Golf Mickelson siegt in einem "wilden" Stechen

Erst am dritten Extraloch konnte sich Phil Mickelson beim Turnier in La Jolla durchsetzen. Bizarrerweise reichte ein Doppelbogey, um den Siegerscheck von 1,3 Millionen Mark einzufahren.


Phil Mickelson: "Oh nein!"
AP

Phil Mickelson: "Oh nein!"

La Jolla - Mit rund 60.000 Mark auf der Habenseite und Platz 25 beendete Golfprofi Bernhard Langer das mit 3,5 Millionen Dollar dotierte US-Turnier im kalifornischen La Jolla. Der 43-Jährige benötigte auf dem Par-72-Kurs insgesamt 277 Schläge (71+69+67+70) und vergab dabei am Schlusstag durch Bogeys am 16. und 18. Loch eine Top-15-Platzierung sowie eine weitaus höhere Prämie.

Ein bizarres Stechen


Mit dem Kampf um den Sieg hatte der zweimalige US-Masters-Gewinner allerdings nie etwas zu tun. Die Entscheidung fiel in einem spannenden Stechen mit drei schlaggleichen Spielern (alle 269). Zunächst verabschiedete sich Pebble-Beach-Gewinner Davis Love III am zweiten Extra-Loch, dann spitzte sich die Lage auf bizarre Weise zu. Am dritten Play-off-Loch ging es zu wie an einem zünftigen Mittwochsturnier in einem deutschen Club. Sowohl Vorjahressieger Phil Mickelson als auch US-Landsmann Frank Lickliter benötigten jeweils drei Abschläge.

Beide hatten zunächst ihre Drives nach links in eine Schlucht verzogen und mussten provisorische Bälle nachspielen. Lickliter fand seinen Ball, der unspielbar war, und musste ein drittes Mal an die Teebox. Mickelson gab seinen ersten Ball auf, doch ein Zuschauer fand ihn im Gestrüpp, so dass er gespielt werden musste. Weil er ebenso wie Lickliters Ball unspielbar war, folgte Mickelson seinem Spielpartner zu einem weiteren Abschlag.

"Bitte spuckt den Ball wieder aus!"


Lickliter hatte danach die bessere Ausgangsposition, denn Mickelson verzog seinen Drive erneut, doch das Gebet des Linkshänders an die Bäume - "Oh nein, bitte spuckt den Ball wieder aus!" - wurde gehört, denn sein Ball prallte wie durch ein Wunder ab und landete am Rand der Spielbahn. Beide Kontrahenten lagen somit mit drei Schlägen gleichauf. Doch wer geglaubt hatte, die wild gestreuten Abschläge wären das Ende dieses bizarren Schauspiels, sah sich getäuscht.

Phil Mickelson, Frank Lickliter: "Im Augenblick stehe ich unter Schock"
REUTERS

Phil Mickelson, Frank Lickliter: "Im Augenblick stehe ich unter Schock"

Lickliter legte seinen vierten Schlag vier Meter neben die Fahnen und sah wie der sichere Sieger aus, denn Mickelson hatte einen schwierigen Neun-Meter-Putt vor sich. Der Titelverteidiger benötigte erwartungsgemäß zwei Putts, um mit einem Doppelbogey das Loch zu beenden. Lickliter jedoch, dem in 158 Versuchen stets verwehrt gewesen war, ein PGA-Turnier zu gewinnen, büßte die Chance seines Lebens auf dem Grün ein. Drei Putts brauchte er, um das Loch abzuschließen: Triplebogey - Lickliter war den Tränen nah.

"Eine verdammt bittere Pille"


Mit gebrochener Stimme berichtete er anschließend von seinem Missgeschick: "Im Augenblick stehe ich unter Schock, das ist eine verdammt bittere Pille, die ich schlucken muss", so Lickliter. Für den Sieg kassierte Mickelson rund 1,3 Millionen Mark. Lickliter und Love mussten sich mit jeweils 650.000 Mark trösten.

Als Vierter mit 271 Schlägen beendete der Weltranglistenerste Tiger Woods (USA) das Turnier. Für den 25-Jährigen war es bereits das achte Turnier in Folge ohne Sieg. "Mir fehlt nicht mehr viel. Ich bin zufrieden, wie es schrittweise vorangeht. Ich hoffe, mein Spiel ist Anfang April da, wo es sein soll", sagte Woods, der immerhin noch rund 350.000 Mark erhielt, in Anspielung auf das US Masters in Augusta (5. bis 8. April).



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