Gold-Hickhack Noch kein Einspruch der Franzosen

Die Protestwelle im Wettbewerb der Vielseitigkeitsreiter scheint sich vorerst nicht fortzusetzen. Nachdem die deutsche Mannschaft gestern erfolgreich Protest gegen den aberkannten Olympiasieg eingelegt hatte, kündigte Frankreich seinen Einspruch am Internationalen Sportgerichtshof (CAS) an. Dieser jedoch bleib bisher aus.


Freudentränen nach dem Olympiasieg: die deutsche Vielseitigkeitsreiterin Bettina Hoy.
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Freudentränen nach dem Olympiasieg: die deutsche Vielseitigkeitsreiterin Bettina Hoy.

Athen - Eine CAS-Sprecherin bestätigte heute, dass weder der Sieg der deutschen Equipe noch die Goldmedaille von Bettina Hoy angefochten worden seien. "Wir werden am Donnerstagfrüh vor das Oberste Sportschiedsgericht CAS gehen und gegen die Entscheidung Protest einlegen", hatte Olivier de Page, Technischer Direktor des französischen Verbandes noch gestern Abend angekündigt.

Nur wenige Minuten nach der ursprünglichen Entscheidung hatte die hinter Deutschland zweitplatzierte französische Mannschaft Protest gegen die Wertung des Ergebnisses eingelegt. Beim Ritt der letzten deutschen Starterin, Bettina Hoy, der die deutsche Mannschaft auf den Goldrang vor Frankreich und Großbritannien brachte, soll die Zeitmessung zu spät eingesetzt haben. Dem Protest wurde zunächst stattgegeben. Dadurch erhielt Hoy zwölf zusätzliche Strafpunkte, und Deutschland rutschte auf den vierten Rang ab.

Doch die deutsche Mannschaftsleitung legte gegen diesen Entscheid wiederum Einspruch ein. Mit Erfolg: Mit 133,8 Strafpunkten sicherte sich Deutschland nun doch den Titel vor Frankreich mit 140,4 Strafpunkten und Großbritannien (143,0). Den USA (145,6) blieb Rang vier. Dass die deutschen Vielseitigkeitsreiter bei den Olympischen Spielen auf dem Treppchen landen könnten, hatte sich bereits nach den ersten beiden Prüfungen in der Dressur und im Gelände abgezeichnet - vor dem Springen hatte man noch auf Rang zwei gelegen.

Die deutsche Schlussreiterin Bettina Hoy hatte nach ihrem fehlerfreien Ritt auf ihrem Wallach Ringwood Cockatoo Freudentränen im Gesicht. "Das ist der schönste Tag in meinem Leben", jubelte die aus Rheine stammende Hoy, ehe sich ihr Gesichtsausdruck in Entsetzen verwandelte.

Eine Unachtsamkeit vor dem eigentlichen Start hätte die Deutschen fast um den Olympiasieg gebracht: Der Gong ertönte und Hoy ritt erstmals über die Startlinie. Die Zeitnahme jedoch versagte in diesem Moment. Das bewegte die Franzosen später zum Protest. Erst nachdem die Deutsche noch eine Runde um einen im Parcours stehenden Orangenbaum geriten war und sie ein zweites Mal über die Startlinie ritt, um das erste Hindernis anzugehen, wurde die Zeit gemessen. "Mitten in die Feier der Goldmedaille hinein ist die Nachricht hineingeplatzt. Wir haben dann erstmal die Regelbücher gewälzt, aber die Stimmung war im Arsch. Nach der Anhörung ist herausgekommen, dass der Fehler nicht zu Lasten der Reiterin ausgelegt werden konnte", sagte Reinhardt Wendt, Chef d'Equipe der Reiter.

Goldreiterin Bettina Hoy auf ihrem Wallach Ringwood Cockatoo.
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Goldreiterin Bettina Hoy auf ihrem Wallach Ringwood Cockatoo.

Die Deutschen wurden Olympiasieger in folgender Besetzung: Bettina Hoy (Gatcombe/England) auf Ringwood Cockatoo, Ingrid Klimke (Münster) auf Sleep Late, Frank Ostholt (Warendorf) auf Air Jordan, Andreas Dibowski (Hamburg) auf Little Lemon B und Hinrich Romeike (Nübbel) auf Marius. "Alles, was jetzt noch kommt, ist Bonus", jubelte die 41-Jährige doch wieder und blickte auf den Einzel-Wettbewerb voraus. Nur 2:40 Stunden später war auch der Bonus perfekt: Bettina Hoy holte sich auch den Olympiatitel im Einzel.

"Das war ein Tag mit vielem Hin und Her. Man kann es immer noch gar nicht richtig glauben, dass es jetzt zwei Goldmedaillen geworden sind", meinte Jürgen Thumann, Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung nach einer Achterbahnfahrt der Gefühle.

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