Deutscher Olympiabewerber "Ab heute sind wir alle Hamburger"

Kosten, Bürgerbefragung, Segelrevier: Auf Hamburg warten dringende Aufgaben, um als Kandidat für die Olympischen Spiele 2024 eine Chance zu haben. Doch vor allem das Referendum könnte problematisch werden.
Hamburgs Innensenator Neumann: "Kosten transparent darstellen"

Hamburgs Innensenator Neumann: "Kosten transparent darstellen"

Foto: Christian Charisius/ dpa

Hamburg - Einen Tag nach der Entscheidung, sich mit Hamburg um die Austragung der Olympischen Spiele 2024 zu bewerben, fordert Bundesinnenminister Thomas de Maizière die volle Unterstützung für das Olympia-Konzept der Hansestadt. "Für Olympia sind wir ab heute alle Hamburger", sagte der CDU-Politiker: "Es gibt bei dieser Bewerbung keine Gewinner und keine Verlierer. Es geht um eine Bewerbung für Deutschland. Hamburg ist jetzt unser gemeinsamer Kandidat."

Das Präsidium des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) hatte sich am Montag im Kandidatenrennen zwischen Hamburg und Berlin gegen die Hauptstadt entschieden. Im September sollen dann die Hamburger in einem Bürgerentscheid über die Bewerbung abstimmen.

Hamburgs Innen- und Sportsenator Michael Neumann (SPD) setzt denn auch auf nationale Hilfe: "Wir werden nur erfolgreich sein, wenn wirklich ganz Deutschland hinter der Bewerbung steht." Das bedeute, auf nationaler Ebene müsse viel gesprochen werden, "damit Deutschland wirklich Ja zu Hamburg sagt".

Es sind vor allem drei Punkte, die die Hansestadt vor dem Bürgerentscheid im September klären muss:

  • Zunächst einmal muss die Stadt ihr Kostenkonzept konkretisieren. Bis jetzt ist Hamburg nur mit ungefähren Zahlen an die Öffentlichkeit gegangen. Von zwei Milliarden Euro für den Neu- und Umbau von Sportstätten ist die Rede. "Wir müssen alle Kosten ermitteln, öffentlich machen und transparent darstellen", sagte Neumann.

  • Zudem muss die Frage des Segelreviers beantwortet werden. Mit Kiel, Rostock und Lübeck sind gleich drei Städte an dem Zuschlag interessiert, wobei Kiel als Favorit gilt. Dort fanden auch die Segelwettbewerbe 1972 statt, als München Ausrichter der Spiele war.

  • Außerdem ist die Vorbereitung des Referendums eine heikle Angelegenheit und vom Zeitplan her eng gestrickt. Ob der Volksentscheid überhaupt vor dem 15. September, dem Tag der Abgabe der deutschen Bewerbung beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC), stattfinden wird, wolle er "in Ruhe" mit dem DOSB besprechen, sagte Neumann. Eines sei klar: "Das Hamburger Parlament wird sich zunächst mit einer Verfassungsänderung beschäftigen müssen, damit es zu einem Bürgerentscheid kommen kann."

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Olympiabewerber Hamburg: "Eine sehr, sehr große Ehre"

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Hamburgs Fußballidol Uwe Seeler hält Wimbledon-Sieger Michael Stich derweil für einen geeigneten Kandidaten als Gesicht der Olympia-Bewerbung. "Michael ist absolut prädestiniert dafür", sagte der ehemalige Stürmer des Hamburger SV. Er selbst komme aus Altersgründen nicht mehr als Olympia-Botschafter infrage, sagte der 78-Jährige. "Ich hoffe, ich erlebe das Fest dann noch als Zuschauer." Stich hatte am Montagabend sein Interesse bekundet und gesagt: "Ich hätte total Lust und würde mich gern einbringen."

Kritik kam nach wie vor von den Olympia-Gegnern. Sie bezweifeln, dass das IOC künftig bescheidenere Spiele durchführen will. "Das sind große Worte wie aus einer Marketingabteilung. Konkret ist das alles nicht", sagte Dirk Seifert, Sprecher des Internet-Blogs "(N)Olympia" in Hamburg: "Der Gigantismus wird weiter betrieben."

Als vertane Chance sieht er die Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbundes, schon 2024 Sommerspiele nach Deutschland holen zu wollen. Eine Bewerbung erst 2028 wäre seiner Ansicht nach sinnvoller gewesen. "Aber der Druck aus der Wirtschaft ist immens groß geworden", sagte Seifert.

Zusammengefasst: Für die Bewerberstadt Hamburg um die Sommerspiele 2024 beginnt jetzt die Arbeit an den Details. So muss die Stadt ihr Kostenkonzept konkretisieren, die Bürgerbefragung vorbereiten und das Segelrevier benennen.

aha/dpa/sid