Beste deutsche Sprinterin Lückenkemper hält Leichtathletik für "nicht zukunftsfähig"

Seit der EM-Silbermedaille 2018 gehört Gina Lückenkemper zu den Stars der deutschen Leichtathletik. Die Sprinterin sorgt sich aber um die Zukunft ihrer Sportart.

Gina Lückenkemper
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Gina Lückenkemper


Sprinterin Gina Lückenkemper gehört zu den bekanntesten deutschen Leichtathletinnen. In der WM-Saison sieht sie viele Probleme auf die olympische Kernsportart zukommen. "Die Leichtathletik ist nicht innovativ genug und muss noch eine Menge lernen", sagte die vierfache EM-Medaillengewinnerin dem Portal "t-online.de". "So wie die meisten Wettkämpfe derzeit organisiert sind, ist unsere Sportart nicht zukunftsfähig." 2018 gewann Lückenkemper bei der Heim-EM in Berlin Silber über 100 Meter hinter Dina Asher-Smith aus Großbritannien.

Das größte Problem sei, dass die Veranstalter zu unflexibel seien. "Was viele noch nicht verstanden haben, ist wie schnelllebig unsere Gesellschaft geworden ist", sagte die 22-Jährige. "Tagesveranstaltungen ziehen - mit Ausnahmen der internationalen Meisterschaften - nicht mehr."

Ein Vorbild für Reformansätze ist aus Sicht der aktuell besten deutschen Sprinterin (10,95 Sekunden über 100 Meter) die traditionsreiche Berliner Leichtathletik-Veranstaltung Istaf. Dies sei für sie "der positive Vorreiter, wie ein straffes, aber trotzdem vielseitiges Meeting an einem Nachmittag organisiert werden kann", sagte Lückenkemper. "Wir brauchen mehr kleinere Spezialisten-Wettkämpfe, um attraktiv zu bleiben."

Dass die Leichtathletik bis auf Großereignisse wie Olympia oder WM kaum noch im Fernsehen stattfindet, ist für die mehrfache deutsche Meisterin ebenfalls problematisch. "Ich kann den Menschen aber auch keinen Vorwurf machen, in Deutschland ist es tatsächlich auch sehr schwierig geworden, Leichtathletik zu schauen", sagte Lückenkemper. Erst wenn die "Meetings wieder attraktiver werden", könne es die Leichtathletik schaffen, aus der Pay-TV-Nische herauszukommen.

Saisonhöhepunkt für die Leichtathleten sind die Weltmeisterschaften vom 27. September bis 6. Oktober in Doha (Katar). Lückenkemper wird über 100 und 200 Meter sowie in der Staffel an den Start gehen, hat angesichts der großen Konkurrenz aber nur geringe Chancen auf eine Einzelmedaille.

Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels war von einer WM 2018 in Berlin die Rede - es war jedoch eine EM.

krä/dpa

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insgesamt 30 Beiträge
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The Restless 27.06.2019
1. Trainingsmöglichkeiten
Die Schule unseres Sohnes hat keinen Zugang zu einem Sportplatz. Leichtathletik taucht daher im Lehrplan des Sportunterrichts gar nicht mehr auf. Ich habe gehört, dass das kein Einzelfall ist, und dann erübrigt sich die Frage nach der Zukunft dieser Sportart.
norgejenta 27.06.2019
2. tja König Fussball
hat fast alles andere totgeritten. Entweder, euroleague, Champions league, euro, und was weiss ich was auf dauerschleife läuft.. die leute wollen anscheinend nichts anderes sehen. Dementsprechend sind halt auch die Leistungen der deutschen Leichtathleten. Siehe Läufer... 5000 meter, 10000 meter, Marathon.. etc..Man braucht sich nur die deutsche Bestzeit im Marathon ansehen.. dazu sind diese Athleten auch noch schlecht bezahlt, wenn überhaupt. das Training ist extrem hart, Dopingkontrollen ohne ende, Dopingvorwürfe . Da ist es doch einfacher fussball zu kicken. dann ein Bierchen und kippe
bardolino12 27.06.2019
3. Breitensport
Die Öffentlich- Rechtlichen hätten sehr wohl den Auftrag Sport in der Breite zu zeigen. Habe immer gern Leichtathletik angeschaut. Fußball hängt mir zum Hals raus.
benmartin70 27.06.2019
4.
Zitat von norgejentahat fast alles andere totgeritten. Entweder, euroleague, Champions league, euro, und was weiss ich was auf dauerschleife läuft.. die leute wollen anscheinend nichts anderes sehen. Dementsprechend sind halt auch die Leistungen der deutschen Leichtathleten. Siehe Läufer... 5000 meter, 10000 meter, Marathon.. etc..Man braucht sich nur die deutsche Bestzeit im Marathon ansehen.. dazu sind diese Athleten auch noch schlecht bezahlt, wenn überhaupt. das Training ist extrem hart, Dopingkontrollen ohne ende, Dopingvorwürfe . Da ist es doch einfacher fussball zu kicken. dann ein Bierchen und kippe
Danke, damit hat sich mein Kommentar erledigt. Zustimmung!
DutchRules 27.06.2019
5.
Leichtathletik, Judo, Radsport etc. ist im Vergleich zu Mannschaftssportarten einfach langweilig und vermittelt viel weniger Emotionen. Und auch das umfassende Doping hat diese Sportarten kaputt gemacht. Natürlich kann jeder der Spaß daran hat, diese Sportarten betreiben. Aber niemand kann erwarten, damit heute noch viele Zuschauer anzulocken.
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