Golf-Turnier Phoenix Open Buhrufe und Bierduschen

Die Phoenix Open sind das etwas andere Golf-Turnier auf der US-Tour. Für den Deutschen Martin Kaymer ist die Veranstaltung ein Heimspiel. Superstar Tiger Woods bleibt dem Turnier dagegen fern, seit er einst mit einer Südfrucht attackiert wurde.

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Vergiss alles, was du über Golf je gehört hast. Dass es immer gesittet zugeht, sich das Publikum im Flüsterton unterhält, wenn überhaupt. Champagner trinkt statt Bier, Emotionen hinter vorgehaltener Hand gestöhnt werden, freundlicher Applaus auch den misslungensten Schlag höflich goutiert. Ab Donnerstag heißt es wieder: Welcome to Scottsdale Island, Willkommen bei den Phoenix Open. Wo alles völlig anders ist.

In der Wüste von Arizona bricht wieder der Golf-Wahnsinn aus. Bis Sonntag machen über 500.000 Zuschauer das Turnier zur bestbesuchten Golfveranstaltung weltweit, die vier Majors und den Ryder Cup eingeschlossen. Etikette halten die Fans dort für Hinweisschildchen, nicht für Benimmregeln.

Kaymer freut sich auf den Schlaf im eigenen Bett

Ausgerechnet an diesem Ort zwischen Golf-Himmel und -Hölle spielt auch Martin Kaymer gerne wieder mit, obwohl er sein Engagement in den USA in diesem Jahr wieder etwas herunterfahren will. Außerdem hat der beste deutsche Golfer halt seit Jahren seinen US-Stützpunkt in Scottsdale. Das Turnier auf dem Stadium Course ist also so etwas wie ein Heimspiel: "Darauf freue ich mich besonders, denn es kommt nicht so oft vor, bei Turnieren im eigenen Bett schlafen zu können."

Wie er allerdings in diesem Jahr mit der Fußball-Atmosphäre auf dem Platz zurecht kommt, muss sich zeigen. Bei seinen bisherigen beiden Teilnahmen 2010 und 2013 schaffte er es nicht, sich auf die besonderen Umstände einzustellen und scheiterte vorzeitig.

Insbesondere Loch 16 ist absolut einzigartig. Das nur rund 150 Meter lange Par3 ist die einzige Spielbahn der Welt, die komplett von Tribünen umschlossen ist. Über 20.000 Fans sitzen hier, es gibt außerdem 197 Logen. Die Spieler müssen durch einen 20 Meter langen Tunnel zum Abschlag gehen.

"Es ist wie in einem Fußballstadion", sagt der amerikanische Profi Rickie Fowler, "ein unglaubliches Gefühl." Sein Kollege Paul Azinger meint: "Die coolste Sache im Golf überhaupt. Man hofft am Abschlag, dass man überhaupt das Grün trifft."

Mickelson: "Das ist das Größte überhaupt"

Ein besonderer Held ist Titelverteidiger Phil Mickelson, der als Amateur für die Collegemannschaft der Arizona State University (ASU) spielte. Mit "A, S, U! A, S, U!"-Rufen wird er empfangen, manche Fans tragen extra angefertigte T-Shirts mit der Aufschrift "Go Phil". "Vor dieser Tribüne und diesen Fans zu spielen, ist das Größte überhaupt", sagt der fünfmalige Majors-Champion.

Dreimal konnte Mickelson das Turnier bereits gewinnen, bei seinem Sieg im vergangenen Jahr stellte er den Turnierrekord ein. Um seinen Start in Phoenix nicht zu gefährden, gab er das Turnier in La Jolla/Kalifornien vergangene Woche mit leichten Rückenproblemen auf.

Sportlich ist die Bahn für die Profis keine große Herausforderung. Aber die Szenerie ist schon irritierend. Zuschauer mit Karnevalshüten, Zuschauer, die wie im Eiskunstlauf auf großen Papptafeln Noten verteilen, Zuschauer, die nach jedem Abschlag jubeln, ein Bier trinken oder zwei, und nach verzogenen Schlägen buhen. Manche halten Schilder hoch: "Quiet please", Ruhe bitte. Guter Witz. Nicht jeder kommt damit klar.

Als Tiger Woods 1997 auf der 16 ein Ass gelang, flogen vor Begeisterung Bierbecher auf das Grün. Tiger gab die Siegersäge, alles gut. 2001 aber warf ein angetrunkener Zuschauer eine Orange nach dem Superstar, seitdem hat sich Woods in Scottsdale nicht mehr blicken lassen. Auch in diesem Jahr fehlt sein Name in der ansonsten illustren Starterliste. "Wer die Atmosphäre hier nicht aushält, der soll doch einfach zu Hause bleiben", sagt der Amerikaner David Toms.

