Handball-Nationalspieler Klein "Das Team muss für Oleg gewinnen"

Der Kieler Dominik Klein wurde kurz vor der EM von Bundestrainer Heiner Brand aus dem Kader genommen. Mit SPIEGEL ONLINE spricht der 26-Jährige über die Probleme der deutschen Mannschaft, die Chancen im Spiel am Sonntag gegen Frankreich und den Tod Oleg Velykys.
Handballer Klein (l.): "Bei Frankreich passt derzeit auch nicht alles zusammen"

Handballer Klein (l.): "Bei Frankreich passt derzeit auch nicht alles zusammen"

Foto: HRVOJE POLAN/ AFP

SPIEGEL ONLINE: Herr Klein, Oleg Velykys Tod hat die Handballwelt erschüttert. Trotzdem muss die deutsche Nationalmannschaft am Sonntagnachmittag zum EM-Spiel in der Hauptrunde gegen Frankreich antreten. Wie geht das Team damit um?

Klein: Um mit diesem schweren Schlag fertig zu werden, ist das Spiel vielleicht sogar gut. Wir sind alle zusammen mit Oleg erfolgreich gewesen. Handball war das Größte für ihn. Deshalb muss das Team versuchen, dieses Spiel für ihn zu gewinnen. Ich selbst muss die ganze Zeit daran denken, dass er seinen Sohn nie wieder im Arm halten kann. Da bin ich nah am Wasser gebaut.

SPIEGEL ONLINE: Hat Deutschland sportlich gegen Frankreich überhaupt eine Chance?

Klein: Frankreich hat gegen Ungarn unentschieden gespielt, gegen Tschechien knapp gewonnen. Bei denen passt derzeit auch nicht alles zusammen. Wir haben gegen Schweden gezeigt, wie gut wir spielen können. Natürlich hat Deutschland eine Chance.

SPIEGEL ONLINE: Aber Deutschland spielt doch keine überzeugende EM.

Klein: Noch nicht. Das große Plus der Mannschaft ist ihre Unberechenbarkeit. Jeder, der von der Bank kommt, kann ein Spiel entscheiden. Egal, ob das nun Michael Müller ist oder Silvio Heinevetter. Da bekommt ganz bestimmt auch Frankreich Probleme.

SPIEGEL ONLINE: Welche Rolle spielt für Sie Mittelmann Michael Kraus? Er war in den ersten beiden Spielen schwach. Gegen Schweden spielte er besser - und Deutschland holte den ersten Sieg.

Klein: Mimi ist dafür verantwortlich, Lars Kaufmann und Holger Glandorf in die richtige Position zu bringen, dann können sie ihre Wurfstärke zeigen. Hinzu kommt, dass er selbst torgefährlich sein kann. Aber im Grunde ist die ganze Mannschaft gefragt. Jeder weiß, dass wir einfach geduldiger spielen müssen.

SPIEGEL ONLINE: Wir haben auch gesehen, wie wenig die Außen ins Spiel eingebunden wurden. War es nötig, so kurz vor der EM auf Ihrer Position personelle Änderungen vorzunehmen? Heiner Brand hat Uwe Gensheimer nominiert, nicht Sie.

Klein: Was soll ich dazu sagen? Ich war enttäuscht, dass ich zu Hause bleiben muss, die Spiele nun in Kiel von der Couch aus verfolge. Aber der Bundestrainer hat eine sportliche Entscheidung getroffen, die ich auch akzeptiere. Natürlich war unser Spiel über Außen bislang nicht gut. Gegen Polen hatten wir im ganzen Spiel eine oder zwei Chancen über außen, andere Nationen schon vier Möglichkeiten nach zehn Minuten.

SPIEGEL ONLINE: Liefe das deutsche Spiel über außen mit Ihnen besser?

Klein: Ich bin nicht der Typ für große Parolen. Darum geht es nicht. Die Bälle sind einfach nie bis zur Außenposition durchgespielt worden. Wer die Tore schießt, ist völlig egal. Ich wäre einfach gern auch bei dieser Europameisterschaft dabei. Das ist, was mir sehr fehlt.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie Gesprächsbedarf mit Bundestrainer Heiner Brand?

Klein: Nein, warum? Wir betreiben Profisport. Da entscheidet der Bundestrainer, wen er nominiert.

SPIEGEL ONLINE: Aber Sie sind enttäuscht. Würden Sie die erste Nominierung nach der EM wieder annehmen?

Klein: Keine Sekunde würde ich darüber nachdenken. Ich brenne dafür, dass ich für Deutschland spielen darf. Nach dem Spiel gegen Brasilien hat mir Heiner Brand bestätigt, dass ich weiterhin fester Bestandteil der Nationalmannschaft bin.

SPIEGEL ONLINE: Für Ihren Club THW Kiel geht es schon am 7. Februar in Gummersbach weiter. Als einer der wenigen haben Sie in der Bundesliga-Rückrunde kein schweres Turnier in den Knochen. Profitieren Sie davon?

Klein: Sicherlich habe ich zum ersten Mal seit vier Jahren wieder Zeit, mich auf eine Rückrunde vorzubereiten. Aber ganz ehrlich: Ich hätte gern das Turnier in den Knochen.

Die Fragen stellte Carsten Eberts
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