Gerolsteiner-Sprinter Förster "Auf keinen Fall Larifari machen"

Er ist der einzige deutsche Sprinter bei dieser Tour: Robert Förster. Bei seinem Debüt hat der Gerolsteiner-Fahrer bisher überzeugt, auch wenn er noch keinen Etappensieg rausspurten konnte. Mit SPIEGEL ONLINE sprach Förster über die brutalen Alpen, höllische Schmerzen und die Angst vor dem Aus.


Radprofi Förster: "Da muss ich dranbleiben"
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Radprofi Förster: "Da muss ich dranbleiben"

SPIEGEL ONLINE:

Herr Förster, wie fühlt sich ein Sprinter nach zwei schweren Alpenetappen?

Förster: Meine Oberschenkel tun höllisch weh. Und der Kopf natürlich auch.

SPIEGEL ONLINE: Der Kopf?

Förster: Ja, vom vielen Überlegen, wie man am besten den inneren Schweinehund überlistet.

SPIEGEL ONLINE: Kann man den überlisten?

Förster: Natürlich kann man das, man muss. Gestern habe ich oft abreißen lassen, dann fährst du auf einmal zehn Meter hinterher und der Kopf sagt: "Wenn du jetzt loslässt, bist du oben weg." Die Beine tun dann das, was einem der Kopf befiehlt.

SPIEGEL ONLINE: Hat Ihnen der Kopf zwischenzeitlich auch mal empfohlen, aufzugeben?

Förster: Nein. Man weiß: Das ist die letzte Gruppe, die ins Ziel kommt. Da muss ich dranbleiben, sonst war die ganze Arbeit umsonst.

SPIEGEL ONLINE: Wenn die Favoriten vorn attackieren ...

Förster: ... dann bilden sich dahinter Gruppen mit Fahrern, die nur ankommen wollen. Ich habe dann meine Leute, bei denen ich bleiben muss. Tom Boonen oder Robbie McEwen. Gestern war es McEwen und bei ihm dachte ich, dass er ganz ruhig macht. Nur der hatte richtig Angst und ist am Anschlag den Berg hoch. Alle haben gerufen "McEwen, mach' langsamer". Das war richtig hart. Aber entweder bleibt man dran, oder es ist aus.

SPIEGEL ONLINE: Weil man das Zeitlimit von 45 Minuten überschritten hat. Haben Sie dafür einen Taschenrechner dabei?

Förster: Nein, das Limit wird schon vor dem Start ausgerechnet, aber das kann sich während der Etappe natürlich ändern. Vom Begleitfahrzeug bekommt man immer die aktuellen Zeiten, und außerdem gibt es eine Faustregel: Wenn ich einen Berg am Anschlag hochfahre, verliere ich auf einem Kilometer etwa eine Minute. Dann darf man aber auf der Abfahrt auch keine Zeit mehr liegen lassen. Als wir oben am Galibier ankamen, waren es 39,5 Minuten.

SPIEGEL ONLINE: Und? Gab es da noch mal eine Ansage vom Sportlichen Leiter?

Förster: Ja, er hat gesagt, Jungs, Ihr dürft jetzt auf keinen Fall Larifari machen.

SPIEGEL ONLINE: Es hat ja dann noch gereicht, Sie kamen mit 39:46 Minuten Rückstand ins Ziel. Jens Voigt dagegen ist draußen.

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Tour de France: Höhen und Tiefen der 11. Etappe
Förster: So ist der Sport und das zeigt, wie hart die Tour de France ist. Sie verzeiht keine Fehler und keine gesundheitlichen Schwächen. Aber ganz ehrlich: Eine solche Etappe fährt man auch nicht mit 40 Grad Fieber. Jens hatte eine starke Bronchitis, sonst hätte er das gepackt. Am Ende lag er ja nur 41 Sekunden über dem Limit.

SPIEGEL ONLINE: Sie sind erstmals bei der Tour dabei. Haben Sie Ihre Nominierung bis jetzt gerechtfertigt?

Förster: Ich denke schon. Bisher bin ich zumindest keine schlechte Tour gefahren. Ich war bei den Flachetappen immer vorn dabei und habe auch am Berg alles gegeben. Ich bin zufrieden.

SPIEGEL ONLINE: Die Leitung des Gerolsteiner-Teams auch?

Förster: Natürlich. Es ist bisher super gelaufen, jeder versucht, seine Aufgaben zu erfüllen. Außerdem sind wir noch komplett, was man ja nicht von vielen Mannschaften sagen kann. Und Levi Leipheimer ist als Siebter in der Gesamtwertung vorn dabei.

SPIEGEL ONLINE: Sie selbst liegen im Kampf um das Grüne Trikot des besten Sprinters auf dem sechsten Platz. Wie geht es weiter?

Begehrter Förster: "Ziel Etappensieg"
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Begehrter Förster: "Ziel Etappensieg"

Förster: Wenn ich das wüsste, könnte ich viel Geld verdienen. Ich will mich erst einmal auf morgen konzentrieren. Vielleicht entscheidet es sich zwischen McEwen, Boonen und Thor Hushovd. Auch Stuart O'Grady könnte noch eine Rolle spielen. Aber von einem auf den anderen Tag kann das auch schon wieder anders aussehen. Boonen ...

SPIEGEL ONLINE: ... ist gestern gestürzt ...

Förster: ... und musste von seinem sportlichen Leiter überredet werden, weiterzufahren. Bei der Tour ist alles möglich.

SPIEGEL ONLINE: Auch ein Etappensieg von Robert Förster?

Förster: Sicher, das ist das Ziel.

SPIEGEL ONLINE: Ist es für Sie eigentlich etwas Besonderes, dass Sie der einzige deutsche Sprinter sind? Erik Zabel (T-Mobile) wurde nicht nominiert, Ihr Teamkollege Danilo Hondo ist gesperrt.

Förster: Das hat für mich keine Bedeutung. Ich muss mich mit den Fahrern auseinandersetzen, die hier sind. Damit habe ich genug zu tun.

Das Interview führte Christian Gödecke



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