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Fotostrecke: Der Dauerläufer

Foto: Harald Tittel/ dpa

Leichtathletik-Star Gebrselassie Lief bei ihm

Er ist eine Legende der Leichtathletik: Haile Gebrselassie hat seine beispiellose Lauf-Karriere nach mehr als 20 Jahren in der Weltspitze beendet. In seiner Heimat Äthiopien kann er jetzt eigentlich nur noch Präsident werden.

Allein der Name. Haile Gebrselassie, das hat schon einen gewissen Schritt-Rhythmus, dazu könnte man schon laufen. Er konnte dazu laufen, besser und schneller als alle anderen. Mit 42 Jahren hat Haile Gebrselassie jetzt endgültig mit dem Wettkampfsport Schluss gemacht, am Sonntag ist der Äthiopier in Manchester das letzte Mal auf eine Langstrecke gegangen.

Eine der wenigen verbliebenen Legenden, die die Leichtathletik noch hatte, hat aufgehört. Es bleibt jetzt nur noch Usain Bolt.

Er war der Mann, der lächelte. Auch nach 35, 40 anstrengenden Marathon-Kilometern tauchte auf seinem Gesicht dieses geheimnisvolle Lächeln auf, von dem man nie genau wusste: Ist es ein Lächeln der Siegessicherheit, die Vorfreude, gleich mit der entscheidenden Tempoverschärfung die Konkurrenz zu düpieren, oder ist es einfach der Spaß, der Spaß am Laufen? Was bei ihm auch immer Spaß am Gewinnen bedeutete.

Gebrselassie hat so viel gewonnen, 1993 bei der WM in Stuttgart lief er über 10.000 Meter erstmals zu Gold, da war er 20 Jahre jung. In Atlanta 1996, in Sydney 2000 war über die Langstrecke keiner besser als er, beides mal errang er olympisches Gold. Dann wechselte er auf die Marathonstrecke, um auch dort die Bestzeiten zu pulverisieren. In Berlin lief er 2008 zur Weltrekordzeit in damals 2:03,59 Stunden. 26 Weltrekorde hat Gebrselassie gebrochen, manche davon waren seine eigenen Bestmarken.

"Mein Körper muss schwitzen"

"Ich muss einfach laufen, mein Körper muss schwitzen", hat er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" in einem Interview vor drei Jahren gesagt. Kurz zuvor hatte er schon einmal seinen Rücktritt vom Wettkampfsport erklärt. Und schnell gemerkt, dass er damals noch nicht bereit war aufzuhören. "Ich kann nicht einfach so zum Spaß laufen, ich brauche Wettkämpfe." Künftig muss er es doch probieren: nur so zum Spaß zu laufen.

Es gehört zum Klischee der afrikanischen Langstreckler aus Kenia oder aus Äthiopien, dass sie das Laufen schon als Kind erlernen mussten, weil sie in jungen Jahren kilometerweite Entfernungen zur Schule zurücklegen mussten. Bei Gebrselassie war es tatsächlich so. Seine Laufbahn ist auch deswegen so legendär, weil sie die Geschichte eines armen Bauernsohns erzählt, der zu einem der reichsten Männer seines Landes wurde. Und dies nur seinem Laufen verdankt.

Er war das achte von zehn Kindern, geboren im äthiopischen Hochland, und jeden Tag brachte der kleine Haile zehn Kilometer Schulweg hinter sich. Morgens zehn, nachmittags zehn. Gehend, laufend. Und die Legende will es, dass sich damals sein eigentümlicher leicht krummer Laufstil herausbildete, den linken Armen etwas hängenlassend. Den Arm, mit dem er als Kind die Schulbücher trug.

Gebrselassie ist heute einer der reichsten Äthiopier

Warum die Äthiopier immer und immer wieder so gute Läufer hervorgebracht haben? Gebrselassie sagt: "Alle guten Läufer kommen vom Land, weil Laufen dort einfach zum Leben dazugehört." Wenn er jetzt durch die Hauptstadt Addis Abeba seine Runden dreht, dann sieht er sonst niemanden, der sich noch so abquält: "In der Stadt nehmen die Menschen Bus oder das Taxi. So wird man kein guter Läufer."

Heute ist Gebrselassie ein gemachter Mann, er besitzt in der Heimat Häuser, Fitnessstudios, ein Luxushotel, ein Kino, eine Kaffeeplantage, er hatte vor Jahren den Handel mit einer japanischen Automarke nach Äthiopien unter sich, "ich weiß gar nicht, wie viele Immobilien ich besitze", hat er mal eher achselzuckend festgestellt. Es gibt nicht viele, die die Leichtathletik richtig reich gemacht hat. Gebrselassie gehört dazu.

Um Sport und Business unter einen Hut zu bekommen, hat er schon im Morgengrauen seine ersten Trainingseinheiten durchgezogen, zweieinhalb Stunden Laufen, 35 Kilometer mindestens jeden Morgen, danach sofort ins Büro, das Geschäft für seine mittlerweile gut 600 Angestellten organisieren, abends wieder Training, all das seit 20, 25 Jahren. Ein Tag ohne Training, das sei "wie ein Tag ohne Essen".

So extrem wird er es künftig nicht mehr treiben, aber ganz Aufhören mit dem Laufen, das wird es auch für den Pensionisten Gebrselassie nicht geben. "Ich laufe in jedem Fall weiter, es ist doch mein Leben", hat er am Sonntag gesagt. Viele in Äthiopien würden ihn gern als Präsident ihres Landes sehen, Gebrselassie hat mit Spekulationen um eine politische Laufbahn gern kokettiert, ausgeschlossen hat er sie nicht.

Ach, ja, das Lächeln. Was ist denn nun damit? Er weiß es selbst nicht: "Ich kann das gar nicht kontrollieren. Ich glaube, das ist einfach mein Charakter. Ich muss einfach lachen." Haile Gebrselassie hat aber auch allen Grund dazu.

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