Handball-Affäre Löwen-Gesellschafter nennt weitere Bestechungsdetails

Jesper Nielsen hat den Bestechungsvorwürfen gegen den THW Kiel neue Nahrung gegeben. Der Gesellschafter der Rhein-Neckar Löwen berichtet in einem Interview von neuen Details, fordert harte Strafen für Kiel und sieht den Ruf der Liga auf Jahrzehnte ruiniert. Der THW weist die Vorwürfe zurück.


Hamburg - Der Gesellschafter des Handball-Bundesligisten Rhein-Neckar Löwen, Jesper Nielsen, hat die vom SPIEGEL im März aufgedeckten Manipulationsvorwürfe gegen die ehemaligen Kieler Handballgrößen Uwe Schwenker und Zvonimir Serdarusic bestätigt und weitere Details genannt.

Spielszene aus dem Champions-League-Finale 2007: Motiv Rache?
Getty Images

Spielszene aus dem Champions-League-Finale 2007: Motiv Rache?

Zwei Tage vor dem möglichen 15. Meistertitel des THW schilderte der 39-Jährige der "Hamburger Morgenpost" Gespräche mit dem Hauptbeschuldigten und zurückgetretenen THW-Manager Schwenker sowie dem ehemaligen THW-Trainer Serdarusic. Beide hätten Nielsen gegenüber Bestechungen eingeräumt. Serdarusic habe auch die Absicht gehabt, nach seiner Entlassung 2008 Schwenker "aus Rache" mit belastenden Kontoauszügen zu erpressen. Das Ausmaß der Manipulation sei sehr hoch: 22 von 25 internationalen Schiedsrichter-Duos seien käuflich, will Nielsen von Serdarusic erfahren haben.

Der THW wies alle Vorwürfe Nielsens in einer von Rechtsanwalt Stefan Purrucker gezeichneten Pressemitteilung zurück. Man gehe davon aus, dass die von Herrn Nielsen erhobenen Vorwürfe inhaltlich falsch und sachlich unbegründet seien. "Es liegen abweichende und gegenteilige Angaben beteiligter Dritter vor", heißt es. Da Nielsens Äußerungen "in zahlreichen Punkten" zudem von eigenen früheren Aussagen vor den Ermittlungsbehörden und dem Amtsgericht Kiel abwichen, werde der THW beim Landgericht Kiel Anzeige gegen Nielsen wegen des Verdachts "einer falschen uneidlichen Aussage" erstatten.

Nielsen will am Rande des WM-Finals am 31. Januar in Zagreb von Schwenker über die Bestechung informiert worden sein. Auch THW-Gesellschafter Hubertus Grote, Geschäftsführer der "Kieler Nachrichten", habe davon gewusst. Grote hat als Reaktion bisher auf die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft verwiesen: "Das ist doch das beste, was uns passieren kann."

Begründet habe Schwenker die Manipulation damit, dass "man nur so die Champions-League gewinnt". Belege für die Schiedsrichterbestechungen will Nielsen indes im Gespräch mit Serdarusic und dessen Ehefrau gesehen haben. Der 58-jährige Kroate hatte bereits einen Dreijahres-Vertrag bei den Löwen unterzeichnet, der kurz darauf aufgelöst worden war.

Zwar glaubt Nielsen nicht, dass der THW auch in der Bundesliga bestochen habe, Serdarusic habe ihm aber gesagt, dass "international 22 von 25 Schiedsrichtergespannen für Bestechungsgelder empfänglich" seien. Als Konsequenz aus der Manipulationsaffäre fordert Nielsen harte Strafen für den Konkurrenten, dessen Ruf "auf 20 Jahre ruiniert" sei. So müsse der THW mit einer internationalen Sperre für drei Jahre und einem Punktabzug von 20 Zählern für die nächste Bundesliga-Saison bestraft werden. Der Geschäftsführer der Löwen, Thorsten Storm, sagte der Deutschen Presse-Agentur dpa am Freitag, bei den geforderten Strafen handle es sich "um Nielsens persönliche Meinung, nicht den Standpunkt der Rhein-Neckar Löwen. Wir können niemanden bestrafen."

