Golfspieler Harold Varner III Vom Jäger zum Sammler

Brooks Koepka feierte bei der PGA Championship einen Start-Ziel-Sieg. Kurz sah es so aus, als könne ihm Harold Varner III gefährlich werden - dann erlebte der Außenseiter einen spektakulären Einbruch. Er nahm's mit Humor.

Harold Varner III
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Harold Varner III

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Es war eine Szene, die jeder Hobbygolfer kennt. Der Ball ist wieder ganz woanders hingeflogen, als man geplant hatte. Statt auf dem schön kurz gemähten Fairway zu landen, zischt er jenseits der Bahn in die Bäume.

Harold Varner III ist alles andere als ein Hobbygolfer, der 28-jährige US-Amerikaner verdient mit dem Sport gutes Geld, aber durchlebte am Sonntag Qualen, die dieser Sport neben allen Freuden bereithält. "Das war verrückt, aber sowas passiert nun mal", sagte Varner nach einem spektakulären sportlichen Einbruch.

Bei der PGA Championship, einem der vier größten Turniere der Welt, treten die Besten der Besten an, um den Wanderpokal, die Wanamaker Trophy, zu gewinnen - und um sich einen großen Teil der elf Millionen Dollar Preisgeld zu sichern. Der Sieger, Brooks Koepka, verdiente allein 1,9 Millionen Dollar. Varner war zum zweiten Mal in seiner Karriere dabei. "Ich war super aufgeregt, Mann!", sagte er Golf.com, "das war eine Riesengelegenheit für mich."

Brooks Keopka zeigt an, wo der Ball von Harold Varner III hinfliegt
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Brooks Keopka zeigt an, wo der Ball von Harold Varner III hinfliegt

Der 1,75 Meter große Varner hatte zuvor keinen besonderen Eindruck auf der Profitour hinterlassen. Früh von seinem Vater Harold Junior für den Sport begeistert, jobbte Varner in seiner Jugend in North Carolina als Caddy, um möglichst oft auf dem Platz sein zu können.

Es folgte eine gute College-Karriere, 2012 wurde er Berufsgolfer. Einen Titel in Australien konnte Varner gewinnen, auf der PGA-Tour reichten seine Ergebnisse immerhin, um Jahr für Jahr die Teilnahmeerlaubnis zu bekommen - und immerhin noch 4,3 Millionen Dollar Karrierepreisgeld (rund 3,8 Millionen Euro) zu erspielen.

Vor dem zweiten Majorturnier des Jahres gehörte Varner also nicht zu den Favoriten. Den Sieg bei der PGA Championship, so dachte man ab dem ersten Turniertag auf dem berüchtigt schweren Platz Bethpage Black in der Nähe von New York, könne Brooks Koepka ohnehin niemand mehr streitig machen. Der muskelbepackte US-Amerikaner spielte die ersten Runden fehlerlos, mit langen, präzisen Schlägen.

Acht Schläge trennten Koepka und Varner nach dem ersten Tag. Dann arbeitete sich Varner durch zwei 67er-Runden im Spielerfeld nach vorne, aber Koepka leistete sich kaum Fehler, vor dem Schlusstag betrug seine Führung auf den inzwischen zweitplatzierten Varner noch immer sieben Schläge. Ein Rekord von Koepka.

Gemeinsam mit dem Führenden ging Varner bei deutlich schwierigeren Bedingungen auf die Runde, Windböen machten den Profis das Leben schwer. Auf der ersten Bahn spielte Varner noch Birdie, einen Schlag unter Par, sein Kontrahent hingegen Bogie, einen Schlag über Par. Innerhalb einer Bahn war der Vorsprung von sieben auf fünf Schläge zusammengeschmolzen. 17 Bahnen waren noch zu spielen. Sollte es nochmal spannend werden? Sollte es nicht.

Varner gelang - nach Profimaßstäben - nichts mehr. Nach einem Par auf dem zweiten Loch spielte er auf der kurzen Bahn 3 ein Doppelbogey. Es folgte eine Bahn, die regulär mit fünf Schlägen zu bewältigen sein soll. Für die Profis oft die beste Chance, Schläge einzusparen. Doch Varner landete erst im hohen Gras, das Bälle kaum mehr hergibt, wenn es sie einmal verschluckt hat.

Mit Gewalt hackte er den Ball heraus, landete aber direkt in einem kleinen Wäldchen. Es folgte eine Suche nach dem im Unterholz verschluckten Ball, die jeder Normalo-Golfer von seinen Wochenendrunden kennt. Varner war vom Favoritenjäger zum (glücklosen) Bällesammler geworden. Koepka schien Mitleid zu haben und half seinem Spielpartner, doch nach drei Minuten, als das Zeitlimit für die Suche erreicht war, hatte Varner seinen Ball immer noch nicht gefunden. Strafschlag, wieder zwei Schläge über Par für das Loch.

Der Traum vom Titel war längst vorbei. Varner purzelte aus den Top 10, aus den Top 20, aus den Top 30. Am Ende unterschrieb er eine 81er-Runde, der schlechteste Score aller verbliebener 82 Spieler.

Koepka musste zwar auch kurzzeitig zittern, weil sein Kumpel Dustin Johnson immer weiter aufholte, gewann aber mit zwei Schlägen Vorsprung. Varner wurde am Ende geteilter 36., gleichbedeutend mit 48.200 Dollar Preisgeld. Ein Trostpflaster für Varner. "Ich hatte trotz allem eine gute Zeit. Und darum geht es. Und ich kann es gar nicht erwarten, zurück zu kommen."

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Jetzt_mal_ernsthaft 20.05.2019
1. Golf
... ist ein ganz übles Spiel. Kann nur jedem raten niemals damit anzufangen...
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