Handball Deutschland krönt Traum-WM mit Titel

Die deutschen Handballer sind Weltmeister! Vor atemberaubender Kulisse in der Kölnarena und Millionen Fans vor den TV-Geräten setzte sich die Mannschaft von Bundestrainer Heiner Brand gegen Polen durch - und holte sich nach 29 Jahren wieder den Titel.
Von Christian Gödecke und Pavo Prskalo

Köln - Angetrieben vor einem fantastischen Publikum siegten die deutschen Handballer in Köln 29:24 (17:13). Es ist der dritte WM-Titel für Deutschland nach 1938 und 1978. Zugleich qualifizierte sich die Auswahl des Deutschen Handballbundes (DHB) als erste Mannschaft direkt für die Olympischen Spiele 2008 in Peking.

"Mir fehlen die Worte, ich weiß nicht, was ich sagen soll. Ich kanns noch gar nicht fassen. Ich habe vor drei Wochen nicht für möglich gehalten, dass so etwas passieren kann. Es wird dauern, bis ich das kapiere", sagte Bundestrainer Brand, der noch Minuten nach dem Ende um Fassung rang. Ab 20.15 Uhr werden der 54-Jährige und seine Spieler auf den Balkonen des Kölner Rathauses erwartet.

Vor dem Turnier war die DHB-Auswahl krasser Außenseiter gehandelt worden. Noch in der Vorrunde hatten die Polen gegen Deutschland 27:25 gesiegt und damit für die einzige Turnierniederlage des WM-Gastgebers gesorgt. Doch im Finale sollte alles anders kommen.

Bereits zur Halbzeit lag die deutsche Mannschaft 17:13 in Führung. Die Polen wirkten überrascht von der offensiven Spielweise der Gastgeber und den 19.000 tobenden Fans auf den Tribünen. Nach neun Minuten führte Deutschland 7:3, nach einer Viertelstunde baute das Team den Vorsprung sogar auf 11:6 aus. Die Polen kamen zwei Minuten vor dem Pausenpfiff nochmal auf 12:14 ran, doch Florian Kehrmann, Torsten Jansen und Holger Glandorf erzielten binnen zwei Minuten drei Treffer.

Nach der Pause trumpfte die DHB-Auswahl auf und erhöhte schnell auf 21:14 (37. Minute). Doch der Ausfall von Torhüter Henning Fritz, der sich ohne Einwirkung eines Gegenspielers in der zweiten Halbzeit verletzte, schien das Brand-Team zu verunsichern. Für Fritz (Muskelfaserriss in der Wade) kam der zweite Keeper Johannes Bitter in die Partie, die polnische Auswahl konnte auf 21:22 verkürzen (47.). Doch zu mehr reichte es für die Mannschaft des ehemaligen deutschen Nationalspielers Bogdan Wenta nicht.

Pascal Hens ergriff die Initiative, setzte sich kraftvoll gegen die gegnerische Abwehr durch und erhöhte durch zwei Treffer wieder auf 24:22 (50.). Jansen legte zwei Treffer nach und erhöhte auf 26:22 (54.). Die Polen gaben sich geschlagen, bereits vier Minuten vor Ende erhoben sich die Fans von ihren Sitzen und feierten mit Sprechchören ihr Team und den WM-Titel.

Noch bevor die Scharfmacher von der Pressetribüne die Debatte um deutsch-polnischen Animositäten anheizen konnten, setzten die Präsidenten der beiden Nachbarstaaten ein Zeichen: Lech Kaczynski überreichte den polnischen Nationalspielern ihre verdiente Silbermedaille, dabei hatte er selbst einen Deutschlandschal umhängen – sein Gegenüber Horst Köhler trug dabei den rot-weißen Polenschal.

Fritz und Kraus im Allstar-Team

Belohnt wird die deutsche Mannschaft mit 100.000 US-Dollar (rund 77.200 Euro) Preisgeld, das unter den Spielern aufgeteilt werden soll. An die Polen zahlt der Weltverband IHF für den zweiten Platz 60.000 Dollar. Henning Fritz und Michael Kraus wurden zudem in das Allstar-Team gewählt. "Das ist für mich wie im Märchen", erklärte Fritz nach der Auszeichnung. Der 23 Jahre alte Shooting-Star Kraus aus Göppingen sagte: "Ich bin so stolz. Das ist der absolute Wahnsinn." Der Russe Eduard Kokscharow (Linksaußen), der Däne Michael Knudsen (Kreis), der Pole Mariusz Jurasik (Rechtsaußen), der Franzose Nikola Karabatic (linker Rückraum) und der Pole Marcin Lijewski (rechter Rückraum) komplettieren das vom Weltverband IHF benannte Allstar-Team.

Deutschland - Polen 29:24 (17:13)
Deutschland: Jansen (8), Hens (6), Kraus (4), Kehrmann (4), Zeitz (3), Glandorf (2), Klimovets (1), Schwarzer (1), Fritz, Bitter, Kaufmann, Roggisch, Klein, Baur.
Polen: Tkaczyk (5), Jurasik (5), Bielecki (3), Bartosz Jurecki (2), Tluczynski (2), Jachlewski (1), Siodmiak (1), Michal Jurecki (1), Krzysztof Lijewski (1), Wleklak (1), Kuptel (1), Marcin Lijewski (1), Szmal, Weiner.
Schiedsrichter: Bord/Buy (Frankreich).
Zeitstrafen: 1:3.
Siebenmeter: 0/1 : 2/2
Zuschauer: 19.000 in Köln (ausverkauft)

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