Handball Gesperrte Schiedsrichter prüfen Einspruch

Fünf Jahre für 50.000 Dollar: Das Schiedsrichter-Duo Frank Lemme und Bernd Ullrich, bei dem nach einem Europapokalspiel auffallend viel Bargeld im Gepäck gefunden wurde, will die lange Sperre des europäischen Handball-Verbandes nicht akzeptieren.


Dortmund - Lemme und Ullrich wollen an diesem Samstag gemeinsam mit Peter Rauchfuß, dem Schiedsrichterchef des Deutschen Handball-Bundes (DHB), darüber beraten, ob sie Einspruch gegen ihre fünfjährige Sperre einlegen werden. Die beiden Referees halten das Strafmaß für völlig überzogen. "Das trifft uns hart", sagte Ullrich der dpa.

Schiedsrichter Lemme, Ullrich: "Strafe trifft uns hart"
AP

Schiedsrichter Lemme, Ullrich: "Strafe trifft uns hart"

Die Europäische Handball-Föderation (EHF) hatte das Magdeburger Duo am Donnerstag gesperrt. Grund für die Suspendierung ist, dass die beiden Referees weder den Fund von 50.000 Euro im Gepäck durch den russischen Zoll bei der Rückreise nach dem Europapokalfinale 2006 zwischen Medwedi Tschechow und BM Valladolid noch einen vorherigen Manipulationsversuch gemeldet hatten.

"Nun stimmen wir das weitere Vorgehen mit Peter Rauchfuß ab. DHB-Vizepräsident Horst Bredemeier hatte ja bereits angekündigt, dass man uns juristisch unterstützen werde", sagte Ullrich. Die Kosten für einen Einspruch bei der EHF belaufen sich auf 5000 Euro.

Ullrich zeigte sich völlig überrascht von der langen Sperre. "Wir stehen zu dem Fehler, dass wir der EHF den Bestechungsversuch der Russen verschwiegen haben. Deshalb sind wir nicht überrascht, dass wir bestraft wurden. Aber die Höhe der Strafe trifft uns hart. Damit haben wir nicht gerechnet", sagte der 47 Jahre alte Referee.

Nach seinen Angaben hätte die EHF nach eingehender Analyse des betreffenden Spiels festgestellt, dass es keinerlei Manipulationen gab. Dieser Umstand steht laut Ullrich in krassem Gegensatz zu der fünfjährigen Sperre. "Wir haben ein reines Gewissen. Mit dem Spiel war alles in Ordnung. Das haben wir ja nun schriftlich", betonte er. "Fünf Jahre Sperre nur dafür zu verhängen, dass wir den Vorfall nicht gemeldet haben, ist schon hart."

Die Suspendierung des Duos sorgt auch für eine Sondersitzung beim Deutschen Handball-Bund. "Wir rufen kurzfristig das Geschäftsführende Präsidium zusammen und entscheiden, welche Auswirkungen das Urteil auf uns hat", erklärte Präsident Ulrich Strombach. Dem Gremium gehören neben ihm noch die Vizepräsidenten Heinz Winden (Recht) und Wolfgang Gremmel (Finanzen) an.

Bei der EHF werden derweil weitere Fälle von angeblicher Schiedsrichter-Manipulation untersucht. Im Fall des Champions-League- Finales von 2007 zwischen dem THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt wartet der Verband die Entscheidung der Kieler Staatsanwaltschaft ab. "Wir stehen in engem Kontakt mit der Behörde. Wir können kein Urteil fällen, wenn wir nicht die endgültige Entscheidung aus Kiel haben", sagte EHF-Generalsekretär Michael Wiederer. Dieses Spiel ist der Ausgangspunkt der zahlreichen Verdachtsfälle wegen Schiedsrichter-Manipulation.

mig/dpa



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Seite 1
BillBrook 14.03.2009
1.
Zitat von sysopDer THW Kiel soll in zehn Champions-League-Partien bestochen haben, ein deutsches Schiedsrichtergespann mit 50.000 Dollar geschmiert worden sein. Einzelfälle, oder ist der Handball korrupt?
"Der THW Kiel *}soll*" Einzelfälle? Bevor man diese Frage stellt, sollte man abwarten, ob es diese "Einzelfälle" überhaupt gibt.
Josef Ritter, 14.03.2009
2.
Zitat von sysopDer THW Kiel soll in zehn Champions-League-Partien bestochen haben, ein deutsches Schiedsrichtergespann mit 50.000 Dollar geschmiert worden sein. Einzelfälle, oder ist der Handball korrupt?
Ja klar. Deutschland ist längst eine Bananenrepublik. Da geht offensichtlich alles. Herr Zumwinkel bekommt seine Pensionsansprüche ausbezahlt. Am Montag stelle ich auch so einen Antrag. Wenn das Geld da ist bin ich binnen 1 Monat weg. Darauf gebe ich mein persönliches Ehrenwort (Spruch ist geklaut, ich weiss).
Anton 100 14.03.2009
3. Was und wem nützt "Sportgerichtsbarkeit"?
Es ist ein Jammer zu sehen, wie viele Sportarten korrupt sind. Handball ist ja nur ein Beispiel - unter zahllosen anderen. Besonders traurig für alle, die Kinder haben, denen Sport ein Vorbild sein könnte. Bei den gewaltigen Umsätzen, die in sog. Zuschauersportarten über Fernsehen und Merchandising heute verdient werden, ist die Korruptionsanfälligkeit auch gar kein Wunder: Zuerst "Leistungsaufbau" durch Doping, dann "Leistungsabsicherung" durch Schmiergeld. Und dies bei Sportunternehmen, die inzwischen die ausgefuchstesten juristischen Gesellschaftsformen nutzten wie die GmbH & Co KG oder Mischformen davon mit Aktiengesellschaften. Bei solchen Delikten, bei derart hohen Geldbeträgen und geldähnlichen Werten, die da umgewälzt werden, ist es ein Hohn, vom Sport wirksame Selbstkontrolle zu erwarten und zu glauben, die staatsferne Sportgerichtsbarkeit, d.h. der Selbstrichterverein der zumindest indirekt Betroffenen, könne das lösen. Wer ist wie ich für eine lückenlose Verlagerung der Sportdelikte in die ordentliche Gerichtsbarkeit? Es ist verantwortungslos vom Staat, da noch länger wegzuschauen. Und die Kosten, die dabei entstehen, sind durch Abschöpfen der "Sportgewinne" leicht hereinzuholen.
ebbeflut 14.03.2009
4.
Da kommt man doch vor Lachen heute Abend kaum in den Schlaf..natürlich hätten die Herren, wären sie denn mit dem Geld durch den Zoll gekommen, letzteres dem DRK oder der Kindernothilfe oder.oder...gespendet. Bitte: diese Herren bitte auf Lebenszeit disqualifizieren
Koltschak 14.03.2009
5. Klar nee!!!
50.000$ in der Tasche! Und keiner weiß wo die herkommen. Erinnert mich an einen Uraltwitz! Der Wilderer streift durch die Gegend, ein Reh auf der Schulter! Plötzlich kommt der Jäger: "Was haben Sie denn da auf der Schulter?" Der Wilderer guckt sich überrascht um: "Igitt!!!!! Ein Reh!!!"
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