allerdings nicht das entsprechende Einkommen.

Sie spielt als Power Forward für das WNBA-Team Seattle Storm - zumindest von Mai bis September. Weil sie in Seattle nur knapp 65.000 US-Dollar Jahresgehalt bekommt, ist sie das restliche Jahr über im Ausland unterwegs. Dort locken Teams mit Summen, die durchschnittliche WNBA-Gehälter um ein Vielfaches übersteigen: ESPN zufolge erhalten einige Spielerinnen dort bis zu 600.000 US-Dollar.

Diese Praxis ist weit verbreitet in der WNBA: 81 von 146 Spielerinnen - mehr als die Hälfte - laufen in der Saison 2018/2019 im Winter für türkische, russische, chinesische und andere ausländische Klubs auf. Statt die Monate zwischen den Saisons zur Regeneration zu nutzen, bessern die Profis in dieser Zeit ihr Einkommen auf.

Doppelte Belastung erhöht das Verletzungsrisiko

Im Euroleague-Finale gegen Ekaterinburg mit WNBA-Star Brittney Griner riss sich Stewart nun jedoch die Achillessehne. Bei einem Sprungwurf landete sie ungünstig auf Griners Fuß.

Ob die zusätzliche Belastung durch den Spielbetrieb während der WNBA-Pausen zu der Verletzung geführt hat? "Ich bin sicher, dass es ein wesentlicher Faktor ist", sagte ihr Vater Brian Stewart gegenüber der Lokalzeitung "Post Standard" aus Stewarts Heimatstadt Syracuse im US-Bundesstaat New York: "Je mehr man spielt, desto höher wird die Chance, dass etwas passiert - offensichtlich."

Bei dem Wechsel zwischen den Ligen fehlt den Spielerinnen die Möglichkeit, sich vollständig zu erholen, bevor die nächste Saison schon wieder beginnt. "Es ist manchmal sehr schwer, qualitativ hochwertigen Basketball und Spielerinnen zu haben, die bei 100 Prozent sind, wenn wir das ganze Jahr über spielen und wir alle irgendwie angeschlagen sind", sagte Seimone Augustus, Shooting Guard bei den Minnesota Lynx, vor zwei Jahren "The Undefeated".

Bis Basketball-Profis wieder einsatzfähig sind, vergehen nach einem Achillessehnenriss üblicherweise sechs bis zwölf Monate. Die fünf Monate lange WNBA-Saison beginnt am 24. Mai. Stewart, die beste Spielerin des Vorjahres, wird die Chance auf die Titelverteidigung mit Seattle komplett verpassen. Bei Twitter teilte sie bereits mit, die Operation sei erfolgreich verlaufen.

Stewarts Verletzung trägt zur andauernden Debatte über Gleichbehandlung im Profisport bei. WNBA-Spielerinnen fordern seit einiger Zeit schon eine gerechte Bezahlung im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen. "Im Ausland zu spielen, sollte immer eine Entscheidung sein, aber keine Notwendigkeit", sagte WNBA-Allstar Elena Delle Donne gegenüber "Thinkprogress" nach Stewarts Achillessehnenriss: "Es gibt so viele Gründe, warum es für die NBA und die WNBA sinnvoll ist, in uns als Spieler zu investieren. Verletzungsprävention ist offensichtlich ein Hauptgrund."

Kein gerechter Lohn für Spitzensportlerinnen

Die Gehälter in der Männerliga NBA sind deutlich höher. Das liegt daran, dass die Einkünfte der Liga größer sind und dementsprechend mehr Geld zur Verfügung steht. Dennoch ist der Lohnunterschied zwischen männlichen und weiblichen Profis deutlich größer, als er sein sollte. Einer Analyse des Wirtschaftsmagazins "Forbes" zufolge erhalten NBA-Spieler rund 50 Prozent des Ligaumsatzes. Bei den Frauen liegt der Anteil des Umsatzes, der bei den Profis ankommt, demnach bei 22,8 Prozent.

Zum Vergleich: Der höchstdotierte Tarifvertrag in der WNBA sieht ein Saisongehalt von 113.500 US-Dollar vor. Solche Verträge sind absoluten Spitzenspielerinnen vorbehalten. In der NBA beträgt der Mindestlohn 838.464 US-Dollar. Dort gibt es 46 Spieler, die für diese Spielzeit 20 Millionen oder mehr bekommen.

