Golf Olazábals triumphale Auferstehung

Vor drei Jahren wäre er fast im Rollstuhl gelandet, gestern holte sich der Spanier José Maria Olazábal seinen zweiten Masters-Titel. Einen großen Anteil an seiner Wiedergenesung hat Bayern Münchens Mannschaftsarzt Dr. Müller-Wohlfahrt. "Ein Teil des Sieges gehört ihm", so Olazábal.


Augusta - Der Spanier José Maria Olazábal hat nach 1994 zum zweiten Mal das mit 2,7 Millionen Dollar dotierte US Masters der Profigolfer in Augusta gewonnen. Der 33jährige Ryder Cup-Spieler benötigte für die vier Runden auf dem Par-72-Kurs in Georgia 280 Schläge (70+66+73+71) und lag damit nach vier Runden um zwei Schläge besser als der US-Amerikaner Davis Love III, der mit 282 Schlägen (69+72+70+71) den Australier Greg Norman (283-71+68+71+73) auf den dritten Platz verwies. Der einzige Deutsche im Teilnehmerfeld, Bernhard Langer (Anhausen), spielte am Schlußtag eine 73er Runde und kam mit 287 Schlägen (76+66+72+73) auf einen hervorragenden 11. Platz. Olazábal ist damit der 11. Sieger aus Europa in den letzten 20 Jahren in Augusta.

Befreiungsschlag: Masters-Sieger Olazábal im Bunker
REUTERS

Befreiungsschlag: Masters-Sieger Olazábal im Bunker

Olazábal, der vor drei Jahren den absoluten Tiefpunkt seiner Karriere erlebte, als er wegen rheumatischer Arthritis fast im Rollstuhl gelandet wäre, gelang der "Schlag des Tages" als er am 16. Loch (Par 3) seinen Abschlag einen Meter neben das Loch schlug und zum Birdie abschloß. Mit zwei sicheren Pars an den letzten beiden Löchern brachte er seinen Vorsprung von zwei Schlägen ins Clubhaus. Bei seiner Siegerrede hatte der Spanier Tränen in den Augen. Er dankte unter anderen auch dem Mannschaftsarzt von Bayern München, Dr. Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, der ihn mit einer speziellen Spritzkur 1996 wieder auf die Füße brachte. "Ohne ihn wäre ich nicht hier. Ein Teil dieses Sieges gehört ihm", sagte Olazabal, bevor er das legendäre grüne Jackett von Vorjahressieger Mark O'Meara (USA) überreicht bekam. Es war das gleiche Kleidungsstück wie vor fünf Jahren, als er zum ersten Male das Masters gewann. "Mein Name ist falsch geschrieben wie 1994. 'Olazebal' statt Olazabal'", erkannte Olazabal das begehrte Stück sofort wieder.

"Er ist ein verdienter Champion", gratulierte der Australier Greg Norman, der einmal mehr von den "Dämonen" des Masters-Turnier eingeholt wurde. Wie vor drei Jahren, als er in der Schlußrunde sechs Schläge Vorsprung auf Nick Faldo verspielte, zerliefen seine Siegchancen an den letzten sechs Löchern. Zwar übernahm der "weiße Hai" am 13. Loch (Par 5) mit einem Eagle kurzzeitig die Führung, doch mit Bogeys am 15. und 16. Loch verspielte er den Sieg und wurde sogar noch von Davis Love III abgefangen.

Bernhard Langer durfte mit seiner Vorstellung und seinem 11. Platz zufrieden sein: "Nach meinen anfänglichen Problemen mit meinem Schwung konnte ich mit dieser Plazierung kaum rechnen. Ich habe rechtzeitig noch meine Form wiedergefunden." Nach neun Löchern in der letzten Runde lag der Schwabe mit drei Schlägen Rückstand sogar noch in Tuchfühlung mit Olazábal. "Ich habe versucht, so aggressiv wie möglich zu spielen, aber in entscheidenden Situationen hat mir das nichts gebracht", so der 41jährige, der mit seinem Ergebnis 92.000 Dollar verdiente und immerhin so aufstrebende Größen wie Tiger Woods, Justin Leonard, Vijay Singh oder Ernie Els auf die Plätze verweisen konnte. Der als Favorit in das Turnier gegangene Weltranglisten-Erste David Duval mußte sich mit einem sechsten Platz zufrieden geben.



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