Handball-Bundesligist TBV Lemgo verklagt Ex-Manager Zerbe

Wegen dubioser Finanzgeschäfte stand der TBV Lemgo im Sommer kurz vor der Insolvenz. Nun hat sich der Handball-Bundesligist von Geschäftsführer Fynn Holpert getrennt. Gegen dessen ehemaligen Partner Volker Zerbe stellte der Club sogar Strafanzeige.

Ex-Lemgo-Manager Zerbe: Vom Club angeklagt
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Ex-Lemgo-Manager Zerbe: Vom Club angeklagt


Hamburg - Der Handball-Bundesligist TBV Lemgo stellt Strafanzeige gegen seinen ehemaligen Geschäftsführer Volker Zerbe. Zudem hat der Club Fynn Holpert von seinen Aufgaben als Geschäftsführer entbunden. Das teilte der Verein nach einer Sitzung des Beirats mit. Man habe sich dazu "entschieden, das Angebot von Fynn Holpert anzunehmen und ihn von seinem Amt als Geschäftsführer zu entbinden", hieß es in einer Pressemitteilung.

Als Interimsgeschäftsführer setzte der Club Christian Sprdlik ein, der zurzeit Geschäftsführer der Handball Lemgo Spielbetriebs GmbH ist. Hintergrund der Maßnahmen sind staatsanwaltschaftliche Ermittlungen gegen Holpert, von denen am Montag im SPIEGEL erstmals berichtet worden war.

"Es wurden Sponsorenverträge abgeschlossen, die nicht erfüllt wurden"

Im Sommer hatte eine Liquiditätslücke in Höhe von 1,4 Millionen Euro den Club nahe an die Insolvenz gebracht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun wegen des Verdachts der Urkundenfälschung und des versuchten Betrugs gegen Holpert. Es geht um einen Scheck über 200 Millionen Euro, den der nun ehemalige TBV-Geschäftsführer zusammen mit angeblichen Investoren bei der Sparkasse Lemgo präsentiert haben soll.

Der Beirat teilte mit, dass er bei der Überprüfung der Finanzen "Ungereimtheiten" festgestellt habe. Der Verein sei "in den zurückliegenden zwei Geschäftsjahren in sechsstelliger Höhe geschädigt" worden, es seinen "Sponsorenverträge abgeschlossen, die nicht erfüllt wurden". Man habe erfolglos versucht, sich außergerichtlich mit Zerbe zu einigen. Der Vertrag mit dem ehemaligen Nationalspieler war schon Ende August aufgelöst worden.

Die Liquiditätslücke wurde unter anderem durch einen Verzicht der Spieler auf Teile ihres Gehalts geschlossen. "Der Verein stand kurzzeitig mit dem Rücken zur Wand", sagte der Beiratsvorsitzende Siegfried Haverkamp im Sommer.

Die Mannschaft zeigte sich von den Entwicklungen geschockt. "Ich habe sieben Jahre mit Zerbe zusammengespielt. Er war mein Chef als Trainer und Geschäftsführer. Ich persönlich hätte mir die letzten acht Wochen gern erspart", sagte Kapitän Florian Kehrmann. "Um das Ansehen des Verein zu erhalten, war der Schritt notwendig."

leh/sid/dpa

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