In der "Forbes"-Analyse wird anhand der Star-Spielerin Sylvia Fowles ermittelt, in welchem Maße sie unterbezahlt ist, würde die WNBA den gleichen Anteil des Umsatzes an ihre Spielerinnen weiterreichen wie die NBA. Demnach stünde der Center von Minnesota anhand ihrer sportlichen Leistung ein Jahresgehalt von 1,22 Millionen US-Dollar zu. Tatsächlich bekommt sie aber nur 109.000. Ihre Nebenjobs führten die 33-Jährige in ihrer elfjährigen Karriere zu fünf verschiedenen Klubs in China, Russland und der Türkei.

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Seite 1
ole#frosch 22.04.2019
1. nicht alles was hinkt...
Die Liga der weiblichen us Basketballer muss sich ja auch finanzieren und wenn die Liga insgesamt nicht so viel Gewinn erwirtschaftet, dann kann sie auch nur wenig ausschütten, auch prozentual vesehen. Ansonsten wäre die Liga irgendwann pleite und die Spielerinnen müssten immer im Ausland spielen, wollten sie Geld verdienen. Profisport ist Business und entsprechend kann nur soviel Geld als Gehalt verteilt werden, wie das Business erwirtschaftet.
stagedoor 22.04.2019
2. Vorschlag
Die männlichen NBA Spieler könnten eine Initiative starten, womit sie eine freiwillige Summe in einen Topf einzahlen, um die ungleiche Bezahlung etwas abzumildern. Diese Gesamtsumme wird dann zum Beispiel als Sockelbetrag an die Spielerinnen ausbezahlt. Ähnliche Bewegungen gab es bereits im Fußball für weltweit gerechtere Bildung.
symolan 22.04.2019
3. Die Armen
Möchten auch verdienen wie LeBron. Verständlich, wer will das nicht. Der Markt ist der Markt und ebensowenig wie er den 2. BL-Liga Spielern dieselben Saläre wie CR7 gewährt wird's auch beim Damenbasketball sein. Wenns keinen interessiert liegt halt nicht so viel drin. Mag sexistisch sein, ist aber eine Realität, die niemand weggendern wird.
mindmonkey 22.04.2019
4. Eine Frage der Nachfrage.
Profi Basketball in den USA ist ein denkbar schlechtes Beispiel für den Genderpaygap. Die Nachfrage nach Frauenbasketball scheint ja offensichtlich wesentlich geringer zu sein als bei den Herren. Herrenbasketball hat ja mit Sport auch nicht mehr wirklich viel gemein. Es ist ein Event, ein Schauspiel... Dadurch sind natürlich die Erlöse durch Fernsehergelder, merchandising etc. ein vielfaches geringer bei den Damen. Das wäre in etwa so, wie wenn man die Gehälter eines Fussball-Stars der 1. Bundesliga mit dem eines gleichwertigen Handballers vergleicht – es sind quasi 2 unterschiedliche Sportarten.
RealSim 22.04.2019
5. Pay Gap
"Demnach stünde der Center von Minnesota anhand ihrer sportlichen Leistung ein Jahresgehalt von 1,22 Millionen US-Dollar zu." Was soll denn das heißen, dass es ihr "zusteht"? Ich würde jetzt mal provokant argumentieren, dass so viel Geld noch nichtmal ihren männlichen Kollegen zusteht. Man muss mal einen Schritt zurückgehen und schauen um was es hier geht: Weil Leute eine sinnlose Tätigkeit wie einen Ball in einen Ring werfen, oder andere daran hindern, gut beherschen sollen sie Millionäre werden. Vielleicht sollte man auch einfach feststellen, dass dort niemand in dieser Sportart unterbezahlt ist sondern alle überbezahlt und die Männer noch schlimmer als die Frauen. Das ist doch auch eine legitime Sichtweise. Aber gut, meinethalben sollen die Leute ruhig Millionäre sein, das ist OK für mich. Ich hätte auch kein Problem damit, wenn die Frauen 5 mal so viel verdienen würden wie die Männer. Aber auch hier ist das kritisieren des Pay Gaps nur an der ideologisch genehmen Stelle vorhanden. Denn es gibt ja alle Arten von Gaps. Leistungs Pay Gap, Liga Pay Gap, Vermarktungspotenzial Pay Gap. Also auch innerhalb eines Genders gibt es gigantische Unterschiede im Gehalt. Aber das lässt sich alles mit einem Wort erklären: Marktwirtschaft. Die war noch nie ganz Gerecht. Ich glaube jedenfalls nicht, dass da irgendjemand aus Samaritertum Männern 50% des Ligaumsatzes bezahlt und aus Frauenhass den Frauen nur 22,8%. Da gibt es sicherlich andere Gründe.
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