Handball-EM Deutschland scheitert im Halbfinale an Dänemark

Aus für die deutschen Handballer bei der EM in Norwegen: Drei Sekunden vor Schluss verwandelte der Däne Lars Christiansen den entscheidenden Siebenmeter zum 26:25. Für Deutschland geht es nun gegen Frankreich um Platz drei.


Lillehammer - Deutschland ist im Halbfinale der Handball-Europameisterschaft ausgeschieden. Gegen Dänemark verlor das Team von Bundestrainer Heiner Brand in einem dramatischen Spiel 25:26 (13:10). Dänemark trifft morgen im Finale auf Kroatien, Deutschland spielt gegen Frankreich um Bronze. "Wir hatten durch die Verletzungen am Ende keine Alternativen mehr. Es fehlte die Kraft", sagte Brand. "Es ist bitter, dass es uns so hart getroffen hat. Ich bin aber nicht unzufrieden."

Im Gegensatz zu den meisten bisherigen Turnierpartien kam der deutsche Rückraum gut in das Spiel. Der auf der rechten Seite agierende Holger Glandorf traf seine ersten vier Wurfversuche, kam auch insgesamt auf vier Treffer. Den 6:7-Anschlusstreffer (19. Minute) hämmerte er aus dem Stand und neun Metern Entfernung direkt in den Winkel. Auch der Rückraum-Linke Pascal Hens setzte vom Anpfiff an Akzente, zog immer wieder gefährlich auf die dänische Deckung und konnte oft nur durch Fouls gestoppt werden - traf in den ersten 30 Minuten jedoch nur ein Mal, war insgesamt zwei Mal erfolgreich. Erfolgreichster Schütze der Partie auf Seiten der Deutschen war Rechtsaußen Florian Kehrmann mit sechs Treffern.

In der Abwehr hatte Brand von Anfang an den gestern nachnominierten Frank von Behren aufgeboten. "Ich bin relativ frisch, habe keine sechs Spiele in den Knochen und die eine oder andere Minute werde ich der Mannschaft sicher helfen können", hatte von Behren vor der Partie gesagt. Ebenfalls mit von der Partie waren die angeschlagenen Michael Kraus (Unterarmprellung), Sebastian Preiß (Entzündung in der Kniekehle) und Torsten Jansen (Rippenprellung).

Zwischen den Pfosten stand bei Anpfiff der Partie Johannes Bitter, der im Spiel gegen Schweden einen schwachen Start erwischt hatte. Heute zeigte er jedoch eine starke Leistung, konnte in der ersten Halbzeit 11 von 21 dänischen Würfen parieren - eine Quote von 52 Prozent. Sein Gegenüber Kaspar Hvidt, der zurzeit von vielen als bester Torhüter der Welt betrachtet wird, kam nur auf eine Quote von 32 Prozent.

Die stärkste Phase in der ersten Halbzeit hatte das deutsche Team zwischen der 18. und 28. Minute, als es von 5:7 auf 12:7 davonziehen konnte. Kehrmann schloss drei Tempogegenstöße erfolgreich ab, Mittelmann Michael Kraus, nach rund 15 Minuten für Markus Baur gekommen, traf zwei Mal und zudem waren Christian Zeitz und Glandorf je ein Mal erfolgreich, ohne dass den Dänen ein Treffer gelang.

Zu Beginn der zweiten Hälfte kamen die Dänen besser ins Spiel, gingen in der 41. Minute wieder in Führung (17:16). In der Folge konnte sich keines der Teams absetzen. Dänemark legte immer wieder vor, doch dem Weltmeister gelang meist postwendend der Ausgleich. Auch Torhüter Johannes Bitter konnte nach Wiederanpfiff nicht an seine Leistung aus der ersten Hälfte anknüpfen. Von der 51. bis 55. Minute musste Deutschland zudem zum zweiten und dritten Mal in der Begegnung in Unterzahl spielen, nach Zeitstrafen gegen Zeitz und Andrej Klimovets, konnte die Partie aber noch unentschieden halten.

Siebenmeter drei Sekunden vor Abpfiff

Dramatisch dann das Ende. 20 Sekunden vor Schluss traf Kraus zum 25:25-Ausgleich. Doch drei Sekunden vor Ablauf der Spielzeit erzielte Lars Christiansen per Siebenmeter gegen den eingewechselten Henning Fritz den Siegtreffer für Dänemark. "Wir haben uns nichts vorzuwerfen", sagte Kapitän Baur nach der Partie. "Wir haben alles versucht, aber es hat nicht ganz gereicht. Jetzt wollen wir Bronze holen."

fsc/sid



insgesamt 93 Beiträge
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Umberto, 10.01.2008
1.
Zitat von sysopDie Handball-Europameisterschaft findet vom 17. bis 27. Januar in Norwegen statt. Kann das Weltmeisterteam von Bundestrainer Heiner Brand den nächsten Titel einfahren? Wie schlägt sich Titelverteidiger Frankreich? Gelingt einem skandinavischen Team eine Überraschung?
Die Franzosen verteidigen ihren Titel!
aMicaRo, 10.01.2008
2.
wenn man presseberichten glauben schenken darf, und sich interviews deutscher nationalspieler wie pascal "pommes" hens durchliest, sollten die deutschen doch mit etwas glück und viel guter laune dieses turnier für sich entscheiden. ich bin guter hoffnung :)
bik, 10.01.2008
3. Das wird eine tolle EM
Im Prinzip ist eine EM sportlich (fast) gleichwertig wie eine WM. Ich denke, es gibt sogar 6-8 Mannschaften, die bei einem etwas glücklichen Turnierverlauf Chancen aud den Tital haben. Meiner Meinung nach sind das: (Reihenfolge willkürlich) Russland, Polen, Kroatioen, Deutschland, Frankreich, Spanien,Dänemark, Schweden. Sportlich wird das bestimmt stark!
Tomislav, 11.01.2008
4.
Es verspricht auf jeden Fall spannend zu werden. Ich sehe Deutschland, Frankreich und Spanien auf Augenhöhe.
merlin77 11.01.2008
5. Knappe Sache
Im Welthandball geht es richtig eng zu. Neben Deutschland, Spanien, Frankreich schätze ich vor allem die Kroaten für sehr stark ein. Obwohl sie gerne etwas launisch sind. Dazu Schweden und Dänemark als übliche verdächtige. Ich glaube es wird sehr schwer für die deutsche Mannschaft. Ob sie nochmal so eine Mischung zwischen Euphorie, Lauf und Glück (Aberkanntes reguläres Tor der Franzosen in der Verlängerung) haben, scheint zweifelhaft, aber nicht unmöglich. Letztlich würde auch die Franzosen favourisieren.
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