Handball-EM Deutschland nur remis gegen Tschechien

Obwohl die deutsche Handball-Nationalmannschaft lange Zeit geführt und noch in den Schlusssekunden die Chance zum Sieg hatte, gelang auch im letzten EM-Hauptrundenspiel gegen Tschechien kein Erfolg. Das Team wirkte müde, Kritik übte Bundestrainer Heiner Brand besonders an einem Rückraumspieler.

Von Jan Reschke


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Handball-EM: Raus ohne Applaus
Hamburg - Dass die deutsche Handball-Nationalmannschaft ihr letztes Spiel bei der Europameisterschaft in Österreich ernst nahm, obwohl es um nichts mehr ging, machten die Spieler schon vor dem Anpfiff deutlich. Oliver Roggisch ballte siegesgewiss seine Faust und schrie seine Mannschaftskameraden an, um sie auf die Aufgabe gegen Tschechien einzuschwören. Doch dem Team waren die Strapazen des Turniers deutlich anzumerken - trotz langer Führung endete die Partie 26:26 (16:14).

"Ein Punkt ist besser als eine Niederlage. Aber insgesamt war es eine enttäuschende EM", sagte Spielmacher Michael Kraus. Ähnlich bewerte Torwart Johannes Bitter das Remis: "Wir haben nicht verloren. Das ist ein bisschen tröstlich." Und Abwehrchef Oliver Roggisch sagte: "Ich bin gar nicht so unzufrieden mit dem Unentschieden. Es war ein versöhnlicher Abschluss."

In der Olympiahalle erwischte die deutsche Mannschaft wie fast in jedem Spiel bei dieser EM einen Fehlstart und lag nach sieben Minuten 0:3 zurück. Es bedurfte noch einer weiteren Minute und einer Überzahl, bis endlich der erste deutsche Treffer bejubelt werden konnte. Nach dem Tor durch Kaufmann kam der deutsche Rückraum besser ins Spiel und hatte beim 13:10 (25.) zum ersten Mal einen Drei-Tore-Vorsprung herausgeworfen.

Doch auch wenn das DHB-Team im Anschluss das Spiel im Griff hatte - weiter absetzen konnte es sich nicht. Dabei lief es phasenweise gar nicht schlecht. Das deutsche Spiel wirkte strukturierter als in den vergangenen Partien, die Abwehrarbeit funktionierte besser. Zum einen, weil Tschechiens Superstar Filip Jicha in Manndeckung genommen wurde, zum anderen weil die deutschen Spieler die dadurch entstehenden Räume durch gutes Verschieben über weite Strecken des Spiels nicht zu groß werden ließen.

"Wenn er mehr taktische Disziplin zeigt, dann haben noch eine Chance"

Warum es dennoch nicht zum Sieg reichte, fasste Bundestrainer Heiner Brand nach dem Spiel zusammen: "Wir waren heute nicht in der Lage, über 60 Minuten gut zu spielen. Die erste Halbzeit war in Ordnung, aber in der zweiten Hälfte war uns die Müdigkeit anzusehen. Auf diesem Niveau entscheiden Kleinigkeiten", sagte Brand, der das taktische Verhalten in den letzten Sekunden harsch kritisierte, besonders den Halbrechten Michael Müller. "Wenn er ein bisschen mehr taktische Disziplin zeigt, dann haben wir beim letzten Angriff noch eine Chance", so Brand.

In der letzten Viertelstunde hatten sich vor allem im Angriff Unkonzentriertheiten und Fehler gehäuft - so brachten die Deutschen den Gegner wieder ins Spiel. Die Lücken in der Abwehr wurden immer größer, die Tschechen wussten dies geschickt zu nutzen.

Sechs Spiele in zehn Tagen bedeuteten einen zu großen Substanzverlust für die deutsche Mannschaft. "Wenn der Körper ausgelaugt ist, macht der Kopf auch nicht mehr mit. Da brauchte ich einigen Spielern nur ins Gesicht zu gucken, um das zu sehen", so Brand. Eineinhalb Minuten vor dem Ende gingen die Tschechen 25:26 in Führung. Kreisläufer Christoph Theuerkauf konnte zwar noch ausgleichen, doch für mehr reichte es nicht.

Viel kritisierter Mittelmann Kraus blieb erneut blass

Vor dem Spiel hatte Kapitän Michael Kraus einen Sieg gefordert, um die "nächsten Herausforderungen" mit einem positiven Gefühl im Rücken angehen zu können. Eine allzu große Hilfe war er dann auf dem Feld aber nicht. Gar nur Tribünenzuschauer war Rückraumspieler Holger Glandorf nach seiner Knieverletzung aus den Spanien-Spiel. Für ihn spielte Michael Müller (Rhein-Neckar Löwen).

Erfolgreich war lange die Maßnahme von Brand, den bislang besten Torschützen des Turniers, den Kieler Rückraumstar Filip Jicha, durch Kreisläufer Theuerkauf von Beginn an in Manndeckung zu nehmen. Ohne seinen überragenden Mann fiel den Tschechen, für die das Erreichen der EM-Hauptrunde schon ein Erfolg war, nicht viel ein.

Im Angriff machte der viel gescholtene Kaufmann nicht viel anders als sonst - nur besser. Er hatte zwischenzeitlich eine sensationelle Trefferquote und wurde bester deutscher Werfer (sieben Tore). Auf Linksaußen überzeugte Uwe Gensheimer, der für den diesmal enttäuschenden Torsten Jansen aufs Feld gekommen war.

