Golf-Masters "Pitbull" Cejka zeigt die Zähne

Bei Halbzeit des ersten Majorturniers der Saison hat sich der deutsche Golfprofi Alexander Cejka in eine hervorragende Position gespielt. Nach zwei 70er-Runden liegt er als Zweiter nur zwei Schläge hinter dem Engländer Justin Rose. Auch Bernhard Langer kann mit seinem bisherigen Auftritt beim Masters in Augusta zufrieden sein.


Golfprofi Cejka in Augusta: "Wie ein Pitbull an der Wade"
REUTERS

Golfprofi Cejka in Augusta: "Wie ein Pitbull an der Wade"

Augusta - Mit 140 Schlägen liegt Cejka mit dem Spanier Jose-Maria Olazabal auf den zweiten Platz und hat den führenden Rose (138-67, 71) in Sichtweite. "Ich sehe dieses Ergebnis vor allem als gute Ausgangsbasis für die letzten beiden Runden. Gegenüber meinem ersten Masters vor acht Jahren bin ich gereift. Mir ist vor der Herausforderung nicht bange", sagte Cejka vor dem Start in die zweite Turnierhälfte. Auch Bernhard Langer rechnete sich noch Chancen auf eine Platzierung in der Spitzengruppe aus. Der europäische Ryder-Cup-Kapitän liegt mit 144 Schlägen (71+73) auf dem 14. Platz in Lauerstellung.

"Alex who?" lautete am Freitag die meistgehörte Frage an der berühmten Washington Road. Als der derzeit beste deutsche Golfprofi nach der Runde zu seiner ersten Pressekonferenz beim US Masters erschien, musste er deshalb erst einmal die Informationsdefizite der Weltpresse beheben.

"Von mir erwartet niemand etwas"

Von seiner abenteuerlichen Flucht als kleiner Junge aus der damaligen Tschechoslowakei bis hin zur Lieblingskleidung beantwortete Cejka fast eine halbe Stunde lang geduldig alle Fragen, der wichtigsten wich er allerdings aus: "Zu meinen Siegchancen möchte ich mich noch nicht äußern. Erst wenn ich am Sonntag immer noch vorne mit dabei bin, werde ich mich gedanklich mit dem grünen Jackett beschäftigen." In einem Interview mit Premiere gestand Cejka, der bereits bei den letztjährigen PGA Championships mit einem vierten Rang für ein Ausrufezeichen in der Golfwelt sorgte, dass ihm die Rolle des kaum beachteten Außenseiters gut gefällt: "Von mir erwartet niemand etwas, aber ich fühle mich unheimlich wohl hier. Wenn ich aber meine Chance wittere, bin ich wie ein Pitbull, der sich in einer Wade verbissen hat."

Wie in der ersten Runde, die wegen Gewitters am Donnerstag abgebrochen werden musste und erst am Karfreitag zu Ende gespielt werden konnte, überraschte Cejka die patrons, wie die Zuschauer in Augusta genannt werden, mit großem Kampfgeist und präzisen Schlägen. Sein gestiegene Selbstvertrauen ("Ich fühle mich derzeit gesundheitlich wie mental obenauf") zeigte sich spätestens am neunten Loch, als er die weiße Kugel aus knapp zehn Metern im hohen Bogen ins Loch chippte. Als Lohn gab's ein Schulterklopfen seines Spielpartners Jack Nicklaus und ein Extralob von Bernhard Langer: "Alex hat pünktlich zum Masters seine Bestform gefunden. Wenn er an den letzten beiden Tagen weiterhin die Fairways trifft und sein Putter heiß wird, ist alles drin."

Langer zeigt Emotionen

Langer bekam die neue Stärke des potenziellen Team-Mitglieds im Übrigen am eigenen Leib zu spüren. "Wir haben in den letzten Wochen im Training ein paar Mal um ein Getränk gespielt. Alex ist sicher drei oder vier Drinks vorne."

Langer selbst wartete am Karfreitag ebenfalls mit einer grundsoliden Runde auf. Den Sprung nach ganz vorne verdarben dem 46-Jährigen drei denkbar knapp verpasste Putts an den Löchern elf, zwölf und 17. Als der Ball am vorletzten Loch nach einem Zehnmeter-Putt quasi auf der Lochkante liegen blieb, zeigte Langer erstmals im Turnierverlauf Emotionen und warf seinen Schläger auf den Boden. Trotzdem überwog am Ende die Hoffnung: "Sechs Schläge Rückstand beim Masters sind okay. An den letzten beiden Tagen werden die Karten neu gemischt."

Golflegende Palmer: "Ich werde euch vermissen"
REUTERS

Golflegende Palmer: "Ich werde euch vermissen"

Eine Reihe von Mitfavoriten hoffen ebenfalls auf eine gute zweite Turnierhälfte und Bewegung am berüchtigten moving day, wie die dritte Runde eines Golfturniers ebenfalls genannt wird. Phil Mickelson (USA/141 Schläge), Ernie Els (Südafrika/142) und Davis Love III (USA/142) dürften spätestens am Sonntag zum Angriff blasen, sogar der zunächst katastrophal gestartete Tiger Woods schöpfte nach einer 69er-Runde mit sechs Schlägen Rückstand (75+69) wieder Hoffnung: "Manche haben mich zu früh abgeschrieben. Nur zur Information: Ich bin noch dabei."

Der König verbeugt sich

Ausgeschieden ist dagegen Titelverteidiger Mike Weir aus Kanada, der nach Runden von 79 und 70 Schlägen, den Cut (+4) um einen Schlag verpasste. Zu den prominenten Opfern zählten auch Darren Clarke (Nordirland), John Daly (USA), Jack Nicklaus (USA), Colin Montgomerie (Schottland), der Vorjahreszweite Len Mattiace (USA), Nick Faldo (England), David Toms (USA), Adam Scott (Australien), Thomas Björn (Dänemark) und Gary Player (Südafrika).

Seine letzte Runde unter Wettkampfbedingungen in Augusta spielte auch die 74 Jahre alte Golf-Legende Arnold Palmer. "The King" verabschiedete sich bei seinem 50. und letzten US Masters mit einer emotionalen 84er-Runde von seinen Fans und ließ sich nach dem letzten Putt seiner Masters-Karriere mir erhobenen Armen in einem Golfcart zur Kabine fahren. Im anschließenden Fernsehinterview schämte sich der Publikumsliebling seiner Tränen nicht: "Ich habe an diesem Wochenende so oft das Wort 'Danke' von meinen Fans gehört. Dabei müsste es andersherum sein. Ich werde euch alle vermissen."



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