Handball Kiel bereitet Wislander meisterlichen Abschied

Magnus Wislander hat seine einzigartige Karriere beim THW Kiel mit dem Gewinn seiner siebten deutschen Handball-Meisterschaft gekrönt. In einem dramatischen Finale schlugen die "Zebras" den Erzrivalen SG Flensburg-Handewitt und blieben so einen Punkt vor der HSG Nordhorn.


Kiels Stefan Lövgren mit der Meisterschale
DPA

Kiels Stefan Lövgren mit der Meisterschale

Flensburg - Im Nerven aufreibenden Fernduell um die deutsche Meisterschaft hat der THW Kiel zum zehnten Mal den Titel gewonnen und sich für die Champions League qualifiziert. Mit einem hart erkämpften 26:24 (12:14)-Erfolg beim Erzrivalen SG Flensburg-Handewitt verteidigte der EHF-Cup-Sieger einen Punkt Vorsprung auf die HSG Nordhorn. Den von Querelen um ihre Schulden und die erst in zweiter Instanz erteilte Lizenz gebeutelten Niedersachsen nutzte auch der 28:23 (15:16)-Heimerfolg gegen den VfL Gummersbach nichts mehr.

"Das ist ein Traum", jubelte Jahrhundert-Handballer Magnus Wislander, der sein letztes Spiel für die Kieler bestritt und nach Redbergslids in Schweden zurück geht. "Ich kann mich mehr darüber freuen, dass wir deutscher Meister geworden sind als dass es mein letztes Spiel war", fügte er an. Sein Mannschaftskapitän Stefan Lövgren, der um 16.44 Uhr die Meisterschale aus den Händen von DHB-Präsident Ulrich Strombach entgegen nahm, ergänzte: "Hätten wir vor drei Monaten gesagt, dass wir deutscher Meister werden, hätten alle gelacht. Jetzt werden wir eine richtige Party machen."

Acht Siege in Folge


Bei den acht Siegen in Folge haben die "Zebras" das Fehlen von Demetrio Lozano, Steinar Ege, Piotr Przybecki und Nicolaj Jacobsen kompensiert. "Das ist für mich unglaublich", stammelte Kiels Trainer Zvonimir Serdarusic fassungslos nach dem unerwarteten Titelgewinn, "dass wir ohne ein komplettes Team so zurück gekommen sind, ist für mich unglaublich."

Glückwünsche erhielten die Kieler auch von der HSG Nordhorn, die bei einem Remis oder einer Niederlage des Meisters selbst zum ersten Mal den Titel gewonnen hätte. "Kiel hat das zu 100 Prozent verdient", anerkannte Trainer Kent-Harry Andersson, "die haben in den letzten Spielen alles gewonnen. Aber ich bin sehr zufrieden mit dem zweiten Platz und der gesamten Saison. Wir haben eine tolle Mannschaft." Etwas wehmütig blickte er auf die 24:25-Niederlage bei der SG Wallau-Massenheim am letzten April-Wochenende zurück. "Diese Meisterschaft haben wir in Wallau verloren", meinte Andersson.

Nordhorn im EHF-Pokal


Durch ihren zweiten Platz starten die Niedersachsen, die die Spielgenehmigung für die kommende Bundesliga-Saison nur mit harten Auflagen erhielten, im EHF-Pokal. In diesen Wettbewerb werden sie vom Tabellenvierten Flensburg und vom Fünften TuSEM Essen begleitet. DHB-Pokalsieger TBV Lemgo, der am Samstag zu Hause gegen GWD Minden mit 42:23 (17:14) gewann, spielt im Europacup der Pokalsieger. Der entthronte Titelverteidiger SC Magdeburg (30:30 bei der SG Solingen) wurde Sechster und tritt als Pokalverteidiger in der Champions League an.

Absteiger sind die SG VfL/BHW Hameln (21:31 beim TV Großwallstadt) und der SV Post Schwerin (22:30 beim VfL Bad Schwartau). Solingen muss als 16. in die Relegation um den Klassenverbleib gegen den Wilhelmshavener HV.

Letzter Spieltag und Abschlusstabelle der Handball-Bundesliga

TBV Lemgo - GWD Minden 42:23 (17:14)
TV Großwallstadt - SG Hameln 31:21 (13:11)
VfL Bad Schwartau - SV Post Schwerin 30:22 (16:9)
Tusem Essen - HSG D/M Wetzlar 27:28 (16:10)
HSG Nordhorn - VfL Gummersbach 28:23 (15:16)
SG Flensburg-Handewitt - THW Kiel 24:26 (14:12)
SG Wallau-Massenheim - SG Willstätt/Schutterwald 23:23 (10:15)
SG Solingen - SC Magdeburg 30:30 (14:14)
FA Göppingen - ThSV Eisenach 25:25 (13:9)

1. THW Kiel 34 26 2 6 968:820 54:14
2. HSG Nordhorn 34 25 3 6 983:827 53:15
3. TBV Lemgo 34 24 4 6 958:809 52:16
4. SG Flensburg-Handewitt 34 21 4 9 980:859 46:22
5. Tusem Essen 34 22 1 11 1007:906 45:23
6. SC Magdeburg 34 19 3 12 932:895 41:27
7. SG Wallau-Massenheim 34 17 5 12 948:918 39:29
8. HSG D/M Wetzlar 34 16 4 14 900:907 36:32
9. GWD Minden 34 16 4 14 935:945 36:32
10. ThSV Eisenach 34 14 6 14 834:867 34:34
11. TV Großwallstadt 34 12 5 17 864:890 29:39
12. FA Göppingen 34 11 4 19 824:879 26:42
13. VfL Gummersbach 34 9 6 19 804:833 24:44
14. VfL Bad Schwartau 34 13 2 19 822:908 24:40
15. SG Willstätt/Schutterwald 34 9 5 20 836:898 23:45
16. SG Solingen 34 11 1 22 871:943 23:45
17. SV Post Schwerin 34 6 2 26 810:994 14:54
18. SG Hameln 34 3 3 28 803:981 9:59

Dem VfL Bad Schwartau wurden am Ende der Saison laut Verbandsentscheid vier Punkte abgezogen.



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.