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25. Januar 2018, 16:02 Uhr

Handballbundestrainer Prokop

Nur noch weg hier

Aus Varazdin berichtet Michael Wilkening

Nach dem EM-Aus der deutschen Handballer richten sich die Blicke auf Nationaltrainer Christian Prokop: Der Coach hat mit dazu beigetragen, das Team zu verunsichern.

Es ist im Rückblick schwer zu sagen, wann genau die Entfremdung zwischen Christian Prokop und den Spielern der deutschen Handball-Nationalmannschaft begonnen hat. Vieles spricht aber dafür, dass sie Anfang Januar in der Kabine der Ratiopharm-Arena in Neu-Ulm eine nicht mehr zu kontrollierende Dynamik bekommen hat.

Mit dem Verzicht auf Abwehrchef Finn Lemke, einem der Anführer der "Bad Boys", den der Bundestrainer in Neu-Ulm nach dem finalen Testspiel vor der Europameisterschaft aus dem Kader strich, bildeten sich Risse zwischen Trainer und Team. Die sind mittlerweile so tief, dass es schwierig erscheint, sie wieder zu kitten. Das Scheitern bei der EM ist auch darin begründet.

Am Donnerstag saß Prokop ein letztes Mal bei diesem Turnier im Besprechungsraum des Teamhotels in der Nähe von Varazdin. Neben ihm hatten rechts Bob Hanning und links Andreas Michelmann Platz genommen. Der Trainer wurde vom Vizepräsidenten und Präsidenten des Deutschen Handballbundes förmlich in die Zange genommen. Dabei handelte es sich nicht um eine bewusste Botschaft, aber die Formation hatte symbolischen Charakter.

Der Handballlehrer fühlte sich denn auch sichtlich unwohl, von Minute zu Minute des Gesprächs zeichnete sich die Verunsicherung deutlicher in seinen Gesichtszügen ab. Als die Runde offiziell beendet war, suchte der 39-Jährige fluchtartig den Ausgang. Der Trainer wollte nur noch weg.

Hanning sagt, es gebe "kein Weiter-so"

Das 27:31 gegen Spanien im letzten Hauptrundenspiel und die katastrophale Vorstellung in der zweiten Halbzeit am Vorabend hatten den Druck auf den Bundestrainer noch einmal deutlich erhöht. Ein "Weiter so" werde es nicht geben, hatte Hanning ein paar Stunden vorher angekündigt. Und es war klar, dass es auch darum gehen wird, ob Prokop der richtige Mann ist, um die ehrgeizigen Ziele des Verbandes umzusetzen.

"Die gleichen Zeitungen, die jetzt hier sitzen, haben mich vor ein paar Monaten als Messias bezeichnet, als Julian Nagelsmann des Handballs", sagte Prokop, als er darauf angesprochen wurde, ob er einen Rücktritt aus freien Stücken ausschließen könne. Der Trainer war gereizt, gleichzeitig aber nicht bereit, Fehler wie den der Nichtnominierung Lemkes einzugestehen. "Ihn vor dem Mazedonien-Spiel zu holen, war wegen des Gegners eine richtige Korrektur", sagte Prokop - eine vorherige Fehleinschätzung wollte er damit nicht zugeben.

Der Bundestrainer hat in den zurückliegenden zwei Wochen viele Themen nicht richtig gelöst. So etwas muss man einem Novizen auf internationalem Niveau wohl zugestehen, doch der Umgang mit Fehlern sorgte intern für Ärger. Der Trainer wolle immer das letzte Wort haben, immer die Entscheidungshoheit behalten und alles vorschreiben, ist aus dem Kreis der Spieler zu hören. Im Moment äußert diese Kritik niemand öffentlich, die Mannschaft befeuert die Debatte noch nicht - doch das kann sich ändern.

Prokop hat sich auch als lernfähig gezeigt

Der Trainer, mit einem Vertrag bis 2022 ausgestattet und für eine Ablöse von etwa 500.000 Euro vom SC DHfK Leipzig losgeeist, hat nicht alles falsch gemacht. Er war bereit, Fehleinschätzungen zu korrigieren. Prokop holte Lemke in den Kreis der Mannschaft zurück, er rückte nach einer kleinen Meuterei von seinem Abwehrkonzept ab und entschied sich für weniger personelle Wechsel während der Spiele. Das ist grundsätzlich positiv. Bezeichnend ist, dass die Auftritte der Deutschen mit jeder kleinen Abkehr von seiner Herangehensweise stabiler und besser wurden.

Bei einem aufstrebenden Verein wie Leipzig hat Prokops Arbeitsweise funktioniert, weil er dort Strukturen aufbaute und es für die Spieler und die Mannschaft eine klare Entwicklung gab. Sein Stil, möglichst jedes Detail bestimmen zu wollen, zog weniger Missmut nach sich. Die Nationalmannschaft hingegen war vor ihm bereits erfolgreich, sodass er mit seinem Hang, vieles neu machen zu wollen, erst auf Verwunderung, später auf Unverständnis und irgendwann in Teilen auf Ablehnung stieß.

"Das Ziel ist, mit dem Trainer weiterzuarbeiten", sagte Hanning, aber der DHB-Vize erklärte auch: "Es gibt unverhandelbare Visionen." Im kommenden Jahr bei der Weltmeisterschaft im eigenen Land und ein Jahr später bei den Olympischen Spielen sind Medaillen das Mindestziel, möglichst sollen es goldene werden. Hanning klang nicht so, als sei er fest davon überzeugt, an den Zielen festhalten zu können, um die Visionen nicht zu gefährden.

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