Handball-Skandal Kieler Ex-Manager Schwenker droht Anklage

In der Affäre um die mutmaßlichen Schiedsrichterbestechungen des THW Kiel droht dem früheren Clubmanager Uwe Schwenker ein Prozess. Nach SPIEGEL-Informationen gibt es eine brisante Selbstbezichtigung eines Mittelsmanns, die den Vereinsfunktionär schwer belaste.
Ehemaliger Handball-Manager Schwenker: Im Fokus der Ermittler

Ehemaliger Handball-Manager Schwenker: Im Fokus der Ermittler

Foto: Getty Images

Hamburg - Das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft Kiel gegen Uwe Schwenker wegen des Verdachts der Untreue steht unmittelbar vor dem Abschluss - nach Informationen des SPIEGEL deutet vieles auf eine Anklage hin. Schwenker war bis zum Bekanntwerden der Manipulationsaffäre um mutmaßlich vom THW Kiel gekaufte Champions-League-Spiele Manager des Clubs.

Im Fokus der Strafverfolger stehen vor allem zwei Überweisungen des THW Kiel in Höhe von 92.000 Euro auf ein Konto des kroatischen Geschäftsmanns Nenad Volarevic im April und Juni 2007. Schwenker sagte in einer Vernehmung, der Kroate habe diese Summe als Kontaktmann und Tippgeber des THW Kiel auf dem Balkan bekommen. Nach Aktenlage bestehen an dieser Darstellung Zweifel.

Wie die Fahnder ermittelten, flog Volarevic am 27. April 2007, zwei Tage vor dem Rückspiel des Champions-League-Finales in Kiel, von Zagreb über Warschau nach Hamburg. Zwei Tage vor dieser Reise war auf Volarevics Konto in Zagreb eine erste Zahlung des THW in Höhe von 56.400 Euro eingegangen.

Es besteht der Verdacht, dass Volarevic bei seinem nur einige Stunden dauernden Zwischenaufenthalt in Warschau der Schmiergeldbote für die beiden polnischen Schiedsrichter Miroslaw Baum und Marek Goralczyk war, die am 29. April das Final-Rückspiel leiteten. Baum und Goralczyk bestreiten, jemals Bestechungsgeld entgegengenommen zu haben.

Kompromittierendes Schreiben des vermeintlichen Mittelsmanns?

In den Akten der Staatsanwaltschaft finden sich mehrere Zeugenaussagen, wonach Volarevic sich in einer schriftlich formulierten Selbstbezichtigung der Bestechung der beiden polnischen Schiedsrichter beschuldige. Alles sei im Auftrag des THW-Managers Schwenker geschehen. Wie der SPIEGEL in Erfahrung brachte, trägt das Schreiben das Datum vom 20. Januar 2009 und ist bei einem Berliner Anwalt deponiert, dem Volarevic es per Fax schickte. Volarevic äußerte sich dazu nicht. Schwenkers Verteidiger Harald Riettiens weist jeglichen Korruptionsverdacht gegen seinen Mandanten zurück, diesem sei auch "die angebliche Selbstbezichtigung des Herrn Volarevic nicht bekannt".

Unterdessen prüft die SG Flensburg-Handewitt, der unterlegene Gegner des THW Kiel im Rückspiel des Champions-League-Finales 2007, eine Schadensersatzklage. Der Sportrechtler Thomas Summerer, der die Flensburger vertritt, sagte dem SPIEGEL: "Aus unserer Sicht gibt es in den Akten stichhaltige Indizien, dass das Champions-League-Finale 2007 manipuliert wurde."