Handball-Nationalteam Brand bleibt Bundestrainer auf Zeit

Lange hat er gezögert, jetzt hat er zugesagt. Heiner Brand will trotz des enttäuschenden WM-Auftrittes weiter Bundestrainer bleiben - vorerst zumindest. Schon ab Juli könnte sich sein Aufgabenbereich ändern, alles sieht nach einem Abschied auf Raten aus.
Bundestrainer Brand: Spiel auf Zeit

Bundestrainer Brand: Spiel auf Zeit

Foto: Matthias Kern/ Bongarts/Getty Images

Hamburg - Der Wortbedeutung nach sollen Erklärungen für Klarheit sorgen. Doch was der Deutsche Handballbund (DHB) am Dienstagmittag auf seiner Internetseite verkündete, bedarf weiterer Erklärungen.

"Heiner Brand wird nach dem einstimmigen Vertrauensvotum durch das Präsidium des Deutschen Handballbundes und die Unterstützungszusage des Präsidiums der Handball-Bundesliga seine Arbeit als Bundestrainer fortsetzen und die Nationalmannschaft bei den anstehenden Maßnahmen, insbesondere der Europameisterschafts-Qualifikation, betreuen", heißt es in der DHB-Mitteilung.

Man könnte also denken, dass jetzt klar ist, dass Brand seinen bis 2013 laufenden Vertrag als Bundestrainer erfüllen wird. Doch Punkt zwei der Erklärung liest sich schon ganz anders: "Das Präsidium des DHB wird bis Ende Juni 2011 parallel zu den Beratungen im 'Arbeitskreis Nationalmannschaft' eine Entscheidung treffen, in welcher Funktion und mit welcher Aufgabenstellung Heiner Brand über den 30.06.2011 hinaus weiter für den DHB tätig sein wird."

Heißt im Klartext: Die Beteiligten spielen auf Zeit. Brand bleibt Bundestrainer für die EM-Qualifikation bis Juni, hinter den Kulissen wird aber alles in Frage gestellt und über Alternativen nachgedacht. Dazu haben sich die Spitzenfunktionäre des deutschen Handballs mit dieser Erklärung ein rund fünfmonatiges Zeitfenster geöffnet.

Zeit genug, um zu hinterfragen, was bei dem schwachen WM-Auftritt in Schweden alles schiefgelaufen ist. Eine Woche nach dem WM-Debakel hatte sich Brand bereits mit Vertretern des DHB und der Handball-Bundesliga (HBL) zu einem rund zweistündigen Krisengipfel getroffen. Auf der Tagesordnung stand die Analyse der mit Rang elf schlechtesten Platzierung einer deutschen Mannschaft in der 73-jährigen WM-Geschichte. Brand knüpft die Erfüllung seines bis 2013 laufenden Vertrages an konkrete Forderungen.

Zudem war eine Task Force gegründet worden, der neben Brand auch Strombach, Verbandsvize Horst Bredemeier sowie HBL-Präsident Reiner Witte und die HBL-Präsidiumsmitglieder Bob Hanning (Füchse Berlin) und Volker Zerbe (TBV Lemgo) angehören. Brand wird sich weiter an der Task Force beteiligen. "Er wird in dem vom Präsidium des DHB einberufenen 'Arbeitskreis Nationalmannschaft', der sich unter anderem mit notwendigen strukturellen Veränderungen befasst, weiter mitarbeiten", heißt es in der Erklärung, die zur derzeitigen Situation im deutschen Handball passt.

Selbst im Umfeld der Nationalmannschaft hatte zuletzt Unklarheit über Brands Zukunft geherrscht. Während Co-Trainer Martin Heuberger an den Verbleib seines Chefs glaubte, rechnete Bredemeier mit einem Abschied von Brand: "Ich habe ihm gesagt: Du musst weitermachen. Aber gefühlsmäßig glaube ich, dass die WM in Schweden sein letztes Turnier gewesen ist", hatte der DHB-Vizepräsident gesagt.

Am Dienstagvormittag war er schlauer: "Das ist der richtige Weg. Unser Wunsch war, dass er weitermacht und die EM-Qualifikation zu Ende spielt", sagte Bredemeier. In der Gruppenphase der Qualifikation für die EM 2012 in Serbien stehen bereits im März die Spiele gegen den Olympiazweiten Island in Reykjavik (9. März) und in Halle/Westfalen (13. März) an. Danach folgen die Partien in Österreich (8. Juni) und gegen Lettland (12. /13. Juni). Die DHB-Auswahl führt die Tabelle der Gruppe 5 derzeit mit 3:1 Punkten vor Österreich (3:1) und Island (2:2) an. Nur die beiden besten Mannschaften aus der Gruppe lösen das EM-Ticket.

Mit Material von sid und dpa
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