Handball-Nationalspieler Kaufmann "Viele sind einfach besser als ich"

Mit Frisch Auf Göppingen hat er den EHF-Pokal gewonnen, nun will er in Flensburg angreifen: Im Interview mit dem "Handball-Magazin" spricht Nationalspieler Lars Kaufmann über Titelambitionen, den Abschied von Bundestrainer Heiner Brand und die Kritik an der Nationalmannschaft.

Nationalspieler Kaufmann (rechts): Tritt kommende Saison für Flensburg an
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Nationalspieler Kaufmann (rechts): Tritt kommende Saison für Flensburg an


Frage: Herr Kaufmann, 49 Jahre musste Frisch Auf warten, um mal wieder einen Europacup zu gewinnen. Begreift man als Spieler diese historische Dimension?

Kaufmann: Zunächst nicht. Aber wenn man mitbekommt, dass unter den Zuschauern noch sehr viele Fans sind, die diese weit zurückliegenden Erfolge miterlebt haben und die dann auch noch anfangen, davon zu erzählen, dann wird einem schon bewusst, was dieser Erfolg für den Club bedeutet.

Frage: Am Saisonende werden Sie den Verein verlassen. Wie haben die Göppinger Fans darauf reagiert?

Kaufmann: Anfangs überwog die Enttäuschung. Und, ja, es gab auch Kritik. Aber das hat sich alles längst wieder beruhigt. Auch, weil die Fans gespürt haben, dass ich trotzdem Vollgas gebe und nun zusammen mit meinen Kollegen einen Titel gewinnen konnte. Aber auch ich bin schon jetzt ein wenig traurig. Ich hatte hier in Göppingen eine Superzeit.

Frage: Das Flensburger Konzept passt für Sie?

Kaufmann: Wir haben lange Gespräche im Vorfeld meines Wechsels geführt. Das hat mich überzeugt. Sonst hätte ich dort nicht unterschrieben. Trainer Ljubomir Vranjes ist ein absoluter Fachmann. Zudem will auch die SG künftig wieder um Titel spielen.

Frage: Und finanziell dürften Sie einen Sprung nach vorn gemacht haben.

Kaufmann: Darum ging es mir nie. Ich fand eher die Perspektive spannend. Frisch Auf, denke ich, ist gegenwärtig an einem Limit angelangt. Die Plätze fünf, sechs oder sieben - dort wird sich das Team in den kommenden Jahren einpendeln. Mit Flensburg hingegen kann ich noch einmal oben anzugreifen.

Frage: Warum hat noch nie einer der drei großen Vereine aus der Liga an Ihnen Interesse gezeigt?

Kaufmann: Wahrscheinlich ist es so, dass es eben noch zahlreiche Spieler auf dieser Position gibt, die einfach besser sind als ich. Ein solches Engagement könnte mich schon reizen, aber ich würde genau hinschauen, wie viele Spielanteile da für mich drin sind. Wenn ich jeweils nur zehn Minuten auf dem Feld stünde, wäre ich nicht glücklich.

Frage: In der Nationalmannschaft haben Sie damals mit Kurzeinsätzen begonnen.

Kaufmann: Das ist etwas anderes. Als junger Spieler ist es eine Ehre, bei der Nationalmannschaft zu sein. Da sind die Einsatzzeiten zunächst nebensächlich. Heute vertraut mir der Bundestrainer weit mehr als früher, sodass sich auch meine Spielanteile deutlich erhöht haben.

Frage: Der Bundestrainer, von dem Sie sprechen, hört nun auf.

Kaufmann: Das muss man akzeptieren. 14 Jahre sind eine lange Zeit. Vielleicht ist es gut, wenn dort mal ein Wechsel kommt. Heiner Brand bleibt ja immerhin im Verband und sieht, dass er auch woanders helfen kann.

Frage: Keine Spur von Wehmut?

Kaufmann: Doch, natürlich trauere ich ihm nach. Er war derjenige, der mich damals aus der 2. Liga holte und zum Nationalspieler machte. Das war alles andere als eine Selbstverständlichkeit.

Frage: Stört es Sie eigentlich, wenn gestandene Ex-Nationalspieler sich zum Thema DHB-Auswahl äußern und die heutige Spielergeneration kritisieren?

Kaufmann: Da sollten alle mal schön realistisch bleiben. Was heute an Spielern da ist, hat ganz sicher auch eine hohe Qualität. Und auch die erfolgreiche Generation vor uns hat ein paar Jahre gebraucht, um auf ganz hohes Niveau zu kommen. Über die Kritik mache ich mir nicht so viele Gedanken wie die Medien. Wir hätten in der jüngeren Vergangenheit nur ein, zwei Siege mehr benötigt, dann sähe die Situation völlig anders aus.

Frage: Im Juni stehen die letzten beiden EM-Qualifikationsspiele in Österreich und daheim gegen Lettland auf dem Programm. Ist Ihnen dabei bewusst, dass es um die Zukunft des deutschen Handblls geht?

Kaufmann: Jeder in der Mannschaft weiß, worum es geht. Wir haben in Halle beim Rückspiel gegen Island gezeigt, dass wir auch mit diesem Druck umgehen können. Wir werden gegen Österreich mit einer Super-Einstellung ins Spiel gehen und auch gewinnen.

Lesen Sie die ungekürzte Fassung in der aktuellen Ausgabe des "Handball-Magazins".

Das Interview führte Arnulf Beckmann

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