Handball-Affäre Löwen-Gesellschafter nennt weitere Bestechungsdetails

Jesper Nielsen hat den Bestechungsvorwürfen gegen den THW Kiel neue Nahrung gegeben. Der Gesellschafter der Rhein-Neckar Löwen berichtet in einem Interview von neuen Details, fordert harte Strafen für Kiel und sieht den Ruf der Liga auf Jahrzehnte ruiniert. Der THW weist die Vorwürfe zurück.

Hamburg - Der Gesellschafter des Handball-Bundesligisten Rhein-Neckar Löwen, Jesper Nielsen, hat die vom SPIEGEL im März aufgedeckten Manipulationsvorwürfe gegen die ehemaligen Kieler Handballgrößen Uwe Schwenker und Zvonimir Serdarusic bestätigt und weitere Details genannt.

Zwei Tage vor dem möglichen 15. Meistertitel des THW schilderte der 39-Jährige der "Hamburger Morgenpost" Gespräche mit dem Hauptbeschuldigten und zurückgetretenen THW-Manager Schwenker sowie dem ehemaligen THW-Trainer Serdarusic. Beide hätten Nielsen gegenüber Bestechungen eingeräumt. Serdarusic habe auch die Absicht gehabt, nach seiner Entlassung 2008 Schwenker "aus Rache" mit belastenden Kontoauszügen zu erpressen. Das Ausmaß der Manipulation sei sehr hoch: 22 von 25 internationalen Schiedsrichter-Duos seien käuflich, will Nielsen von Serdarusic erfahren haben.

Der THW wies alle Vorwürfe Nielsens in einer von Rechtsanwalt Stefan Purrucker gezeichneten Pressemitteilung zurück. Man gehe davon aus, dass die von Herrn Nielsen erhobenen Vorwürfe inhaltlich falsch und sachlich unbegründet seien. "Es liegen abweichende und gegenteilige Angaben beteiligter Dritter vor", heißt es. Da Nielsens Äußerungen "in zahlreichen Punkten" zudem von eigenen früheren Aussagen vor den Ermittlungsbehörden und dem Amtsgericht Kiel abwichen, werde der THW beim Landgericht Kiel Anzeige gegen Nielsen wegen des Verdachts "einer falschen uneidlichen Aussage" erstatten.

Nielsen will am Rande des WM-Finals am 31. Januar in Zagreb von Schwenker über die Bestechung informiert worden sein. Auch THW-Gesellschafter Hubertus Grote, Geschäftsführer der "Kieler Nachrichten", habe davon gewusst. Grote hat als Reaktion bisher auf die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft verwiesen: "Das ist doch das beste, was uns passieren kann."

Begründet habe Schwenker die Manipulation damit, dass "man nur so die Champions-League gewinnt". Belege für die Schiedsrichterbestechungen will Nielsen indes im Gespräch mit Serdarusic und dessen Ehefrau gesehen haben. Der 58-jährige Kroate hatte bereits einen Dreijahres-Vertrag bei den Löwen unterzeichnet, der kurz darauf aufgelöst worden war.

Zwar glaubt Nielsen nicht, dass der THW auch in der Bundesliga bestochen habe, Serdarusic habe ihm aber gesagt, dass "international 22 von 25 Schiedsrichtergespannen für Bestechungsgelder empfänglich" seien. Als Konsequenz aus der Manipulationsaffäre fordert Nielsen harte Strafen für den Konkurrenten, dessen Ruf "auf 20 Jahre ruiniert" sei. So müsse der THW mit einer internationalen Sperre für drei Jahre und einem Punktabzug von 20 Zählern für die nächste Bundesliga-Saison bestraft werden. Der Geschäftsführer der Löwen, Thorsten Storm, sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa am Freitag, bei den geforderten Strafen handle es sich "um Nielsens persönliche Meinung, nicht den Standpunkt der Rhein-Neckar Löwen. Wir können niemanden bestrafen."

Details aus dem Gespräch mit Serdarusic, bei dem auch Storm anwesend gewesen sein soll, nannte er nicht. Bei dem Treffen sollten "Aussagen und Gerüchte" geprüft werden, um zu entscheiden, ob das Arbeitsverhältnis mit dem neuen Trainer angetreten werden könne. "Für die Rhein-Neckar Löwen war die Angelegenheit erledigt, nachdem uns Noka Serdarusic gewisse Dinge bestätigt hatte und wir den Vertrag mit ihm aufgelöst hatten", sagte Storm, der sich um den Ruf seiner Sportart sorgt. "Man muss aufpassen, dass wir damit unsere sportlichen Leistungen nicht wieder mit dem Arsch umschubsen. Das passiert nämlich gerade."

goe/dpa/sid
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