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24. Januar 2018, 23:29 Uhr

Deutschlands EM-Aus gegen Spanien

"Zu viele Sachen nicht am Optimum"

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In der zweiten Hälfte riss der Faden komplett. Titelverteidiger Deutschland reist heim, Spanien steht im EM-Halbfinale. Nur zwei Siege aus sechs Spielen: DHB-Coach Prokop wird diese Bilanz überzeugend erklären müssen.

Szene des Abends: In der 32. Minute lief Rune Dahmke einen schnellen Gegenstoß. Endlich einmal hatte der Plan funktioniert, mit viel Tempo die wenigen Fehler der Spanier zu bestrafen. Dahmke aber scheiterte aus kurzer Distanz an Keeper Rodrigo Corrales, es wäre das 15:14 für die deutschen Handballer gewesen. Diese Szene hatte Symbolcharakter.

Das Ergebnis: Spanien hat sich 31:27 (14:13) durchgesetzt. Für die DHB-Auswahl ist die Handball-EM 2018 in Kroatien nach der Hauptrunde beendet. Hier geht es zum Spielbericht.


Showdown: "Heute ist's ein Viertelfinale", sagte Team-Manager Oliver Roggisch vor dem Spiel treffend. Am Nachmittag hatte Tschechien mit einem Remis gegen Slowenien (26:26) dafür gesorgt, dass wirklich nur noch Deutschland oder Spanien Gruppensieger Dänemark ins EM-Halbfinale folgen konnten. Die Ausgangslage war herrlich simpel: Der Gewinner steht unter den letzten Vier, der Verlierer nicht.

Sehr, sehr offen: Spanien, zwei Jahre zuvor beim deutschen EM-Triumph in Krakau noch der unterlegene Finalgegner, habe "eine sehr, sehr gute Abwehr mit zwei sehr, sehr guten Torhütern", hatte Abwehrchef Finn Lemke gesagt. In anderen Worten: Es würde sehr, sehr schwer werden. Die hart umkämpfte Anfangsphase passte zu dieser Einschätzung. Erst in der fünften Minute erzielte Julius Kühn den ersten Treffer des Duells.

Die erste Hälfte: Auf Augenhöhe. Julius Kühn, der Rechtshänder aus Melsungen, brachte nach zehn Minuten mit seinem dritten Treffer die deutsche Mannschaft erstmals mit zwei Toren in Führung. 5:3. Danach ging es hin und her: 5:6 (13.), 6:8 (16.), 8:8 (20.), 10:10 (24.), 10:12 (25.), 12:14 (28.). Als die Pausensirene in Varazdin ertönte, lagen die Spanier mit einem Treffer vorn: 13:14.

Halbzeitfazit: Gegen die offensive Abwehr des zweifachen Weltmeisters machten die DHB-Spieler zunächst vieles richtig. Die Wurfauswahl passte, die Trefferquote (52 Prozent) dagegen nicht. "Das sind Top-Chancen - nur: Wir machen zu wenig draus", brüllte Bundestrainer Christian Prokop sein Team in einer Auszeit an. Recht hatte er. Mehr Sorgen dürfte Prokop allerdings bereitet haben, dass der deutsche Innenblock im ersten Abschnitt große Probleme mit 113-Kilogramm-Kreisläufer (Stichwort: sehr, sehr schwer) Julen Aguinagalde hatte.

Die zweite Hälfte: Nach Dahmkes Fehlversuch mit Vorteilen für Spanien. 19:15, zehn Minuten nach Wiedebeginn zogen die Spanier zum ersten Mal auf drei Treffer davon, Prokop bat umgehend zur Besprechung. Viel Taktisches, eine Umstellung im Rückraum, Überzahlangriff. Volles Risiko also. Kurz darauf stand es 22:15 für Spanien: drei Treffer ins leere Tor der deutschen Mannschaft, in nur 71 Sekunden. Davon erholte sich das deutsche Team nicht mehr.

Erkenntnis des Spiels: Es fehlte nicht viel, wie so oft bei dieser Europameisterschaft - aber es fehlte eben etwas. Auch diesmal wuchs keiner der beiden Keeper über sich hinaus, kein Rückraumschütze explodierte. Auch diesmal gab es keine Phase von 15 bis 20 Minuten, in der das deutsche Team in den vielzitierten Flow fand. Handball wirkte auch an diesem Abend in keiner Phase leicht für die DHB-Auswahl. "Zu viele Sachen laufen nicht am Optimum", sagte Prokop nach dem Spiel ins ZDF-Mikrofon.

Erkenntnis des Turniers: Als Titelverteidiger angereist, aber von sechs Spielen eben nur zwei gewonnen. Unentschieden gegen Slowenien und Mazedonien, Siege gegen Tschechien und Montenegro, Niederlagen gegen Dänemark und Spanien. Im Halbfinale hatte diese Mannschaft wirklich nichts zu suchen. Weil sie keinen Ausnahmespieler hatte - und anders als vor zwei Jahren bis zuletzt keinen Weg fand, das zu kompensieren.

Prokops Zukunft: "Keiner übernimmt Verantwortung - und das ist schwach", motzte der Bundestrainer in einer Auszeit und meinte natürlich seine Spieler. Und jetzt? Wird DHB-Vize Bob Hanning ("Wir müssen das kritisch analysieren") darüber befinden müssen, ob es an den taktischen Vorgaben und der Kaderzusammenstellung lag - oder, ob einfach Form und Qualität der deutschen Spieler nicht ausreichten. Wer übernimmt Verantwortung? Hanning gilt allgemein als großer Prokop-Befürworter. Noch.

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