Golf Im Land von Putter und Betablocker

Gemeinhin gelten Golfprofis als "sauberste" Sportler der Welt. Dennoch ebben derzeit die Gerüchte über kleine Helfer aus der Apotheke für den Fairway nicht ab.

Von Andreas Lampert


Craig Parry: "Golf muss für alle fair bleiben"
AP

Craig Parry: "Golf muss für alle fair bleiben"

Hamburg - Eines der grundlegenden Kriterien für ein erfolgreiches Golfspiel, besteht darin, die Nerven zu bewahren. Wenn ein Putt aus einem Meter Entfernung fallen muss, wird das knapp zehn Zentimeter große Loch auf dem Grün meist klein wie ein Nadelöhr, die Knie fangen an zu schlottern, und hält ein Spieler diesem Druck nicht mehr stand, zittern schließlich auch die Hände. In einem solchen Zustand ist an ein auch nur passables Spiel nicht mehr zu denken.

In Fachkreisen wird die unkontrollierte Handführung, die auf dem Grün zu wahren Katastrophen führen kann, als "Yips" bezeichnet. Vor einigen Jahren etwa verputtete sich Deutschlands Vorzeigegolfer Bernhard Langer regelmäßig und musste zeitweise sogar um die Fortsetzung seiner Karriere bangen. Erst als er auf den wenig eleganten "Besenstil-Putter" umsattelte, ging es mit dem zweimaligen Masters-Gewinner wieder aufwärts.

Der weite Weg nach Olympia


Doch nicht nur mit neuem Spielgerät, sondern auch mit anderen Mitteln wird versucht, dem Zittern auf den Grüns Herr zu werden. So ist seit einiger Zeit bereits ein Gerücht in Umlauf, demzufolge renommierte Golfprofis zu Betablockern greifen. Das Blutdruck senkende Mittel soll helfen, den Ball mit ruhiger Hand ins Loch zu bringen. Ausgelöst hat das Flüstern hinter vorgehaltener Hand der australische Golfprofi Craig Parry, 35, der im Dezember letzten Jahres das Thema bei einer Diskussion im australischen Fernsehen ansprach. Seine Vermutungen wiederholte Parry bei einem Turnier auf Hawaii im Januar erneut.

Steve Jones: Ständig müde und schlapp
AP

Steve Jones: Ständig müde und schlapp

"Ich will hier nicht jemanden auf die Zehen treten", sagte Parry, "aber es ist ein offenes Geheimnis auf der Tour." Unterstützung erhält Parry von seinem prominenten Kollegen und Landsmann Greg Norman: "Über Drogenmissbrauch wird gemunkelt, seitdem ich auf der Tour mein Geld verdiene", so der 46-Jährige, der sich seit 1975 ein Vermögen auf den Fairways dieser Welt erspielt hat. "Lasst uns damit Schluss machen und Drogentests einführen."

Steht der Professional Golfers Association (PGA) ein Drogenskandal ins Haus? Eher nicht. Dennoch taucht die Forderung nach einem Doping-Katalog derzeit verstärkt im Umfeld der Profi-Turniere auf. Neben Gerüchten um den Missbrauch von Betablockern gibt es einen ungleich handfesteren Grund: Golf soll olympisch werden, und dazu bedarf es einer Regelung der Doping-Problematik, das fordert nicht zuletzt das Internationale Olympische Komitee (IOC).

"Golf ist der sauberste Sport der Welt"


Für Norman ist die einfachste Lösung die beste: "Golf ist der sauberste Sport der Welt. Würden die besten Spieler heute getestet, wären sie alle negativ." Alle? Zwei erfolgreiche Profigolfer haben sich bereits zu Wort gemeldet und zugegeben, dass sie Betablocker benutzen beziehungsweise benutzt haben.

Der dreifache Majorsieger Nick Price, 44, hat zwischen 1984 und 1989 Betablocker gegen seinen genetisch veranlagten Bluthochdruck verschrieben bekommen. Seiner Meinung nach haben die Pillen seinem Golfspiel mehr geschadet als genutzt. Unter dem Einfluss der Medizin hätte er allenfalls 60 Prozent seines Könnens abrufen können. "Man müsste schon ein Mittel erfinden, dass einen bei den Abschlägen richtig in Fahrt bringt und auf dem Grün beruhigt."

Steve Jones, US Open-Sieger von 1996, ist der gleichen Meinung wie Price. Der 42-Jährige nimmt seit anderthalb Jahren Betablocker gegen seine Herzrhythmusstörungen. "Die Behauptung, dass Betablocker mir helfen würden, ist doch ein Witz. Ich bin ständig müde und fühle mich schlapp."

"Es gibt kein Drogenproblem."


Nick Price: Bekam Betablocker verschrieben zwischen 1984 und 1989
AP

Nick Price: Bekam Betablocker verschrieben zwischen 1984 und 1989

Unter Medizinern gibt es unterschiedliche Standpunkte. Während die einen sagen, Betablocker hätten keinerlei Auswirkung auf die Form eines Spielers, meinen andere, wie etwa Michael Lauer aus Cleveland: "Golfer brauchen Nerven wie Drahtseile. Da könnten Betablocker hilfreich sein, wenn man den entscheidenden Putt versenken muss."

Allerdings schränkt Lauer ein, sei das Golfspiel viel zu komplex, als dass man sich nur auf die Putts konzentrieren könnte. Für die Verantwortlichen der PGA-Tour stellt sich ein grundsätzliches Doping-Problem nicht. Direktor Tim Finchem: "Es gibt kein Drogenproblem."



© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.