Insgesamt gelang dem deutschen Team während des Turniers lediglich ein Sieg bei zwei Unentschieden und drei Niederlagen - das schlechteste Ergebnis seit zehn Jahren.

Mit Material von sid und dpa

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Seite 1
jolip 14.01.2010
1.
Es gibt meiner Meinung nach kaum eine Sportart, in der der künftige Europameister so schwer vorherzusagen ist, wie beim Handball, weil die Leistungsdichte in der Spitze so hoch ist. Tagesform und Verletzungspech bzw. -glück werden diese EM entscheiden. Meine großen Favoriten sind: Frankreich, Kroatien, Spanien und Deutschland. Allerdings traue ich auch den Teams aus Dänemark, Schweden und Rußland einiges zu.
noodl 14.01.2010
2.
Zitat von jolipEs gibt meiner Meinung nach kaum eine Sportart, in der der künftige Europameister so schwer vorherzusagen ist, wie beim Handball, weil die Leistungsdichte in der Spitze so hoch ist. Tagesform und Verletzungspech bzw. -glück werden diese EM entscheiden. Meine großen Favoriten sind: Frankreich, Kroatien, Spanien und Deutschland. Allerdings traue ich auch den Teams aus Dänemark, Schweden und Rußland einiges zu.
Da erinnere ich mich an das fantastische Halbfinale der WM 2007 zwischen Deutschland und Frankreicht! Das war das beste Handballspiel, welches ich je gesehen habe. Spannend bis zu letzen Minute, 2 absolut gleichstarke Teams, von denen das Richtige gewonnen hat. Toll! Was die Favoriten angeht sind wir einer Meinung!
jolip 14.01.2010
3.
Zitat von noodlDa erinnere ich mich an das fantastische Halbfinale der WM 2007 zwischen Deutschland und Frankreicht! Das war das beste Handballspiel, welches ich je gesehen habe. Spannend bis zu letzen Minute, 2 absolut gleichstarke Teams, von denen das Richtige gewonnen hat. Toll! Was die Favoriten angeht sind wir einer Meinung!
Das war wirklich ein Superspiel. Beim Sport bin ich ja auch immer sehr nationalistisch, finde es aber schade, dass es bei solchen Spielen immer unbedingt einen Sieger geben muß.
giricek7 14.01.2010
4.
Zitat von jolipEs gibt meiner Meinung nach kaum eine Sportart, in der der künftige Europameister so schwer vorherzusagen ist, wie beim Handball, weil die Leistungsdichte in der Spitze so hoch ist. Tagesform und Verletzungspech bzw. -glück werden diese EM entscheiden. Meine großen Favoriten sind: Frankreich, Kroatien, Spanien und Deutschland. Allerdings traue ich auch den Teams aus Dänemark, Schweden und Rußland einiges zu.
Mein Favorit heisst ganz klar Frankreich. Die Franzosen sind aufgrund ihrer überragenden Verteidigung sogar an schwächeren Tagen von keinem zu schlagen. Mit Karabatic, Fernandez, Narcisse, den Gille-Brüdern, Abalo und Omeyer haben sie, zusätzlich zu ihrem starken Kollektiv und ihrem "Sieger-Gen", noch absolute Ausnahmekönner, die sonst keine Mannschaft, außer mit Abstrichen Kroatien, in seinen Reihen hat. Deutschland traue ich durchaus einen Einzug in das Halbfinale zu. Zu mehr wird es meiner Meinung nach nicht genügen. Mein Geheimtipp ist Serbien, dass mit Vujin, Sesum, Ilic und Bojinovic mit den stärksten Rückraum der Welt aufbieten kann.
jolip 14.01.2010
5. Wahrscheinlich Frankreich
Zitat von giricek7Mein Favorit heisst ganz klar Frankreich. Die Franzosen sind aufgrund ihrer überragenden Verteidigung sogar an schwächeren Tagen von keinem zu schlagen. Mit Karabatic, Fernandez, Narcisse, den Gille-Brüdern, Abalo und Omeyer haben sie, zusätzlich zu ihrem starken Kollektiv und ihrem "Sieger-Gen", noch absolute Ausnahmekönner, die sonst keine Mannschaft, außer mit Abstrichen Kroatien, in seinen Reihen hat. Deutschland traue ich durchaus einen Einzug in das Halbfinale zu. Zu mehr wird es meiner Meinung nach nicht genügen. Mein Geheimtipp ist Serbien, dass mit Vujin, Sesum, Ilic und Bojinovic mit den stärksten Rückraum der Welt aufbieten kann.
Ich denke auch, dass Frankreich der Topfavorit ist. Die Manschaften aus dem ehemaligen Jugoslawien gehören natürlich auch zu den Topfavoriten, haben meiner Meinung nach aber immer das Problem, dass es bei Ihnen immer entscheidend ist, ob sie gerade gut drauf sind. Da stellen dann so absolute Weltklassespieler wie Batc auch gerne mal das Hanballspielen ein, wenns irgendwie nicht so richtig gut läuft. auch Was mir bei den jugoslawischen Mannschaften nicht so gut gefällt, sind die Nickelichkeiten, die sie immer gerne ins Spiel bringen.
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