Handball Deutschlands Top-Schiedsrichter lange gesperrt

Hartes Urteil der Handball-Föderation: Die deutschen Schiedsrichter Frank Lemme und Bernd Ullrich dürfen für fünf Jahre keine Spiele leiten. Im Gepäck der Offiziellen war nach dem Europacup-Finale 2006 ein größerer Geldbetrag gefunden worden.


Hamburg - Zudem wurden beiden Referees bis 2014 die Ausübung von Funktionen im internationalen Handball untersagt. Dieses Urteil fällte die Schiedskommission der Europäischen Handball-Föderation (EHF) am Donnerstag.

Schiedsrichter Ullrich (l.) und Lemme: Fünf Jahre gesperrt
AP

Schiedsrichter Ullrich (l.) und Lemme: Fünf Jahre gesperrt

Damit ahndete der Verband, dass die beiden Magdeburger weder den Fund von 50.000 US-Dollar im Gepäck nach dem Europacup-Finale 2006 zwischen Medwedi Tschechow und BM Valladolid gemeldet hatten noch einen vorangegangenen Manipulationsversuch. Nach Informationen des SPIEGEL hatten Sicherheitsbeamte am Moskauer Flughafen Scheremetjewo im Gepäck von Ullrich die Plastiktüte mit den Banknoten entdeckt. Das Geld wurde konfisziert, die beiden Männer wurden vernommen und durften erst weiterreisen, nachdem sie eine Verzichtserklärung unterschrieben hatten.

Schockiert reagierte der Deutsche Handballbund (DHB) auf die harte Sanktion. "Das heißt ja lebenslänglich. Das ist ein Urteil, was mich komplett überrascht. Wenn man 46 und 47 Jahre alt ist, ist das das Ende der nationalen und internationalen Karriere", sagte DHB-Vizepräsident Horst Bredemeier. Er kündigte außerdem an, dass der Verband juristische Hilfe bei einem möglichen Einspruch gegen das Urteil leisten werde.

Ullrich und Lemme bestreiten die Vorwürfe und sehen sich als Opfer eines Komplotts. Sie wüssten nicht, wie das Geld in die Tasche geraten sei. Lemme sagt, dass er beim Aufwärmen vor dem Spiel von einem Russen, den er kenne, angesprochen worden sei. Er habe das Angebot, das Finale zu manipulieren, abgelehnt. Den Namen des Mannes will er nicht nennen. Als letzte Instanz können die beiden Schiedsrichter nun noch den Internationalen Sportsgerichtshof (Cas) anrufen.

Wegen der laufenden Ermittlungen hatte der Verband den 46-jährige Lemme und den ein Jahr älteren Ullrich seit dem 16. März suspendiert. Das deutsche Vorzeige-Gespann hatte unter anderem das Olympia-Finale 2008 in Peking und das WM-Finale 2005 in Tunesien gepfiffen.

Bereits in der vergangenen Woche war der ukrainische Handball-Schiedsrichter Valentin Wakula für vier Jahre von internationalen Wettbewerben ausgeschlossen worden. Laut EHF habe Wakula beim Frauen-Viertelfinale der Champions League 2007 zwischen Lada Togliatti aus Russland und dem dänischen Club Viborg versucht, die Schiedsrichter zu beeinflussen.

Wakula soll die deutschen Unparteiischen Lars Geipel und Marcus Helbig direkt kontaktiert haben. Die Ehefrau Wakulas war zu diesem Zeitpunkt Spielerin bei Togliatti. Geipel und Helbig hatten den Bestechungsversuch im Frühjahr bei der EHF angezeigt. Sie gaben an, der Aufforderung zur Manipulation nicht Folge geleistet zu haben. Wakula hat die Möglichkeit, innerhalb von 21 Tagen gegen seine Sperre rechtlich vorzugehen.

jok/sid/dpa



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BillBrook 14.03.2009
1.
Zitat von sysopDer THW Kiel soll in zehn Champions-League-Partien bestochen haben, ein deutsches Schiedsrichtergespann mit 50.000 Dollar geschmiert worden sein. Einzelfälle, oder ist der Handball korrupt?
"Der THW Kiel *}soll*" Einzelfälle? Bevor man diese Frage stellt, sollte man abwarten, ob es diese "Einzelfälle" überhaupt gibt.
Josef Ritter, 14.03.2009
2.
Zitat von sysopDer THW Kiel soll in zehn Champions-League-Partien bestochen haben, ein deutsches Schiedsrichtergespann mit 50.000 Dollar geschmiert worden sein. Einzelfälle, oder ist der Handball korrupt?
Ja klar. Deutschland ist längst eine Bananenrepublik. Da geht offensichtlich alles. Herr Zumwinkel bekommt seine Pensionsansprüche ausbezahlt. Am Montag stelle ich auch so einen Antrag. Wenn das Geld da ist bin ich binnen 1 Monat weg. Darauf gebe ich mein persönliches Ehrenwort (Spruch ist geklaut, ich weiss).
Anton 100 14.03.2009
3. Was und wem nützt "Sportgerichtsbarkeit"?
Es ist ein Jammer zu sehen, wie viele Sportarten korrupt sind. Handball ist ja nur ein Beispiel - unter zahllosen anderen. Besonders traurig für alle, die Kinder haben, denen Sport ein Vorbild sein könnte. Bei den gewaltigen Umsätzen, die in sog. Zuschauersportarten über Fernsehen und Merchandising heute verdient werden, ist die Korruptionsanfälligkeit auch gar kein Wunder: Zuerst "Leistungsaufbau" durch Doping, dann "Leistungsabsicherung" durch Schmiergeld. Und dies bei Sportunternehmen, die inzwischen die ausgefuchstesten juristischen Gesellschaftsformen nutzten wie die GmbH & Co KG oder Mischformen davon mit Aktiengesellschaften. Bei solchen Delikten, bei derart hohen Geldbeträgen und geldähnlichen Werten, die da umgewälzt werden, ist es ein Hohn, vom Sport wirksame Selbstkontrolle zu erwarten und zu glauben, die staatsferne Sportgerichtsbarkeit, d.h. der Selbstrichterverein der zumindest indirekt Betroffenen, könne das lösen. Wer ist wie ich für eine lückenlose Verlagerung der Sportdelikte in die ordentliche Gerichtsbarkeit? Es ist verantwortungslos vom Staat, da noch länger wegzuschauen. Und die Kosten, die dabei entstehen, sind durch Abschöpfen der "Sportgewinne" leicht hereinzuholen.
ebbeflut 14.03.2009
4.
Da kommt man doch vor Lachen heute Abend kaum in den Schlaf..natürlich hätten die Herren, wären sie denn mit dem Geld durch den Zoll gekommen, letzteres dem DRK oder der Kindernothilfe oder.oder...gespendet. Bitte: diese Herren bitte auf Lebenszeit disqualifizieren
Koltschak 14.03.2009
5. Klar nee!!!
50.000$ in der Tasche! Und keiner weiß wo die herkommen. Erinnert mich an einen Uraltwitz! Der Wilderer streift durch die Gegend, ein Reh auf der Schulter! Plötzlich kommt der Jäger: "Was haben Sie denn da auf der Schulter?" Der Wilderer guckt sich überrascht um: "Igitt!!!!! Ein Reh!!!"
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