Rituale an Handball-Nachwuchsakademie Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Rohrzangenfolter

Im Handball-Nachwuchsleistungszentrum der SG Flensburg-Handewitt sollen Jugendliche mit einer Rohrzange gequält worden sein. Der Vorfall beschäftigt nun die Behörden.
Symbolfoto: Eine Hand hält einen Handball

Symbolfoto: Eine Hand hält einen Handball

Foto: foto2press/ imago images

"Jetzt ist Ole dran", hätten sie gebrüllt. Drei oder vier Jungs hätten sich auf ihn geworfen, ihn aufs Bett gedrückt und sein T-Shirt ausgezogen. Dann sei ein weiterer Junge mit der Zange gekommen. "Wenn du dich wehrst, tut es noch mehr weh", habe einer der Jungen gewarnt. So beschreibt Ole B. im aktuellen SPIEGEL das schmerzhafte Ritual, das er als junger Spieler in der Nachwuchsakademie des deutschen Handballmeisters SG Flensburg-Handewitt erlebte. (Hier lesen Sie den ganzen Text )

Die Flensburger Staatsanwaltschaft hat nun auf die Berichterstattung des SPIEGEL reagiert. "Wir können bestätigen, dass wir ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannt wegen Körperverletzung eingeleitet haben", sagt Stephanie Gropp, die Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Der zuständige Dezernent habe am Montag die Nachwuchsakademie aufgesucht, um die entsprechenden Personalien zu klären. Es handelte sich dabei, so Gropp, nicht um eine Hausdurchsuchung. "Es geht zunächst darum, den Sachverhalt zu klären."

In der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL wird der Fall von Ole B. beschrieben, der im Spätsommer 2015 in die Talenteschmiede der SG Flensburg-Handewitt zog, um sich dort ausbilden zu lassen. Im März 2016 sei an ihm das sogenannte Zangen-Ritual vollzogen worden, bei dem Mitspieler seine Brustwarzen malträtierten.

Ole B. verließ die Akademie im Dezember 2016 und musste sich psychologisch behandeln lassen, er spielt heute kein Handball mehr. Das Ritual soll jahrelang an der Akademie stattgefunden haben. Die Akademieleitung erklärte, von diesen Ritualen erst im März 2016 erfahren zu haben, den Vorfall gründlich aufgearbeitet und Präventionsmaßnahmen ergriffen zu haben.