Golf Kapitulation vor dem Tiger

Seit Sonntag ist Tiger Woods der jüngste Spieler, der je einen Grand Slam im Golfsport gewonnen hat. Selten zuvor hat ein Sportler seine Konkurrenten so sehr beherrscht wie der 24-jährige Kalifornier.


Tiger Woods: "Er spielt sein eigenes Turnier"
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Tiger Woods: "Er spielt sein eigenes Turnier"

St. Andrews - Selbst die Natur hisste an ehrwürdiger Stätte die weiße Flagge und ließ dem Tiger freien Lauf. Anstelle des gefürchteten Regens und der heftigen Winde bildeten Sonne und laue Lüftchen in St. Andrews den äußeren Rahmen beim neuerlichen Siegeszug des Superstars. Und als Eldrick "Tiger" Woods in der Wiege des Golfsports als jüngster Spieler aller Zeiten die British Open mit acht Schlägen Vorsprung gewonnen hatte, schockierte er die ohnehin schon chancenlose Konkurrenz mit einem Urteil über sein Spiel: "Es ist noch lange nicht so, wie es sein soll. Ich werde weiter daran arbeiten, es zu verbessern. Da sind noch Dinge, die ich steigern kann."

Nachzuvollziehen ist diese Einschätzung für seine Mitspieler kaum. Der nun schon zum sechsten Mal hinter Woods zweitplatzierte Südafrikaner Ernie Els brachte es nach der Schlussrunde auf den Punkt: "Ich spiele ein anderes Turnier. Ich spiele das reguläre Turnier und Tiger sein eigenes." Voller Respekt und Bewunderung fügt er an: "Es ist unglaublich, jemanden so viel besser spielen zu sehen als den Rest der Welt. Ich hätte hier so gut wie möglich spielen können, ich hätte dennoch nicht gewonnen." Worte eines zweimaligen US-Open-Siegers und des neuen Weltranglistenzweiten.

Auch der Anhausener Bernhard Langer, der als Elfter seine Rückkehr in die Weltspitze feierte, verneigt sich vor dem Branchenprimus. "Er spielt in einer eigenen Welt. Alle Aspekte seines Spiels sind vollkommen", sagte der zweimalige US-Masters-Champion, der zu seinen eigenen Aussichten meinte: "Ich habe noch einige Siege in mir. Auch wenn es Jahr für Jahr schwerer wird."

Für Tiger Woods ist die Mission noch lange nicht beendet, sie hat eigentlich erst begonnen. Und wie. Er ist mit 24 Jahren der jüngste von fünf Golfern überhaupt, die in ihrer Karriere alle vier Major-Turniere gewonnen haben. Die anderen waren Gene Sarazen, Ben Hogan, Gary Player und Jack Nicklaus. Jener Jack Nicklaus, der in St. Andrews bei seiner letzten British Open am Cut gescheitert war und zum Sieger meinte: "Ich hatte mein Jahrhundert, Tiger kann das 21. haben."

"Dies sind alles große Spieler, sie haben unzählige Turniere gewonnen, sie sind die besten, die dieses Spiel jemals gespielt haben. In einem Atemzug mit ihnen genannt zu werden, ist etwas ganz Besonderes", sagte Tiger Woods, der sich den Traditionen eng verbunden fühlt. Gerade deshalb sei die Vollendung des Grand-Slams in St. Andrews um so "süßer".

Nach dem jüngsten Husarenstück steht für den Ausnahmegolfer erst mal Ruhe auf dem Programm: "Ich glaube, mein Kopf und mein Körper haben sich nun eine kleine Pause verdient." Im August steht bereits der nächste Höhepunkt an. Dann will Tiger Woods auf dem Valhallakurs in Louisville/Kentucky seinen Titel bei der US-PGA-Championchip verteidigen.

Die einzige Frage zurzeit: Mit wie vielen Schlägen Vorsprung gewinnt der Tiger dieses Mal? 15 waren es bei seinem US-Open-Triumph im Juni, nun acht in St. Andrews, wobei er den British-Open-Schlagrekord des Engländers Nick Faldo (267 Schläge) nur um zwei verpasste.



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