Handball Deutsches Team greift nach Gold

Auf Grund einer überragenden Defensivleistung haben die deutschen Handballer das olympische Endspiel erreicht. Die Partie gegen Titelverteidiger Russland stand nach unzähligen Fehlwürfen allerdings lange Zeit auf des Messers Schneide.


 Hungrig auf Erfolg: Kretzschmar (r.) und Schwarzer
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Hungrig auf Erfolg: Kretzschmar (r.) und Schwarzer

Athen - Deutschlands Handballer bewahrten im Endspurt kühlen Kopf und greifen 20 Jahre nach Silber 1984 in Los Angeles wieder nach olympischem Gold. Der Europameister besiegte in einem von Fehlwürfen auf beiden Seiten geprägten Halbfinale Russland mit 21:15 (9:10). Noch nie zuvor hatte es in einem olympischen Halbfinale weniger Treffer gegeben. Im Finale trifft der Europameister am Sonntag (15.45 Uhr MESZ) auf Weltmeister Kroatien. Der Olympiasieger von 1996 bezwang Ungarn mit 33:31 (18:16).

Drei Tage nach dem Siebenmeterkrimi im Viertelfinale gegen Spanien (32:30) ließ die Chancenverwertung der DHB-Auswahl erneut zu wünschen übrig. Immer wieder scheiterten die deutschen Spieler an dem ehemaligen Östringer Bundesligalegionär Andrej Lawrow im Tor der Russen. Der 42-Jährige, der derzeit per Zeitungsinserat einen neuen Verein sucht, entnervte besonders Florian Kehrmann und Christian Schwarzer. Deutschlands Keeper Henning Fritz sorgte mit seiner erneut guten Leistung dafür, dass der zwischenzeitliche Rückstand (5:8/18.) nicht weiter wuchs.

Kreisläufer Schwarzer: "Nichts Größeres, als mit Gold abzutreten"
AFP

Kreisläufer Schwarzer: "Nichts Größeres, als mit Gold abzutreten"

Erst nach dem Wechsel besann sich Gold-Favorit Deutschland auf seine Stärken und ging trotz insgesamt vier vergebener Siebenmeter nach einem Doppelschlag von Kretzschmar erstmals in der 42. Minute (13:12) in Führung.

Besonders für die Routiniers um Schwarzer wird das Finale am Sonntag zum Höhepunkt ihrer Nationalmannschaftskarriere. "Es gibt nichts Größeres, als mit Gold von der internationalen Bühne abzutreten. Ich will diesen Titel unbedingt", erklärte der 34-jährige Schwarzer, der wie Zerbe, 35, Klaus-Dieter Petersen, 35, und Kretzschmar, 31, nach Olympia das DHB-Trikot an den Nagel hängen will.

Allerdings rechnet Kretzschmar, mit fünf Toren erfolgreichster Werfer, damit, dass Brand sie mit Blick auf die WM 2007 im eigenen Land vom Rücktritt abhalten wird. "Heiner wird das Gespräch vielleicht noch suchen", sagte der Linksaußen.

Für den Fall des Gold-Triumphes haben sich die Deutschen schon einen Gag ausgedacht. "Dann gehen wir in unseren Trikots direkt aus der Halle zur Schlussfeier", kündigte Kehrmann an. Brand indes wird wohl nicht wie beim EM-Triumph Anfang Februar seinen Schnauzbart verlieren. "Das ist kein Reiz mehr für die Jungs", sagte der Gummersbacher, schließt aber nicht aus: "Irgendwas wird schon passieren."

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