Handballer Kehrmann "Rauf und runter mit dem Krückstock"

Seine Karriere neigt sich dem Ende zu, doch Handball-Profi Florian Kehrmann hat noch Ziele: Der Rechtsaußen des TBV Lemgo will seine Erfahrung weitergeben. Im Interview mit dem "Handball-Magazin" spricht Kehrmann über junge Talente, Trainerambitionen und Bürojobs.

Handball-Profi Kehrmann: "Ich muss fit bleiben"
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Handball-Profi Kehrmann: "Ich muss fit bleiben"


Frage: Herr Kehrmann, mit welchen Ambitionen gehen Sie und der TBV Lemgo in die neue Saison?

Kehrmann: Vergangenes Jahr wollten wir vor allem die Leute bei unseren Heimspielen wieder begeistern. Die Platzierung war uns eigentlich egal. Ein, zwei nicht ganz so gute Spiele haben uns eine mögliche Europapokal-Qualifikation gekostet. Trotzdem sehe ich die Saison positiv - und das müssen wir wieder bestätigen.

Frage: Der Kader ist erneut jünger geworden.

Kehrmann: Wir haben im April mit Mait Patrail einen noch jungen Spieler verloren, der in Lemgo eine Schlüsselposition einnehmen sollte. Jetzt müssen wir uns mit unserer sehr jungen Mannschaft finden. Timm Schneider, Patrick Zieker, Hendrik Pekeler und Arjan Haenen sind zu uns gekommen - die müssen sich beweisen.

Frage: Was sind Ihre persönlichen Ziele?

Kehrmann: Für mich ist es interessant, jungen Spielern zu helfen, nicht nur in der Bundesliga Fuß zu fassen, sondern dort auch weitere Schritte zu schaffen. Ich möchte ein Bindeglied im Verein sein. Ich bin fast bei jedem Heimspiel unserer zweiten Mannschaft. Und ich trainiere unsere A-Jugend. Das ist neben dem Profisein eine Aufgabe, die mir viel Spaß macht.

Frage: Wie wird sich Ihre Rolle in der neuen Saison entwickeln? Sind Sie weiter als Nummer eins auf Rechtsaußen eingeplant?

Kehrmann: Ich glaube das schon, wenn ich fit bin - aber ich werde nicht immer 60 Minuten spielen. Ich versuche, Arjan Haenen meine Erfahrung weiterzugeben - und er gibt mir im Gegenzug Entlastung. Mit 30 hätte ich mir noch nicht vorstellen können zu sagen, es reicht, wenn ich eine Halbzeit oder 40 Minuten gut spiele. Aber im Alter wird man realistischer und merkt, dass man sich vielleicht in einigen Situationen unbewusst zurücknimmt.

Frage: Zurücknehmen und Kehrmann sind zwei Worte, die nicht zusammenpassen.

Kehrmann: Bewusst macht das keiner, aber das ist ganz normal. Ich sage auch nicht, Rechtsaußen ist mein Platz, da spiele ich, bis ich mit dem Krückstock rauf- und runterlaufe - und vorher kommt da keiner hin. Es freut mich, wenn wir gewinnen und auch einer der Jüngeren auf meiner Position gute Spiele macht.

Frage: Sehen Sie als Trainer eine künftige Rolle für sich?

Kehrmann: Ich schaue gerade, was ich mir vorstellen kann. Deshalb habe ich mit der A-Jugend begonnen. Im Herbst werde ich in unserer Geschäftsstelle ein Praktikum machen, um diese Arbeit kennenzulernen. Je mehr es zum Ende der Spielerkarriere hingeht, desto ernsthafter muss man die Chancen behandeln. Aber jetzt schon zu sagen, dass ich Trainer werde, wäre nicht realistisch. Man muss da reinwachsen.

Frage: Wäre auch ein Leben außerhalb des Handballs denkbar?

Kehrmann: Ich habe eine Ausbildung als Bankkaufmann, aber das Sitzen in einem Büro könnte ich mir nicht vorstellen. Ich habe mein Leben lang Sport gemacht - ohne das kann ich es mir kaum vorstellen.

Frage: Der 31 Jahre alte Fußballprofi Christoph Metzelder sagte vor geraumer Zeit, junge Spieler seien heute viel besser ausgebildet, er müsse eigentlich abtreten. Wie sehen Sie das im Handball?

Kehrmann: Da gibt es Unterschiede. Im Fußball entscheiden oft ein, zwei Situationen. Bei uns kommt es viel mehr auf Konstanz an. Und die haben erfahrene Spieler eher. Da gibt es vielleicht nicht mehr die Ausschläge nach oben, aber eben auch nicht nach unten. Um ein Spiel zu gewinnen, brauchst du sechs solide Leute und einen, der ein bisschen mehr bringt. Dann gewinnst du immer. Und du verlierst sicher, wenn du drei gute hast, aber zwei, die unterirdisch schlecht spielen.

Frage: Also haben Sie keine Nachteile im Vergleich mit der Jugend?

Kehrmann: Wie die Jungs durch die Gegend springen, ohne sich warm zu machen - das kann ich nicht mehr.

Lesen Sie die ungekürzte Fassung des Interviews in der August-Ausgabe des "Handball-Magazins".

Die Fragen stellte Tim Oliver Kalle

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