Handball-Bundesliga Skandalspiel vor Weltrekordkulisse

Der SC Magdeburg kann sich weiter Hoffnungen auf den Titelgewinn in der Handball-Bundesliga machen. Beim Auswärtssieg in der mit 19.154 Zuschauern ausverkauften Kölnarena sah es lange Zeit nach einem Erfolg des Rekordmeisters VfL Gummersbach aus, bevor es zu einem Eklat kam.


Blickrichtung Tabellenführung: Stefan Kretzschmar trifft zum 30:30 gegen Gummersbachs Keeper Steinar Ege
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Blickrichtung Tabellenführung: Stefan Kretzschmar trifft zum 30:30 gegen Gummersbachs Keeper Steinar Ege

Köln - Vor der Weltrekord-Kulisse von 19.154 Zuschauern für Vereinsspiele hat der SC Magdeburg in der Kölnarena seine Titelambitionen untermauert. Mit dem 34:33-Sieg beim VfL Gummersbach brach der Champions-League-Sieger von 2002 gleichzeitig den Köln-Nimbus des Rekordmeisters.


"So sind die Bayern jahrelang Meister geworden. Am Dienstag können wir mit einem Sieg über Flensburg nach Minuspunkten Tabellenführer werden", zeigte sich Magdeburgs Stefan Kretzschmar zuversichtlich, "das wäre aus psychologischer Sicht wichtig". Der "ewige" Bundesliga-Zweite Flensburg (29:21 gegen Stralsund) führt die Tabelle nach dem 23. Spieltag mit 38:6 Punkten vor dem TBV Lemgo (36:8 Punkte/29:23 gegen Göppingen) und Magdeburg (35:7) an, das noch ein Nachholspiel gegen die HSG Nordhorn bestreiten muss.


"Die Bank hat das Spiel mitverloren"


Punkt verschenkt: Gummersbach Kyung-Shin Yoon (l.) konnte 15 Tore erzielen, scheiterte kurz vor Schluss jedoch an Torhüter Bitter
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Punkt verschenkt: Gummersbach Kyung-Shin Yoon (l.) konnte 15 Tore erzielen, scheiterte kurz vor Schluss jedoch an Torhüter Bitter

Der von Weltklassespieler Kyung-Shin Yoon angeführte Rekordmeister Gummersbach sah vor der imposanten Kulisse nach einer zwischenzeitlichen 27:23- und 29:26-Führung schon wie der sichere Sieger aus. Beim Stand von 30:28 nach 52:20 Minuten kam es allerdings zu einer Zeitstrafenorgie.


Die Schiedsrichter Bernd Andler und Harald Andler schickten Yoon für zwei Minuten vom Parkett. Der Südkoreaner lief den Unparteiischen hinterher, protestierte, weil nicht er, sondern der Franzose Francois-Xavier Houlet der Sünder war, bekam dafür noch einmal zwei Minuten aufgebrummt. Das wiederum brachte Trainer Sead Hasanefendic in Rage. Der Kroate beleidigte die Schiedsrichter lautstark und bekam ebenfalls zwei Minuten. Mit drei gegen sechs Feldspieler (Björn Ilper saß bereits auf der Bank) kippte das Spiel - Hasanefenfic war durch seine Entgleisung demnach mitschuldig an der Niederlage. "Die Bank hat das Spiel mitverloren", sagte der Gummersbacher Aufsichtsratvorsitzende Hans-Peter Krämer.


"Schiedsrichter sind nur Mittelmaß"


Deutschlands Jahrhunderthandballer Erhard Wunderlich echaufffierte sich jedoch energisch gegen die Referees. "Ihnen entglitt das Spiel wegen nichts, sie zeigten keine Größe. Die Spieler sind Vollprofis, trainieren wie die Ochsen, aber die Schiedsrichter sind nur Mittelmaß. Und diese beiden werden es bleiben", schimpfte der Weltmeister von 1978. VfL-Manager Carsten Sauer sah es ähnlich: "Wir sind ein bisschen betrogen worden."


Trotz des Eklats verschenkte Gummersbach am Ende einen sicheren Punkt. Zwölf Sekunden vor der Schlusssirene schloss Yoon zu früh ab, SCM-Keeper Johannes Bitter hielt und leitete den Tempogegenstoß ein, den Sigurdsson vollendete. Diese Niederlage könnte Gummersbach die erste Europapokal-Teilnahme seit 1992 kosten.


Saison-Aus für Europameister Pascal Hens


Für Europameister Pascal Hens ist die Saison nach einem Mittelhandbruch die Saison vorbei. Ausgerechnet gegen seinen Ex-Verein SG Wallau-Massenheim verletzte sich der 23-jährige Rückraumspieler vom Hamburger SV, als er nach einem Sprungwurf unglücklich auf die rechte Hand fiel.


Trotz des 25:23-Sieges konnte bei HSV-Coach Bob Hanning keine Freude aufkommen. "Mich interessieren die Punkte kaum. Ich würde sie für einen gesunden Pascal gerne eintauschen. Es ist bitter, dass er für das Final Four am 1./2. Mai ausgerechnet in Hamburg ausfällt", sagte der Trainer nach dem Sieg.



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