Giro d'Italia Titelverteidiger positiv auf Kokain getestet

Nach dem Giro-Sieger 2000, Stefano Garzelli, droht auch dem Titelverteidiger der zweitwichtigsten Radrundfahrt der Welt die Disqualifikation wegen Dopings. Gilberto Simoni hat offenbar Kokain konsumiert.

Caserta - Beim 85. Giro d'Italia ist nach Garzelli (Italien) auch dessen Landsmann, Titelverteidiger Simoni, positiv auf Doping getestet worden.

Bei einer unangekündigten Trainingskontrolle der Welt-Antidoping-Agentur (Wada) wurde bei dem Italiener am 24. April Kokain nachgewiesen.

Sollte die B-Probe den Dopingbefund bestätigen, wird der Fahrer vom Saeco-Longoni-Team gesperrt und sofort disqualifiziert. Am Dienstagabend musste bereits der gedopte Giro-Favorit Garzelli den Giro verlassen.

Von den am 11. Mai in Groningen/Niederlande gestarteten Topfavoriten auf den Gesamtsieg wäre dann nur noch der Italiener Francesco Casagrande - zur Zeit 4:08 Minuten hinter Spitzenreiter Jens Heppner - im Rennen. Simoni liegt auf Rang acht mit 4:29 Minuten Rückstand. Der Giro-Gewinner des Vorjahres behauptet, ein Zahnarzt-Besuch könnte dafür gesorgt haben, dass Kokain-Spuren bei ihm entdeckt worden seien.

Weitere Lawine auf den Giro


Telekom-Teamchef Rudy Pevenage sagte am Mittwoch vor dem Start der 10. Etappe in Maddaloni: "Das Problem besonders in Italien ist, dass viele Amateure Profis werden, ohne sich durch Talent oder Ergebnisse besonders zu empfehlen. Sie werden Radprofi, um Geld zu verdienen und helfen nach, wenn die eigenen Voraussetzungen nicht reichen." Die Stimmung sei sehr gedrückt, beschrieb Pevenage die Giro-Atmosphäre: "Es hört nicht auf: 1998 bei der Tour, im Vorjahr die Razzia in San Remo, jetzt das."

Gianni Petrucci, Präsident des Italienischen Olympischen Komitees (Coni), kündigte für unmittelbar nach Giro-Ende am 2. Juni einen "Krisen-Gipfel" auch mit Vertretern des Weltverbandes UCI an. "Wir müssen Gegenmaßnahmen ergreifen, um aus der schwerwiegenden Situation wieder herauszukommen", so Petrucci. Giro-Direktor Carmine Castellano hatte indes keine Sorgen, die Rundfahrt termingerecht zu beenden: "Der Giro wird wie geplant in Mailand ankommen und sei es mit nur noch einem einzigen Rennfahrer."

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