Details aus dem Gespräch mit Serdarusic, bei dem auch Storm anwesend gewesen sein soll, nannte er nicht. Bei dem Treffen sollten "Aussagen und Gerüchte" geprüft werden, um zu entscheiden, ob das Arbeitsverhältnis mit dem neuen Trainer angetreten werden könne. "Für die Rhein-Neckar Löwen war die Angelegenheit erledigt, nachdem uns Noka Serdarusic gewisse Dinge bestätigt hatte und wir den Vertrag mit ihm aufgelöst hatten", sagte Storm, der sich um den Ruf seiner Sportart sorgt. "Man muss aufpassen, dass wir damit unsere sportlichen Leistungen nicht wieder mit dem Arsch umschubsen. Das passiert nämlich gerade."

goe/dpa/sid



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BillBrook 14.03.2009
1.
Zitat von sysopDer THW Kiel soll in zehn Champions-League-Partien bestochen haben, ein deutsches Schiedsrichtergespann mit 50.000 Dollar geschmiert worden sein. Einzelfälle, oder ist der Handball korrupt?
"Der THW Kiel *}soll*" Einzelfälle? Bevor man diese Frage stellt, sollte man abwarten, ob es diese "Einzelfälle" überhaupt gibt.
Josef Ritter, 14.03.2009
2.
Zitat von sysopDer THW Kiel soll in zehn Champions-League-Partien bestochen haben, ein deutsches Schiedsrichtergespann mit 50.000 Dollar geschmiert worden sein. Einzelfälle, oder ist der Handball korrupt?
Ja klar. Deutschland ist längst eine Bananenrepublik. Da geht offensichtlich alles. Herr Zumwinkel bekommt seine Pensionsansprüche ausbezahlt. Am Montag stelle ich auch so einen Antrag. Wenn das Geld da ist bin ich binnen 1 Monat weg. Darauf gebe ich mein persönliches Ehrenwort (Spruch ist geklaut, ich weiss).
Anton 100 14.03.2009
3. Was und wem nützt "Sportgerichtsbarkeit"?
Es ist ein Jammer zu sehen, wie viele Sportarten korrupt sind. Handball ist ja nur ein Beispiel - unter zahllosen anderen. Besonders traurig für alle, die Kinder haben, denen Sport ein Vorbild sein könnte. Bei den gewaltigen Umsätzen, die in sog. Zuschauersportarten über Fernsehen und Merchandising heute verdient werden, ist die Korruptionsanfälligkeit auch gar kein Wunder: Zuerst "Leistungsaufbau" durch Doping, dann "Leistungsabsicherung" durch Schmiergeld. Und dies bei Sportunternehmen, die inzwischen die ausgefuchstesten juristischen Gesellschaftsformen nutzten wie die GmbH & Co KG oder Mischformen davon mit Aktiengesellschaften. Bei solchen Delikten, bei derart hohen Geldbeträgen und geldähnlichen Werten, die da umgewälzt werden, ist es ein Hohn, vom Sport wirksame Selbstkontrolle zu erwarten und zu glauben, die staatsferne Sportgerichtsbarkeit, d.h. der Selbstrichterverein der zumindest indirekt Betroffenen, könne das lösen. Wer ist wie ich für eine lückenlose Verlagerung der Sportdelikte in die ordentliche Gerichtsbarkeit? Es ist verantwortungslos vom Staat, da noch länger wegzuschauen. Und die Kosten, die dabei entstehen, sind durch Abschöpfen der "Sportgewinne" leicht hereinzuholen.
ebbeflut 14.03.2009
4.
Da kommt man doch vor Lachen heute Abend kaum in den Schlaf..natürlich hätten die Herren, wären sie denn mit dem Geld durch den Zoll gekommen, letzteres dem DRK oder der Kindernothilfe oder.oder...gespendet. Bitte: diese Herren bitte auf Lebenszeit disqualifizieren
Koltschak 14.03.2009
5. Klar nee!!!
50.000$ in der Tasche! Und keiner weiß wo die herkommen. Erinnert mich an einen Uraltwitz! Der Wilderer streift durch die Gegend, ein Reh auf der Schulter! Plötzlich kommt der Jäger: "Was haben Sie denn da auf der Schulter?" Der Wilderer guckt sich überrascht um: "Igitt!!!!! Ein Reh!!!"
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