Golf-Comeback Woods will's wieder wissen

Drei Monate Verletzungspause, kein Sieg mehr seit November 2009: Golf-Superstar Tiger Woods drohte in der Versenkung zu verschwinden. Jetzt ist der 35-Jährige zurück, beim Turnier in Ohio kämpft Woods gegen seinen Körper und um neue Erfolge. Helfen soll dabei ein neuer Mann an seiner Seite.

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Frau weg, Schwung weg, Caddie weg - Tiger Woods' Leben und seine Karrie waren im vergangenen Jahr vor allem von Trennungen und Verlusten geprägt. Dies alles hat den 35-Jährige aus der Bahn geworfen. Um so mehr freute er sich dafür darüber, dass er nun endlich mal ein Ärgernis los ist: "Ich habe keine Schmerzen mehr. Es fühlt sich alles stabil an, und das ist ein tolles Gefühl", sagte Woods vor dem am Donnerstag beginnenden Turnier ("WGC-Bridgestone Invitational") in Akron/Ohio - der Golf-Superstar feiert seine langersehnte Rückkehr.

Seit dem 12. Mai hatte Woods kein Turnier mehr bestritten. Damals, bei der Players Championship in Florida, humpelte er über neun Löcher seinem deutschen Flight-Partner Martin Kaymer hinterher. Dann gab Woods entnervt auf, die Schmerzen im Knie und an der Achillessehne verhinderten im Juni und Juli seine Teilnahme an den Majorturnieren US- und British Open.

Jetzt will Woods wieder angreifen: "Ich fühle mich großartig. Ich will gewinnen. Deswegen bin ich hier", gibt sich der US-Amerikaner wieder angriffslustig. Dagegen sprechen die Einschätzungen diverser Experten, zum Beispiel von ESPN-Journalist Gene Wojciechowski: "Man sollte realistisch sein: Tiger Woods wird in Akron nicht gewinnen. Aber es ist einfach gut, ihn wieder Golf spielen zu sehen." Zwischenzeitlich war gar über einen Rücktritt des Superstars spekuliert worden.

Akron - Woods' Rekord-Turnier

Für einen Sieg in Akron spricht Woods' Bilanz bei der Championships Invitational. Sieben Mal gewann er das PGA-Turnier bei elf Teilnahmen. Kein Golfprofi war jemals so häufig bei einem Turnier erfolgreich. Der Wettkampf auf dem berühmten Firestone-Südkurs ist eine der wichtigsten Veranstaltungen auf der Tour. Das Feld ist auf etwa 75 Spieler beschränkt, die sich durch Ranglistenplatzierungen und Turniersiege qualifizieren.

Seinen bislang letzten Sieg feierte Woods im November 2009 in Australien, danach ging es rapide bergab. Vor allem seine Sex-Affären und die Scheidung von Ehefrau Elin Nordegren kratzten am Ruhm des einstigen Saubermannes. In der Weltrangliste ist Woods, der das Ranking insgesamt fast zwölf Jahre lang angeführt hat, auf den 28. Platz zurückgefallen. So schlecht war er zuletzt 1997, kurz nach seinem Profi-Debüt.

Der Mann, der damals seine Tasche trug, wird auch diesmal sein Caddie sein. Bereits zu Beginn der steilen Karriere wurde Woods von Bryon "Bri" Bell unterstützt. Dieser ersetzt nun den Neuseeländer Steve Williams. Am 20. Juli hatte Woods seinen Freund und Caddie nach 13 Jahren Zusammenarbeit via Internet gefeuert. Es war das Ende eines Erfolgs-Duos, 13 von 14 Major-Siege seit 1999 gewann Woods mit Williams an seiner Seite. "Erst einmal werde ich diese und hoffentlich auch kommende Woche versuchen, mit Bri zu spielen", sagte Woods, den mit Bell ebenfalls eine lange Freundschaft verbindet. Auf die Frage, ob Bell auch künftig für ihn arbeiten werde, sagte Woods scherzhaft über den Gelegenheitssportler: "Nein - habt ihr euch mal seine Beine angeguckt?"

"Eine sehr, sehr gute Woche für Tiger würde mich nicht wundern"

Woods Beine haben sich in den vergangenen Wochen diverse Ärzte ganz genau angesehen. Letztlich gaben sie dem seit Jahren unter Knie- und Achillessehnenproblemen Leidenden Grünes Licht für die Generalprobe für die US PGA Championship in Johns Creek/Georgia kommende Woche. Dort will Woods seinen 15. Majortriumph perfekt machen. Noch immer hält mit 18 Titeln Golf-Legende Jack Nicklaus den Rekord.

Wie in Akron würde Woods beim letzten Major des Jahres auch auf die Top drei der Welt, Luke Donald, Lee Westwood und Martin Kaymer treffen, die den früher so dominanten Woods in der Rangliste längst abgehängt haben. Kaymer schlägt am Donnerstag um 13.20 Uhr Ortszeit (19.20 Uhr MESZ) zu seiner ersten Runde ab. Der 26-Jährige spielt dabei in einem Flight mit dem US-Amerikaner Bubba Watson, gegen den er sich vor fast einem Jahr im Stechen der PGA-Championships durchsetzte und damit seinen ersten Major-Titel gewann. Gegen Watson setzte sich Kaymer im Februar auch im Halbfinale der Matchplay-Meisterschaft in Arizona durch und eroberte dadurch Platz eins der Weltrangliste.

Auch Kaymer und Co. sehen Woods' Comeback mit Freuden entgegen. Besonders British-Open-Sieger Darren Clarke, seit Jahren eng mit Woods befreundet, kann den Turnierstart kaum erwarten. Als Flight-Partner räumt er ihm gute Chancen ein: "Tiger liebt diesen Platz so sehr. Eine sehr, sehr gute Woche für ihn würde mich nicht wundern."

Doch aller Erfolge zum Trotz, Woods hat auch schlechte Erinnerungen hat den Firestone Country Club: Im vergangenen Jahr war er unter 80 Startern mit 18 über Par auf Rang 78 gelandet. Eine der Besonderheiten des Turniers ist zugleich eine gute Nachricht für Woods und seine Fans, sollte er bei seinem Comeback ähnlich schlecht wie Vorjahr abschneiden: Es gibt keinen Cut nach dem Freitag, alle Spieler sind am Final-Sonntag mit dabei.

Mit Material von sid und dpa



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