Vier Monate dauert es, bis die transportablen Tribünen aufgebaut sind. Immerhin mit 6,2 Millionen US-Dollar sind die Phoenix Open dotiert, die 1932 erstmals ausgetragen wurden und damit zwei Jahre älter sind als das Masters in Augusta. 1,1 Millionen Dollar ist allein der Siegerscheck wert.

So weit, so normal. Alles andere aber ist einzigartig in der Wüste von Arizona. Vergiss alles, was du über Golf gehört hast.

In einer früheren Version des Textes hieß es, Martin Kaymer sei zum ersten Mal bei den Phoenix Open dabei. Wir haben diesen Fehler korrigiert, ebenso wie zwei falsche Ergebnisse des deutschen Golfers in Abu Dhabi und Katar. Wir bitten um Entschuldigung. Die Redaktion.



insgesamt 3 Beiträge
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Midurisun 30.01.2014
1. Zur Info für SPON
Ihre Bewertung bezg. Tiger Wood ist ein einziger Schwachsinn, denn Tiger Wood spielt bei den Dubai Desart Classic mit, die er schon jahrelang mitspielt, unter anderem mit Martin Kaymer. Vor ein paar Jahren hat Kaymer dieses Tunier sogar gewonnen. Warum Kaymer das Tunier in Dubai nicht mitspielt, obwohl er die beiden vorhergehende Tuniere in Doha und Abodabi mit gespielt hat müssen die Schreiberlinge ihn mal fragen. Sicherlich ist etwas wahre daran, da er in Scotsdale ein Haus hat und der Termin mit Phoenix Open und Dubai Desart Classic überschneidet.
Trantor666 30.01.2014
2. Prakikantentag bei SpOn?!
---Zitat--- In einer früheren Version des Textes hieß es, Martin Kaymer sei zum ersten Mal bei den Phoenix Open dabei. Wir haben diesen Fehler korrigiert, ebenso wie zwei falsche Ergebnisse des deutschen Golfers in Abu Dhabi und Katar. Wir bitten um Entschuldigung. Die Redaktion ---Zitatende--- Und warum würde nicht gleich die FÜLLE an Rechtschreibfehlern gleich mit korrigiert? Sorry, aber das hat nicht einmal Bild Niveau: ---Zitat--- Vergiss es. Welcome to Scottsdale, Willkommen bei den Phoenix Open. Wo alles völlig anders ist. ANZEIGE Ab Donnerstag heißt es wieder: Welcome to Scotsdale Island, Willkommen bei den Phoenix Open. Wo alles völlig anders ist. ---Zitatende--- Ist irgendwie doppelt, oder?! ---Zitat--- Außerdem hat der beste deutsche Golfer hat halt seit Jahren seinen US-Stützpunkt eben in Scottsdale ---Zitatende--- Das "hat" haben wir doppelt, da müssen wir 100 DM abziehen. ---Zitat--- das Turnier auf dem Stadium Course ist also so etwas wie eine Heimspiel: ---Zitatende--- Ja, immer das Problem mit die Artikel... ---Zitat--- Bei seinem Debut ---Zitatende--- Ich finde es mit "ü" irgendwie richtiger... ---Zitat--- Insbesondere die Loch 16 ist absolut einzigartig ---Zitatende--- Ja, wirklich, diese Probleme mit die Artikel... ---Zitat--- Das nur rund 150 Meter lange Par3 ---Zitatende--- Par3, Mach2, Nimm2... ---Zitat--- Mit "A,S,U - A,S,U-Rufen wird er empfangen ---Zitatende--- Anführungszeichen oben macht man doch auch am Ende des Zitates, oder? ---Zitat--- der bereits zum 25 Mal in Scottsdale abschlagen wird ---Zitatende--- Ein Punkt ist nur ein Punkt, aber manchmal nutzt man ihn nicht nur am Ende eines Satzes! ---Zitat--- Als Tiger Woods 1997 auf der 16 ein Ass gelang ---Zitatende--- Komisch, und ich dachte, im Gold hieße das Hole-in-One?! ---Zitat--- die 1932 zum erstenmal ausgetragen wurden ---Zitatende--- Nicht zum ersten Mal: Aua! ---Zitat--- zwei Jahre älter sind, als das Masters in Augusta ---Zitatende--- Man kann es auch übertreiben mit den Kommata.
norman.schnalzger 30.01.2014
3. Tiger
Ein Tiger ist doch normalerweise keine Mimose, oder hab ich da was falsch verstanden?
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