NBA-Favorit Golden State Die Super-Bösewichte

Seit seinem Wechsel zu Golden State schlägt Kevin Durant der Hass der Basketballfans entgegen. Für den NBA-Superstar könnte sich die Entscheidung trotzdem auszahlen: Sein Team scheint unbesiegbar.

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Wenn Fans in den USA einen eigenen Spieler bei einem Länderspiel ausbuhen, muss schon etwas Schwerwiegendes vorgefallen sein. Ob in Los Angeles oder in Chicago, während der Vorbereitungspartien der US-Basketballer vor den Olympischen Spielen gab es immer Pfiffe und Buhrufe für Kevin Durant. Mit nur einer Entscheidung ist aus einem der beliebtesten Spieler der NBA einer der am meisten verachteten geworden. Sein vermeintliches Verbrechen war, im Sommer von Oklahoma City Thunder zu den Golden State Warriors zu wechseln.

Durant verkörperte Thunder, er war dem Team neun Jahre treu geblieben, obwohl die Stadt zu den unattraktivsten der NBA zählt. Oklahoma City lag ihm dafür zu Füßen. Als er im Mai 2014 als wertvollster Spieler der Saison (MVP) ausgezeichnet wurde, hielt er eine emotionale Rede, in der er sich bei jedem einzelnen Teamkollegen ausführlich bedankte. Durant, Superstar und doch bescheiden und loyal.

Dieses Bild zerbrach mit dem Transfer zu Golden State. Dass ein Superstar wechselt, ist nicht ungewöhnlich in der NBA. Dass er aber in ein bereits intaktes Team wechselt, noch dazu zu einem direkten Rivalen, erzürnte viele. In den vorangegangenen Playoffs hatten Thunder und Durant die Warriors am Rand einer Niederlage, doch sie waren nach einer 3:1-Führung eingebrochen und hatten die Serie 3:4 verloren.

"Niemanden kümmert, was ich als Person möchte"

Die Kritik kam von ehemaligen Spielern, Experten und Fans - und sie kam zahlreich: Durant sei eben kein echter Gewinner; er gehe den leichten Weg; er habe nicht den nötigen Siegeswillen, um die Warriors zu bezwingen; er lasse sein Team im Stich. Dazu die Gerüchte, Nike habe bei Durants Wechsel eine wesentliche Rolle gespielt, weil Curry - und damit dessen Ausrüster Under Armour - zu sehr ins Rampenlicht gerückt war.

Für Durant selbst waren die Wochen nach seinem Wechsel hart, wie er in einem HBO-Interview gestand. "Niemanden kümmert, was ich als Person möchte", sagte der 28-Jährige, "es geht nur darum, was ich als Basketballer kann."

Aber nicht nur wegen Durant sind die Warriors mittlerweile Schurken. Zu Beginn der vergangenen Saison waren sie noch das Team, das jeder Basketballfan mögen musste. Ihre Spielweise attraktiv und mannschaftsdienlich, ihr Auftreten bescheiden und freundlich. Doch im Laufe ihrer Rekordsaison, 73 von 82 Spielen gewann Golden State, fand eine Verwandlung statt.


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Die vielen Siege polarisierten. Das übertriebene Feiern von erfolgreichen Aktionen wirkte zunehmend überheblich, wie etwa Currys Marotte, nach einem Wurf abzudrehen, noch bevor dieser durch den Korb gefallen war - als würde er ohnehin immer treffen. Spätestens als Draymond Green in den Finals nach etlichen unsportlichen Aktionen gesperrt wurde, war die Wandlung vollzogen.

Die eigene Beliebtheit dürfte den Warriors aber egal sein, denn auf dem Feld sind sie vor dem Saisonauftakt am Dienstag gegen San Antonio der absolute Top-Favorit. TV-Experten diskutieren nicht, ob sie Meister werden, sondern ob sie ihren Siegrekord brechen werden oder nicht.

Cleveland gilt als einziger Warriors-Gegner

Mit Durant (2014) und Curry (2015, 2016) stehen die MVPs der vergangenen drei Jahre im selben Team. Dazu kommen mit Klay Thompson und Green zwei weitere herausragende Dreierschützen. Gegnerischen Verteidigungen wird es beinahe unmöglich sein, Golden State zu stoppen. In der Vorbereitung gewannen die Warriors sieben von acht Partien und ließen auch die Zweifler verstummen, die eine Eingewöhnungsphase prognostiziert hatten.

Die Schwächen der Mannschaft finden sich erst im Detail: Ein Center fehlt, der viele Würfe blockt und den Stars damit den Rücken freihält. Und von der Bank kann Coach Steve Kerr nur drei etablierte Kräfte bringen, der Rest sind unerfahrene Talente.

Somit bleibt für die Warriors nur ein ebenbürtiger Gegner, Titelverteidiger Cleveland Cavaliers. Das dritte Finalduell scheint nur Formsache, obwohl in der NBA-Geschichte bislang noch nie zwei Klubs dreimal hintereinander in der Finalserie aufeinandertrafen.

Bis es soweit ist, steht Durant unter besonderer Beobachtung. Kurz vor Saisonbeginn lobte er sein neues Team: "Alle sind so selbstlos und genießen das Spiel in seiner reinsten Form." Die Worte wurden als Kritik an Thunder aufgefasst. Wie man es von einem Bösen eben erwartet.

NBA - Meister und MVPs seit 2000

Jahr Team Season-MVP Finals-MVP
2016 Cleveland S. Curry L. James
2015 Golden State S. Curry A. Iguodala
2014 San Antonio K. Durant K. Leonard
2013 Miami Heat L. James L. James
2012 Miami Heat L. James L. James
2011 Dallas D. Rose D. Nowitzki
2010 LA Lakers L. James K. Bryant
2009 LA Lakers L. James K. Bryant
2008 Boston K. Bryant P. Pierce
2007 San Antonio D. Nowitzki T. Parker
2006 Miami S. Nash D. Wade
2005 San Antonio S. Nash T. Duncan
2004 Detroit K. Garnett C. Billups
2003 San Antonio T. Duncan T. Duncan
2002 LA Lakers T. Duncan S. O'Neal
2001 LA Lakers A. Iverson S. O'Neal
2000 LA Lakers S. O'Neal S. O'Neal
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